Wernigerode l Die Anwohner der Frankenfeldstraße müssen in den sauren Apfel beißen. Ein Teil ihrer Straße wird umbenannt – gegen ihren Willen, um im Sinne der Gefahrenabwehr Ordnung zu schaffen, wie die Stadtverwaltung argumentiert.

Das Problem: Die Straße in Hasserode wird durch die Friedrichstraße geteilt. Im nördlichen Teil der Straße stehen für 26 Eingänge nur vier Hausnummern zur Verfügung. Die Folge sind Beschilderungen wie 6d, 6f oder 5e. Die Mitglieder des Kulturausschusses haben sich bereits auf einen neuen Namen geeinigt. Der Straßenabschnitt soll künftig Wilhelm-Pramme-Straße heißen und gleichzeitig eine logische Nummerierung erhalten.

Zu 100 Prozent dagegen

Sehr zum Verdruss vieler Anwohner. Sowohl bei einer Infoveranstaltung als auch in mehreren Fachausschüssen machten sie ihrem Ärger Luft. „Wir sind zu 100 Prozent gegen die Umbenennung“, so Dirk Rühr in der Sitzung des Kulturausschusses. Zum Beweis legte er der Stadtverwaltung eine Unterschriftenliste aller Nachbarn vor. Statt eines anderen Namens schlagen die Anwohner ein ergänzendes Schild unter dem Straßennamen vor, welches auf die jeweiligen Hausnummern in dem Straßenabschnitt hinweist – wie anderswo in Wernigerode auch. Das wäre für alle die billigste und unaufwendigste Lösung, so Rühr.

„Das ist aber nicht die beste Lösung“, hieß es von Hans-Dieter Nadler vom Stadtplanungsamt. Die jetzige Nummerierung sei unlogisch. „Das System muss erst mal jemand begreifen“. Es bestehe die Gefahr, dass Rettungsdienste wie Feuerwehr oder Krankenwagen den gesuchten Einsatzort nicht finden – gerade dann, wenn es um Leben oder Tod geht, wenn jede Sekunde zählt. „Wir wollen nicht, dass erst etwas passiert.“ Für die betroffenen Anwohner würden keine Kosten entstehen. „Wir erheben keine Gebühr für Adressänderungen in Personalausweisen oder andere Ummeldungen bei der Stadt“, so Nadler. Auch die Kreisverwaltung würde auf die Ummeldegebühr für Pkw verzichten.

Weitere Straßen betroffen

Eine Umbenennung könnte demnächst auch weiteren Straßen in Wernigerode blühen, wie Hans-Dieter Nadler und Ordnungsdezernent Volker Friedrich im Ordnungsausschuss informierten. Kritische Fälle seien laut Nadler die Feldstraße oder das Hundertmorgenfeld, weil sie wie die Frankenfeldstraße durch eine übergeordnete Straße geteilt sind. „Da gibt es die skurillsten Erscheinungen“, so Friedrich. „Aus ordnungsrechtlicher Sicht müssen wir einiges gerade ziehen.“

Was die Frankenfeldstraße in Hasserode betrifft, da haben die Stadträte das letzte Wort. In der Sitzung am Donnerstag, 22. März, stimmen sie über die Namensänderung ab.