Halberstadt l „Es ist uns gelungen, die politisch Verantwortlichen für die besonderen Probleme von Pflege- und Adoptiveltern zu sensibilisieren“, berichtet Kathrin Kube, die Vorsitzende des Landesverbandes der Pflege- und Adoptiveltern auf der Mitgliederversammlung.

Der Landesverband hat die Zusage, dass er ab dem kommenden Jahr institutionell gefördert wird. In einem Gespräch im Sozialministerium wurde dies bestätigt. „Mit dem Aufbau einer eigenen Geschäftstelle wollen wir nicht nur die Basis für unsere ehrenamtliche Arbeit verbessern, sondern vor allem auch einen räumlichen Anlauf- und Beratungspunkt für unsere Mitglieder und weitere Interessenten an unserer Arbeit schaffen.“ Außerdem soll die neue Geschäftsstelle als Schnittstelle aller Partner fungieren.

Gleichstellung

„Damit ist unser Landesverband, als Mitglied der Landesarbeitsgemeinschaft (LAGF) der Familienverbände, diese nun gleichgestellt.“ Der Landesverband ist vor 15 Monaten neu gegründet worden und vereint die Vereine aus dem Harz, Wittenberg, Bernburg, Halle und Weißenfels. Sofort nach Gründung ist der Verband den drängendsten Fragen nachgegangen, wie die steigenden Anzahl der Pflegekinder und die zugleich sinkende Zahl von Pflegeltern, die angespannte Personalsituation im Pflegekinderdienst, die Finanzierung notwendiger Weiterbildungen für Pflegeeltern oder die finanzielle Absicherung der Pflegekinder.

Dass die Probleme gravierend sind und das Thema komplex ist, zeigt die Antwort der Landesregierung auf die Große Anfrage der Fraktion Die Linke.

„Das was wir schon lange vermutet haben, zeigt sich hier schwarz auf weiß“, sagt deren Abgeordnete Monika Hohmann. Neben deutlich unterschiedlichen Bedingungen für Pflegeeltern in den Landkreisen sei ihr aufgefallen, dass über die Hälfte der Pflegekinder aus Familien von Alleinerziehenden kommen. „Hier müssen wir sofort ansetzen und diese überforderten Eltern unterstützen.“

Mitstreiter

Auch in Cornelia Lüddemann (Bündnis 90/Die Grünen) hat der Landesverband der Pflege- und Adoptiveltern eine prominente Mitstreiterin gefunden. Sie sieht in der personellen Ausstattung der Jugendämter einen weiteren Grund für die angespannte Situation im Pflegekinderwesen. Die große Anfrage habe ergeben, dass in Sachsen-Anhalt im Schnitt auf einen Mitarbeiter des Jugendamtes 80 Fälle kämen. Vorgesehen seien 25. Cornelia Lüddemann: „Das kann nicht funktionieren.“

Am Ende werde die Mund zu Mund-Propaganda von zufriedenen und gut betreuten Pflegeeltern dazu führen, dass wieder mehr Familien bereit sind, einem Kind ein neues Zuhause zu geben. Daneben wolle der Landesverband künftig stärker auf Öffentlichkeitsarbeit, soziale Medien und mehr Präsenz vor Ort setzen.