Grenzmuseum in Sorge wegen Holzeinschlag geschlossen

Das Grenzmuseum Sorge schließt wegen Fällarbeiten sein Außengelände. Zwei Wochen lang sollen in der Nähe noch tote Fichten geschlagen und abtransportiert werden.

Von Katrin Schröder
Der Zugang zum  Außengelände des Grenzmuseums Sorge ist derzeit gesperrt. Wegen der Fällarbeiten bestehe in dem Bereich ein Risiko für Museumsbesucher und Wanderer.
Der Zugang zum Außengelände des Grenzmuseums Sorge ist derzeit gesperrt. Wegen der Fällarbeiten bestehe in dem Bereich ein Risiko für Museumsbesucher und Wanderer. Foto: Tino Franke

Sorge - Der Weg zerfahren, das Erdreich eingedrückt: „Es sieht wirklich fürchterlich aus“, sagt Inge Winkel, Vorsitzende des Vereins Grenzmuseum Sorge. Der Grund: In der Grenzlandschaft nahe dem kleinsten Oberharz-Ortsteil sind derzeit große Maschinen unterwegs. Mit ihrer Hilfe werden Bäume gefällt, die der Trockenheit und dem Borkenkäfer zum Opfer gefallen sind.

Wegen der potenziellen Gefahr für Besucher haben die Vereinsleute die Notbremse gezogen: Das Freilandmuseum mit dem Ring der Erinnerung ist zunächst offiziell für zwei Wochen gesperrt. Wer unbedingt wolle, könne das Areal zwar weiterhin betreten, so Inge Winkel – „aber nur auf eigene Gefahr“. Das Grenzmuseum bleibt hingegen geöffnet.

Für die historische Grenzlandschaft sind die Folgen der Holzfällaktion fatal: Der Kolonnenweg, den die Grenzer einst genutzt haben, habe in einigen Bereichen sehr gelitten, sagt Tino Franke vom Vereinsvorstand. „Die schweren Maschinen haben das Erdreich derart niedergedrückt, dass die Platten teilweise freiliegen.“

Schäden kaum zu beseitigen

Dadurch würden sie nicht nur zur Stolperfalle für Museumsbesucher und Wanderer, sondern würden auch beschädigt. Man verstehe durchaus, dass die von Käfern befallenen Bäume gefällt und abtransportiert werden müssten, so Franke. Doch dabei müsse auf die Grenzlandschaft als Teil der Erinnerungskultur an die deutsche Teilung Rücksicht genommen werden. „Das Problem ist: Wenn wir bauliche Schäden haben, können wir diese im Nachgang kaum beseitigen.“ Ersatzplatten für den Weg seien 40 Jahre nach dem Bau kaum aufzutreiben.

Die Holzlaster seien weniger ein Problem als die schweren Kettenfahrzeuge, die zeitweise den Kolonnenweg befahren hätten. Inzwischen seien diese aus dem Museumsbereich verbannt, so Franke. Die Vereinsmitglieder hoffen, dass keine unterirdischen Schäden bleiben. Denn unmittelbar am Kolonnenweg verlaufen die Leitungen des alten Stromnetzes der Grenztruppen, das nie zurückgebaut wurde.

Dies könnte bedeutsam werden für das Projekt des Vereins, kostenfreies WLAN am früheren Grenzstreifen zu installieren. Laut Plan sollte die Stromversorgung über Solarfelder gesichert werden, doch aufgrund von Einwänden von Denkmalschutz und Forstbetrieb gestaltet sich dies schwierig (die Volksstimme berichtete). Eine Lösung könnte darin bestehen, das alte Stromnetz zu reaktivieren. „Es gibt keine Lagepläne mehr“, sagt Tino Franke. Eine Firma sollte „zeitnah“ Verlauf und Zustand der Leitungen erkunden. Wegen der Holzarbeiten muss dies warten – in der Hoffnung, dass die Kabel den Belastungen standgehalten haben.

Verständnis für Sorgen

Diese dauern vorerst an. Zwei bis drei weitere Wochen werde in der Grenzlandschaft Holz geschlagen, sagt Eberhard Reckleben, Leiter des Landesforstbetriebs Oberharz in Trautenstein. Die Holzrückung erfolge über den Kolonnenweg, was Verschmutzungen zur Folge habe. Die Sorgen des Vereins seien „total verständlich“, sagt Reckleben, setzt aber hinzu: „Ich kann es nicht ändern.“

Denn auch an der ehemaligen innerdeutschen Grenze haben Trockenheit und Borkenkäfer die Fichten sterben lassen. „In dem Bereich wird Käferholz eingeschlagen. Das sind unfassbar große Mengen“, so Reckleben. Das Holz müsse aus dem Wald geschafft werden, das sei unausweichlich.

Wie das geschehe, bereite ihm aber ebenfalls Bauchschmerzen. Viele Unternehmen seien im Wald unterwegs, um Bäume zu fällen und abzutransportieren. „Die Sensibilität vieler Firmen ist leider nicht sehr ausgeprägt“, weiß Reckleben. Der Forstbetrieb habe reagiert, indem er eine Richtlinie für das Verhalten im Wald herausgegeben habe. Die Vorgaben würden den Verträgen beigefügt und den Fuhrunternehmen übermittelt.

Instandsetzung zugesichert

Man versuche, das Geschehen zu kontrollieren, doch die Forstmitarbeiter könnten nicht überall sein. Nach Abschluss der Arbeiten solle der Weg wieder hergerichtet werden. Mit Reparaturen sei man laufend beschäftigt, so Reckleben: „Wir haben in den zurückliegenden Jahren unser Wegenetz sechs- bis siebenmal instandsetzen müssen.“ Den Weg zum ehemaligen Grenzturm habe man abgesperrt, weil dort viele Fahrer gewendet hätten – obwohl der Forstbetrieb andernorts eine Wendeschleife gebaut habe, damit dies unterbleibt.

Gerade der Grenzturm leide sehr unter dem Verkehr, sagt Tino Franke. Das Gebäude sei ein Segmentbau, zusammengeschweißt und nicht auf Dauer angelegt. Daher dürfe dort, wenn überhaupt, nur mit Schrittgeschwindigkeit gefahren werden – daran hätten sich viele Fahrer aber nicht gehalten. Die Schwingungen, die die schweren Wagen verursachten, übertrügen sich auf den Turm, der dadurch instabil und in seinem Bestand gefährdet würde. Auch hier ließen sich Schäden kaum reparieren.

Vielen Fahrern sei offenbar nicht klar, dass sie sich durch denkmalgeschütztes Gelände bewegen, sagen Inge Winkel und Tino Franke. Vor Ort versuchen sie, mit den Fahrern zu sprechen, doch viel ausrichten könnten die Vereinsmitglieder nicht. „Wir machen das im Ehrenamt. Wir können das Geschehen nicht permanent überwachen“, so Franke.

Bei manchen Museumsgästen hinterlasse der aktuelle Zustand einen schlechten Eindruck, wie vor Ort zu hören sei. Ein enttäuschter Besucher schrieb gar beim Suchportal Google von einer „Katastrophe“: „So wird Geschichte vorsätzlich kaputtgemacht“. Das aber sehen die Mitglieder anders: Weder könne man die Entwicklung des Waldes beeinflussen, noch habe das bisher idyllische Landschaftsbild zum Kern des Grenzmuseums gehört. „Es war lediglich schmückendes Beiwerk“, heißt es in ihrer Antwort.