Wernigerode l Es ist fast ein Jahr her, als Stadtratsmitglieder und Stadtchef die Mega-Skihalle für Wernigerode zur Kenntnis genommen haben. Am 7. Juni 2016 präsentierte der Ski-Enthusiast Klaus-Dieter Götze sein Projekt im Kultur-und Sportausschuss. Nun ist die Vision erneut Thema geworden. Wie ernst?

Oberbürgermeister Peter Gaffert (parteilos) weicht bei dieser Frage nicht aus. Das persönliche Gespräch im Rathaus mit Götze und einem Vertreter des österreichischen Baukonzerns Porr habe stattgefunden. Im Ergebnis sei es um den Wunsch einer Grundstücksoption gegangen, damit der Investor eine Machbarkeitsstudie für das bis zu 90 Millionen Euro teure Projekt in Auftrag geben kann. Im Bereich Astberg am Ende des Mühlentals soll die weltgrößte Skihalle gebaut werden. „Bevor wir überhaupt etwas in Hinsicht Grundstücksoption unternehmen, muss uns eine ganz klare Finanzierungsaussage vorliegen“, so Gaffert und: „Das werde ich dem Projektentwickler schriftlich mitteilen.“ Eine Bewertung wolle er nicht vornehmen, jedoch dem Ganzen eine Chance einräumen.

„Als Unternehmer darf man Visionen haben“, sagt Roland Richter. Der Vorsitzende der CDU/Haus & Grund-Stadtratsfraktion hat gemeinsam mit den Mitgliedern am Dienstag sehr aufmerksam den Ausführungen von Klaus-Dieter Götze und einem Mitarbeiter des Planungsbüros zugehört. „Es war interessant, auch die Antworten auf Fragen unsererseits zu Details“, sagt Richter. Im Ergebnis gibt es noch sehr viel Gesprächsbedarf. Einige der Fraktionsmitglieder waren angetan, andere wiederum ganz und gar nicht.

Geteiltes Echo

„Wir wollen es erst einmal sacken lassen, um uns dann eine Meinung zu bilden. Vielleicht schauen wir uns das Gelände noch an, wo gebaut werden soll“, so der Wernigeröder Christdemokrat. In erster Linie sei es eine exklusive Informationsveranstaltung gewesen. Nicht ohne Wirkung bei dem selbst in vielerlei Hinsicht sportbegeisterten Unternehmer Richter.

„Diese Halle mit dem für mich schlüssigen sportlichen wie energetischen Konzepten wäre eine Chance, ja ein Leuchtturm für Wernigerode.“ Zwei Skisprungschanzen, eine Bobbahn, Skialpin- und Langlaufpiste, ein Eventbereich mit versenkbarer Bühne, Hotel und vieles mehr - der Film, der auf der Präsentation gezeigt wurde, „hat mich ehrlich begeistert“, gibt Richter zu, das alles nicht als Spinnerei empfunden zu haben. „Ich sehe doch in Südtirol, wie sich die Leute dort anstrengen und was dort alles unternommen wird, um im Tourismuswettbewerb mitzuhalten.“ Oder: „Bleiben wir im Harz und schauen zur Rappbodetalsperre, wo nun die Hängebrücke die Massen zieht.“ Die Skihalle wäre ein großes Zugpferd, „weltweit wird Wernigerode wahrgenommen“.

100 Prozent privat finanziert

Aber, stockt Richter in seiner Schwärmerei, „solch ein gigantisches Projekt muss mit Sinn und Verstand sowie mit rechtlicher Einhaltung in allen Bereichen umgesetzt werden.“ Und: „Am Ende muss die Finanzierung stimmen.“ In dieser Hinsicht sei die Stadt Wernigerode fein raus. „Das Projekt soll zu 100 Prozent privat finanziert werden.“ Deshalb sehe Roland Richter die Mega-Skihalle als eine Chance, die Klaus-Dieter Götze seiner Heimatstadt einräumen wolle. „Er hat gesagt, dass man in Bayern Interesse hat, er aber Wernigerode den Vorzug wegen der langen Skisporttradition geben möchte.“

Der 68-jährige Götze, langjähriger internationaler Skisprungrichter, ist Mitglied im Ski-Klub Wernigerode und trainiert eine Nachwuchsgruppe von Weitenjägern.