Wernigerode l Ob Tagesspiegel, Super-Illu oder Bild-Zeitung – schon fast alle großen Blätter haben über Brocken-Benno berichtet. Nun lächelt Wernigerodes berühmtester Wanderer Millionen Bahnreisenden aus der Mai-Ausgabe des Fahrgast-Magazins Mobil entgegen.

Ob der rüstige Rentner – am Dienstag, 22. Mai, wird er 86 Jahre alt – jetzt selbst ruhiger tritt und auf den Zug umsteigt? „Noch nicht, aber ich habe schon bei den Harzer Schmalspurbahnen für eine Jahreskarte auf meinen Lieblingsberg angefragt, falls die Beine mal nicht mehr mitspielen“, sagt Benno Schmidt mit einem Schmunzeln.

Noch sei es aber nicht Zeit für alternative Bewegunsmittel, um beinahe täglich auf den Brocken zu gelangen. „Zwar habe ich auch schon über ein Elektro-Fahrrad nachgedacht, vorher möchte ich noch einige Ziele erreichen“, sagt Benno.

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8888. Brocken-Aufstieg zum 88.

Das Größte: Zum 88. Geburtstag will der Wernigeröder seinen 8888. Brocken-Aufstieg meistern. Bei aktuell mehr als 8470 registrierten Touren auf Norddeutschlands höchsten Gipfel durchaus möglich.

„Ich bin vernünftiger geworden, gehe nicht mehr bei jedem Wetter hoch“, sagt Benno. So habe er sich – anders als noch vor elf Jahren bei Kyrill, der mit 199 Kilometern pro Stunde über den Brocken fegte, Ende Januar bei Orkan Friederike zusammen gerissen und sei im Tal geblieben.

„Am nächsten Tag musste ich über zwölf umgestürzte Bäume steigen, habe es aber auf den Gipfel geschafft.“ Den 86-Jährigen plage an jedem Tag ohne Wanderung „das Gefühl, etwas verpasst zu haben“.

Vorbild für Harz-Touristen

Denn: „Ich entdecke jedes Mal ein neues Detail in der Natur, etwa einen frischen Trieb an einem Baum.“ Und der passionierte Wanderer treffe jeden Tag neue Menschen auf seiner Tour von Schierke über das Eckerloch zum Gipfel in 1141 Metern Höhe. „Es macht immer noch Spaß, Gäste von weit her für den Harz und den Brocken zu begeistern.“

Für die Region werben will Benno Schmidt auch, wenn am 29. Juni wieder in der MDR-Talkshow Riverboat auftritt – und mit seinem neuen Buch. „Darin will ich die vielen Fragen, die mir täglich gestellt werden, beantworten“, sagt der „einzige Achttausender im Harz“, wie er sich selbst nennt. Anfangs sollte eine junge Co-Autorin das Buch schreiben. „Sie kannte den Harz überhaupt nicht und wollte mich in eine Romanfigur verwandeln.“ Das passte dem ehrlichen Harzer Landschaftsfreund, wie er sagt, überhaupt nicht. „So griff ich selbst zur Feder.“

Begegnungen mit Messner und Kieling

Auf rund 115 Seiten erkläre Benno Schmidt seine „Bergsucht“, die er in den vergangenen 27 Jahren entwickelt hat. „Dieses Buch ist weder Roman noch Krimi, sondern eine sachliche Darstellung eines Lebensabschnittes vor und nach der Grenzöffnung sowie in den folgenden Jahren“, zitiert er aus dem Vorwort.

Anfang August soll das Taschenbuch erscheinen, in dem Benno Wanderern Ratschläge und Tipps zu Ausrüstung und der Harzer Wandernadel gibt, aber auch lustige und für ihn persönlich bedeutsame Anekdoten erzählt: „Besonders gern erinnere ich mich an die Begegnung mit Reinhold Messner und die Brocken-Wanderung mit dem Tierfilmer Andreas Kieling.“

Als sein wichtigstes Lebenswerk sieht er den Gedenkstein zur Brockenöffnung, der 1994 aufgestellt wurde. „Darauf bin ich wirklich stolz. Das ist eine Idee, die bleibt“. Fast jeder Tourist auf dem Gipfel lasse sich mit dem Stein fotografieren.