Wernigerode/Oberharz l „Seit einem halben Jahr halten die starken Zuflüsse in das Talsperrensystem an – so viel Wasser hatten wir seit dem Hochwasser 2009 nicht mehr“, informiert Joachim Schimrosczyk auf Volksstimme-Nachfrage.

Noch kein Grund zur Panik

Von einer dramatischen Situation will der Leiter für Betrieb und Überwachung im Talsperrenbetrieb Sachsen-Anhalt nicht oder noch nicht sprechen. „Kein Grund zur Panik, aber wir kontrollieren verstärkt und erhöhten den Ablauf in Wendefurth“, so Schimrosczyk. Sonst eher entspannt wegen der meist recht schnell vom Oberharz abfließenden Wassermassen, zeigt er sich wachsam gegenüber den wachsenden Wasserständen.

Seit Mitte Dezember bereits wird im Talsperrenbetrieb gegengesteuert. Und zwar derart, dass der Abfluss aus der Talsperre Wendefurth von normal 1,5 Kubikmeter je Sekunde auf 18 Kubikmeter Wasser je Sekunde erhöht wurde. Etwa 1,5 Millionen Kubikmeter rauschen so pro Tag aus dem Tosbecken der Anlage ins Tal Richtung Thale.

Bilder

Talsperren schaffen Freiraum

„Seit 14. Dezember flossen damit rund 32 Millionen Kubikmeter Wasser die Bode hinab, das ist schon eine Menge“, so Wasserexperte Schimrosczyk. Die Untere Bode steige dadurch an, bleibe aber noch im vorgegebenen Flussbett. In den einzelnen Oberharzer Talsperren werde durch diesen erhöhten Abfluss Freiraum geschaffen. Die Zuflüsse seien stark, aber nicht dramatisch.

Hochwasser im Harz

Wernigerode (ru) l Land unter in Wernigerode und Umgebung. Der Dauerregen hat die Harzbäche Holtemme und Ilse in reißende Flüsse verwandelt. Sie sind über die Ufer getreten.

  • Die Holtemme führt Hochwasser, hier an der Hochschule Harz in Wernigerode. Foto: Regina Urbat

    Die Holtemme führt Hochwasser, hier an der Hochschule Harz in Wernigerode. Foto: Regina Urbat

  • Die Steinerne Renne ist über die Ufer gelaufen, Land unter auf der Bielsteinchaussee bei Wernigerode. Foto: Regina Urbat

    Die Steinerne Renne ist über die Ufer gelaufen, Land unter auf der Bielsteinchaussee bei Wer...

  • Land unter auf der Bielsteinchaussee, an Anwohner zieht eine Furche. Foto: Regina Urbat

    Land unter auf der Bielsteinchaussee, an Anwohner zieht eine Furche. Foto: Regina Urbat

  • Die Steinerne Renne ist randvoll, die Bahnbrücke der HSB an der Bielsteinchaussee droht überspült zu werden. Foto: Regina Urbat

    Die Steinerne Renne ist randvoll, die Bahnbrücke der HSB an der Bielsteinchaussee droht ...

  • Der Durchlass im Triangel an der Zufahrt zum Hasseröder Burghotel schafft die Wassermassen nicht, der Sturzbach läuft über. Foto: Regina Urbat

    Der Durchlass im Triangel an der Zufahrt zum Hasseröder Burghotel schafft die Wassermassen n...

  • Frauen und Männer der Langelner Feuerwehr ziehen in Veckenstedt die Reste eine zerstörten Behelfsbrücke aus den Fluten. Foto: Michael Lumme

    Frauen und Männer der Langelner Feuerwehr ziehen in Veckenstedt die Reste eine zerstört...

  • Land unter im Camp auf dem Reiterhof an der Grovesmühle in Veckenstedt. Die Kinder wurden in Sicherheit gebracht. Foto: Jörg Niemann

    Land unter im Camp auf dem Reiterhof an der Grovesmühle in Veckenstedt. Die Kinder wurden in...

  • Hochwasser in der Kruskastraße in Wernigerode. Anwohner helfen beim Stapeln der Sandsäcke. Foto: Uta Müller

    Hochwasser in der Kruskastraße in Wernigerode. Anwohner helfen beim Stapeln der Sandsäc...

  • Hochwasser Kruskastraße in Wernigerode. Mitarbeiter des Bauhofs Wernigerode und Anwohner informieren sich über die Lage. Foto: Uta Müller

    Hochwasser Kruskastraße in Wernigerode. Mitarbeiter des Bauhofs Wernigerode und Anwohner inf...

  • Hochwasser Kruskastraße in Wernigerode. Das Wasser der Holtemme sprudelt unter der Brücke hervor. Foto: Uta Müller

    Hochwasser Kruskastraße in Wernigerode. Das Wasser der Holtemme sprudelt unter der Brüc...

  • Die Holtemme kurz vor dem Übertreten des Ufers im Stadtfelde in Wernigerode. Foto: Ivonne Sielaff

    Die Holtemme kurz vor dem Übertreten des Ufers im Stadtfelde in Wernigerode. Foto: Ivonne Si...

  • Unterhaltungsverband Holtemme an der Schwachstelle im Einsatz: Sturzbach in Oberhasserode. Foto: Ulrich Eichler

    Unterhaltungsverband Holtemme an der Schwachstelle im Einsatz: Sturzbach in Oberhasserode. Foto: ...

  • Die Holtemmebücke in Derenburg. Foto: Jens Müller

    Die Holtemmebücke in Derenburg. Foto: Jens Müller

  • Die Holtemmebücke in Derenburg. Foto: Jens Müller

    Die Holtemmebücke in Derenburg. Foto: Jens Müller

  • Hochwasser der Holtemme in Derenburg. Foto: Jens Müller

    Hochwasser der Holtemme in Derenburg. Foto: Jens Müller

  • Hochwasser der Holtemme in Derenburg. Foto: Jens Müller

    Hochwasser der Holtemme in Derenburg. Foto: Jens Müller

  • Hochwasser der Holtemme in Derenburg. Foto: Jens Müller

    Hochwasser der Holtemme in Derenburg. Foto: Jens Müller

  • Hochwasser der Holtemme in Derenburg. Foto: Jens Müller

    Hochwasser der Holtemme in Derenburg. Foto: Jens Müller

  • Die Gunst der Berglage und des relativ verhaltenen Dauerregens sorgt eim Bereich Oberhrz für mehr Zulauf, Unbilden für Urlauber, aber bis 13 Uhr zu keinerlei  Problemen. Foto: Burkhard Falkner

    Die Gunst der Berglage und des relativ verhaltenen Dauerregens sorgt eim Bereich Oberhrz für...

  • Die Gunst der Berglage und des relativ verhaltenen Dauerregens sorgt eim Bereich Oberhrz für mehr Zulauf, Unbilden für Urlauber, aber bis 13 Uhr zu keinerlei  Problemen. Foto: Burkhard Falkner

    Die Gunst der Berglage und des relativ verhaltenen Dauerregens sorgt eim Bereich Oberhrz für...

  • Die Bundeswehr fliegt am Donnerstag in Silstedt Bigbags an den aufgeweichten Holtemme-Deich. Foto: Matthias Bein

    Die Bundeswehr fliegt am Donnerstag in Silstedt Bigbags an den aufgeweichten Holtemme-Deich. Foto...

  • Hubschraubereinsatz der Bundeswehr in Silstedt. Foto: Matthias Bein

    Hubschraubereinsatz der Bundeswehr in Silstedt. Foto: Matthias Bein

  • Hubschraubereinsatz der Bundeswehr in Silstedt. Foto: Matthias Bein

    Hubschraubereinsatz der Bundeswehr in Silstedt. Foto: Matthias Bein

  • Anwohner stehen  in der historischen Altstadt von Wernigerode vor einer Sandsackmauer. Foto: Matthias Bein

    Anwohner stehen in der historischen Altstadt von Wernigerode vor einer Sandsackmauer. Foto: Matt...

  • Schaulustige  in der Altstadt von Wernigerode und warten vor einem aufgeschütteten Erdwall auf das Hochwasser. Foto: Matthias Bein

    Schaulustige in der Altstadt von Wernigerode und warten vor einem aufgeschütteten Erdwall a...

  • Die Situation am Zillierbach in Wernigerode, hier an der Promade, ist immer noch angespannt. Foto: Regina Urbat

    Die Situation am Zillierbach in Wernigerode, hier an der Promade, ist immer noch angespannt. Foto...

  • Wassermassen haben in der Holtemme die Stützmauer unterspült, auf der Straße Insel klafft ein riesiges Loch. Foto: Regina Urbat

    Wassermassen haben in der Holtemme die Stützmauer unterspült, auf der Straße Insel...

  • Wassermassen haben in der Holtemme die Stützmauer unterspült, auf der Straße Insel klafft ein riesiges Loch. Foto: Regina Urbat

    Wassermassen haben in der Holtemme die Stützmauer unterspült, auf der Straße Insel...

  • Wassermassen haben in der Holtemme in Wernigerode  ein Wehr weggerissen. Foto: Regina Urbat

    Wassermassen haben in der Holtemme in Wernigerode ein Wehr weggerissen. Foto: Regina Urbat

  • Wassermassen haben in der Holtemme in Wernigerode  ein Wehr weggerissen. Foto: Regina Urbat

    Wassermassen haben in der Holtemme in Wernigerode ein Wehr weggerissen. Foto: Regina Urbat

  • Aufräumen nach der Flut in Wernigerode: Foto: Uta Müller

    Aufräumen nach der Flut in Wernigerode: Foto: Uta Müller

  • Aufräumen nach der Flut in Wernigerode: Foto: Uta Müller

    Aufräumen nach der Flut in Wernigerode: Foto: Uta Müller

  • Kristenbesprechung in Silstedt, mit dabei Kameraden aus Bitterfeld. Foto: Tim Bruns

    Kristenbesprechung in Silstedt, mit dabei Kameraden aus Bitterfeld. Foto: Tim Bruns

  • Kameraden der Blankenburger Feuerwehr beim zweiten Einsatz im Haus Am Stadtpark. Foto: Jens Müller

    Kameraden der Blankenburger Feuerwehr beim zweiten Einsatz im Haus Am Stadtpark. Foto: Jens M...

  • Aufräumen in Derenburg. Foto: Jens Müller

    Aufräumen in Derenburg. Foto: Jens Müller

  • Schneller zum Einsatzort gings in der Radladerschaufel. Foto: Jens Müller

    Schneller zum Einsatzort gings in der Radladerschaufel. Foto: Jens Müller

  • Foto: Jens Müller

    Foto: Jens Müller

  • Mit einem Wall aus Sandsäcken wurde der Forellenteich durch die Marienhöfer Straße in die Ilse abgeleitet. Foto: Denis Loeffke

    Mit einem Wall aus Sandsäcken wurde der Forellenteich durch die Marienhöfer Straße...

  • Nach dem Hochwasser in Wernigerode:  An der Holtemme im Bereich Insel in Hasserode. Foto: Regina Urbat

    Nach dem Hochwasser in Wernigerode: An der Holtemme im Bereich Insel in Hasserode. Foto: Regina ...

  • Hochwasser in Darlingerode. Foto: Tim Bruns

    Hochwasser in Darlingerode. Foto: Tim Bruns

  • Hochwasser in Darlingerode. Foto: Tim Bruns

    Hochwasser in Darlingerode. Foto: Tim Bruns

  • Sandsäcke bestimmen im Harz das Straßenbild. Foto: Matthias Bein

    Sandsäcke bestimmen im Harz das Straßenbild. Foto: Matthias Bein

Über die Warme Bode fließen derzeit in der Spitze um die 40 Kubikmeter Wasser je Sekunde ins Stausystem. Zum Vergleich: Beim Hochwasser 1994 waren es 120 Kubikmeter. Auch die Kalte Bode, die Rappbode und die Hassel seien angeschwollen. Beide Vorsperren an Hassel und Rappbode seien voll, wie es ihrer Aufgabe im System entspreche.

Rappbodetalsperre

In der Rappbodetalsperre sind derzeit rund 94 Millionen Kubikmeter Wasser angestaut, Platz ist für weitere 15 Millionen Kubikmeter. Die Wendefurther Talsperre verfügt laut Schimrosczyk noch über 4,4 Millionen Kubikmeter Platz. An der Zillierbachtalsperre – für Wenigerode wichtig – ist die Lage laut Überwachungschef ruhig: „Wir geben aktuell 0,9 Kubikmeter Wasser je Sekunde ab, Zulauf ist Ablauf, wir halten den Wasserstand“, informierte Schimrosczyk am Donnerstagnachmittag. Der Freiraum in der Zillierbachtalsperre betrage derzeit 400 000 Kubikmeter.

Eine Entwarnung für die Situation in Wernigerode und Umgebung selbst ist das nicht. Die Holtemme führt reichlich Wasser, in Silstedt wächst die Sorge bei den Bürgern. Dort brach im Juli ein Deich, der nur notdürftig gesichert ist. Viel Wasser führen ebenso die zahlreichen Bachläufe, vor allem im Stadtteil Hasserode, wo die Feuerwehr am Mittwochabend zu einem Einsatz gerufen wurde.

Ruf wird lauter: Mehr Hochwasserschutz!

Im sogenannten Triangel, dort, wo Sturzbach und Nesseltalbach zusammenfließen, kam es bereits zu Überschwemmungen. Die Kameraden reinigten Gullyeinläufe und befreiten ein Schmutzfanggitter von angeschwemmten Ästen und Laub.

Gewässerwarte im Einsatz

Weiter oben, in der Trift, verhinderten die freiwilligen Gewässerwarte ein Überschwemmen. Sie befreiten das neue Schmutzfanggitter am Einlauf des Sturzbaches in den unterirdischen Kanal rechtzeitig von allem Unrat.

„Einmal mehr hat die Situation gezeigt, die Bachläufe in Oberhasserode samt der maroden Verrohrungen sind bei anhaltenden Regenfällen ein Schwachpunkt im Hochwasserschutz“, sagt Ulrich Eichler auf Volksstimme-Nachfrage. Der Umweltbeauftragte der Stadt, der gleichzeitig Mitglied des Vorstandes im Unterhaltungsverband Holtemme-Bode ist, versicherte, dass Verband wie Verwaltung an Verbesserungen arbeiten.

Milde und feuchte Winter

Beispielsweise sollen die Verrohrungen in der Frankenfeldstraße komplett erneuert werden. Um den von Berghängen rutschenden Unrat, der die Bachläufe immer wieder ausufern lässt, zu minimieren, sollen in den Wäldern sogenannte Aufschiebegitter aufgestellt werden. „Ein Rückhaltebecken wie oben an den Talsperren können wir ja schlecht bauen“, sagt Eichler. Er habe Verständnis, dass der Ruf aus der Bevölkerung nach mehr Hochwasserschutz lauter geworden ist. „Die Winter bei uns im Harz sind milder und feuchter geworden.“

Geschaut wird auf die nächsten Tage. Sollte es weiter regnen, kündigte Joachim Schimrosczyk für den Talsperrenbetrieb an, dass die Abflussmenge in Wendefurth noch einmal erhöht wird. Inzwischen sind für das Wochenende kühlere Temperaturen in Aussicht, das würde Entlastung bringen. Schimrosczyk: „Wir beobachten das.“