Wernigerode l 426 Liebespaare haben 2019 in Wernigerode den Bund fürs Leben geschlossen. Wernigerode wird damit einmal mehr seinem Ruf als Hochzeitsmekka gerecht. Die Nachfrage von Brautpaaren ist riesig. Zwar ist der Spitzenwert von 2018 mit insgesamt 451 Hochzeiten nicht erreicht worden. „Grundsätzlich ist die Tendenz aber seit Jahren steigend“, informiert Wernigerodes Rathaussprecher Tobias Kascha.

Den Einbruch in 2019 erklärt Kascha mit der Flut an Veranstaltungen im Vorjahr – so viele wie noch nie. „Zusätzlich zu den regulären Veranstaltungen wie Altstadtfest, Rathausfest, Weintage und Schokoladenfestival hatten wir den Deutschen Schützentag und das Lampionfest.“ Dazu kamen die Bauarbeiten an der Fernwärmeleitung vor dem Rathaus.

Die Mitarbeiter des Standesamtes würden Paare im Vorfeld darüber informieren, wenn am gewünschten Hochszeitstermin der Marktplatz belegt ist. „Natürlich versuchen wir beides in Einklang zu bringen“, versichert Kascha. So hätten beispielweise die Liebenden, die sich 2019 während des Lampionfestes das Ja-Wort gegeben haben, einen bestickten Lampion geschenkt bekommen.

Paare wünschen sich Marktplatz für sich

Für viele Paare sei ein belegter Markt aber ein Grund, ihren Hochzeitstermin zu verschieben. Ziel der Verwaltung sei es laut Kascha, das richtige Verhältnis zwischen Veranstaltungen und Pflichtaufgabe zu finden. Denn genau das seien Trauungen nämlich für das Standesamt. „Ich gehe davon aus, dass wir in 2020 unterm Strich wieder mehr Hochzeiten haben werden“, so der Sprecher.

Aber nicht nur im Rathaus können Hochzeitspaare ihre Ringe tauschen. 51 Mal wurde 2019 auf dem Wernigeröder Schloss geheiratet. Nach der Sanierung der desolaten Sanitäranlagen steht auch das Schierker Rathaus wieder als Ort für Trauungen zur Verfügung. Dort wurden im vergangenen Jahr vier Ehen geschlossen. Insgesamt elf Mal sagten Brautpaare im Trauzimmer auf der verglasten Aussichtsplattform des Brockens ja.

Zukünftig soll es für Liebespaare noch eine weitere Örtlichkeit geben. „Wir diskutieren gerade, wo wir in Wernigerode Hochzeiten unter freiem Himmel anbieten können“, verrät der Rathaussprecher. So sei unter anderem der Bürgerpark als Location denkbar und werde geprüft. „Als Schlechtwettervariante müssen wir allerdings immer einen geschlossenen Raum in unmittelbarer Nähe vorhalten.“

Hochzeitspaare aus Peru und USA

Heiraten in Wernigerode oder in den Außenstellen des Standesamtes ist nicht nur bei Einheimischen, sondern auch bei Verliebten von auswärts beliebt. Und das zum Teil sogar von sehr weit auswärts. Vietnam, Ungarn, Philippinen, Großbritannien, USA, Thailand, Peru und Italien sind nur einige Länder, aus denen die Hochzeitswilligen des vergangenen Jahres stammten.

Mit dem 9. 9. 2019 und dem 19. 9 2019 gab es 2019 wieder zwei Schnapszahlen-Termine, die bei den Brautpaaren ganz besonders beliebt waren. An beiden Tagen wurden jeweils zehn Paare getraut. Für die vier Mitarbeiterinnen des Standesamtes bedeutete das Arbeiten im Akkord, wie sich Tobias Kascha erinnert. „Drei von ihnen haben die Paare verheiratet.“ Die vierte Kollegin habe die Sprechzeiten abgesichert. Schließlich fallen im Standesamt noch andere wichtige Aufgaben an, wie beispielsweise das Erstellen von Geburts- und Sterbeurkunden.

Werbung um Brautpaare

Wernigerode verstehe sich nach wie vor als Hochzeitsstadt und will mit der Konkurrenz mithalten. Deshalb wird offensiv um Brautpaare geworben. So werden Hochzeitswilligen in Broschüren auf Hochglanzpapier die Vorzüge Wernigerodes angepriesen. Gleichzeitig werden Vorschläge für Fotografen, Hochzeitsmode und vieles mehr unterbreitet. Zudem findet jedes Jahr im Herbst eine Hochzeitsmesse im Marstall statt – organisiert von der Wernigerode Tourismus GmbH. „Das zeigt, dass wir das Thema ernst nehmen“, so Kascha.

Übrigens: Die Terminvergabe für 2020 läuft bereits seit September 2019. Wer sich also mit dem Gedanken trägt, in diesem Jahr in Wernigerode den Bund fürs Leben schließen zu wollen, muss sich ranhalten. „Eine Vielzahl der beliebten Termine an den Wochenenden ist bereits vergeben“, sagt Tobias Kascha. Aber nachfragen lohnt sich. „Es gibt noch verschiedene Reserven.“