Wernigerode l Geheiratet wird immer, ob mit großem „Hofstaat“ oder ganz bescheiden per Ja-Wort und Unterschrift am Schreibtisch einer der vier Standesbeamtinnen von Wernigerode. „Wenn der große Augenblick da ist und Tränen der Rührung kullern, wissen wir, wir haben alles richtig gemacht“, freut sich die Leiterin des Wernigeröder Standesamtes, Kathrin Hartmann, über die schönen Momente ihrer alltäglichen Arbeit. Gemeinsam mit ihrem Team Julia Dellnitz, Jutta Becker und Grit Esche ist sie in der bunten Stadt am Harz für den „amtlichen“ Start ins Eheglück verantwortlich.

451 Paare schlossen 2018 den Bund fürs Leben im Standesamt im Rathaus oder seinen drei Außenstellen auf Schloss Wernigerode, dem Brockengipfel sowie im wild-romantischen Schierke. Das sind 26 Paare mehr als im Jahr zuvor und gar 98 Trauungen mehr als im Jahr 2016. Auch für 2019 gibt es bereits 279 Vormerkungen. „Der Trend zum Heiraten ist ungebrochen“, berichten die vier Frauen, die in der Hochzeits-Stadt von Berufs wegen eben auch fürs Glück zuständig sind.

Nach wie vor sind die Sommermonate bei den Heiratswilligen besonders gefragt, doch auch die dunkle Jahreszeit erfreue sich zunehmender Beliebtheit, weiß Kathrin Hartmann. „Es sind immer wieder diese liebevollen und herzlichen Momente, die unsere Arbeit so besonders machen“, berichten die Standesbeamtinnen voller Stolz. Und ob kleine Hochzeit oder große, jede soll unvergesslich werden, diesen Anspruch haben sie.

Rückkehr nach Wernigerode zur Hochzeit

Während es viele, wenn sie flügge geworden sind, hinaus in die weite Welt zieht, zum Heiraten kehren sie oftmals wieder zurück nach Hause. Aber auch sehr viele auswärtige Paare geben sich das Ja-Wort in einer der Wernigeröder Standesamts-Dependancen, teilt die Stadtverwaltung auf Volksstimme-Anfrage mit. Darunter gibt es immer wieder Schnellentschlossene, aber auch Paare, die schon seit vielen Jahren zusammenleben, vielleicht sogar schon eine kleine Familie gegründet haben. „Es wird Zeit zu heiraten“, diesen Wink vom Steuerberater gibt es auch, berichten manche Paare mit einem Augenzwinkern.

So unterschiedlich die Gründe für die Eheschließung, so vielfältig ist auch die Garderobe. „Von Smoking und wallendem Brautkleid über Jeans und weißes Hemd bis hin zum zünftigen Wander-Outfit für die Brocken-Trauung – alles ist dabei“, erzählt uns Kathrin Hartmann.

Besonders gern geben sich die Hochzeiter nach wie vor im romantischen Wernigeröder Rathaus das Ja-Wort. „Wir haben hier sehr schön Räumlichkeiten, je nachdem, wie groß die Hochzeitsgesellschaft ist“, lassen die vier Damen vom Amt unisono verlauten. Außerdem biete der weithin bekannte malerische Fachwerkbau natürlich auch eine ideale Kulisse für die obligatorischen Fotos. Das wüssten Frischvermählte und Angehörige von nah und fern sehr zu schätzen.

Heriaten auf Brocken im Trend

Apropos Auswärtige. Wer von weiter her kommt, wählt sehr gern auch den Brockengipfel, um sich das Eheversprechen zu geben. Die verglaste Aussichtsplattform des in 1142 Metern Höhe gelegenen Brocken-Hotels wird von immer mehr Heiratswilligen als Höhepunkt ihres gerade beginnenden Eheglücks ausgewählt.

Aber die Standesbeamtinnen von Wernigerode sind nicht nur für das Eheglück zuständig. Eine Vielzahl weiterer Amtshandlungen, wie das Erstellen von Geburts- und Sterbeurkunden, die elektronische Erfassung von Personenstandsdaten, die Anerkennung von Vaterschaften oder auch Kirchenaustrittserklärungen und vieles mehr runden den Arbeitsalltag der vier Frauen ab.

So erblickten 2018 in Wernigerode 722 Kinder das Licht der Welt und erhielten ihre entsprechenden Dokumente. 685 Menschen im Einzugsgebiet des Standesamtes verstarben. Auch deren trauernde Angehörige wurden mit den nötigen Papieren versorgt. Dabei ist gelegentlich die eine oder andere Träne zu trocknen. „Dann“, so Kathrin Hartmann, „macht die Arbeit weniger Freude. Doch auch diese Leistungen müssen erbracht werden.“ Glücklicherweise überwiegen aber die freudigen, die strahlenden Augenblicke.

Gesetzeslage ändert sich für Beamtinnen

Fachlich müssen alle Standesbeamtinnen stets aktuell informiert sein. Eine Vielzahl in- und ausländischer Gesetze ist in der täglichen Arbeitet zu beachten und anzuwenden. Allein in den letzten anderthalb Jahren wurden die Mitarbeiterinnen mit ständig neuen rechtlichen Bestimmungen konfrontiert: von Gesetzesregelungen zur Verhinderung missbräuchlicher Vaterschaftsanerkennungen über Gesetze zur Bekämpfung von Kinderehen und Mehrehen bis zum Ehe-für-alle-Gesetz und den neuesten Erklärungen zur Reihenfolge der Vornamen nach Änderung des Personenstandsgesetzes.

Um immer auf dem neuesten Stand der Rechtslage sein zu können, gibt es in den Standesämtern von Sachsen-Anhalt eine Ausbildungsverpflichtung. So fordern Bestimmungen des Landes den Besuch einer vorgeschriebenen Anzahl an Fortbildungsveranstaltungen. Gerade diese neuen Herausforderungen, der tägliche Umgang mit Gesetzen und Paragraphen sowie deren Wirkung „auf die Menschen, die vor uns sitzen, macht den Reiz unserer Arbeit aus“, sind sich die vier Frauen des Standesamtes Wernigerode einig.

Und sollte es einmal eine Zeit lang keine neuen Vorschriften geben, wird einfach nur Eheglück geschaffen. Denn – geheiratet wird immer.