Ilsenburg l In den Wäldern rund um Ilsenburg und seinem Ortsteil Drübeck sind in diesem Jahr besonders viele Mountainbiker anzutreffen. Die meisten haben ausschließlich touristische Ambitionen, aber einige Wenige haben stets das gleiche Ziele: Sie bauen in ehrenamtlicher Arbeit einen Trail-Park in den teils vertrockneten Wald. Ein Trail ist der Insider-Begriff für eine Mountainbike-Fahrstrecke, in der sich Hindernisse befinden, in diesem Fall vor allem natürliche Hindernisse. Und einen solchen Trail zu meistern und somit fehler- und unfallfrei zu fahren, ist das Ziel der Mountainbiker.

Die Trendsportart ist nicht neu, sie wurde schon vor etlichen Jahren in England aus der Taufe gehoben. Im Ostharz gibt es bislang allerdings wenige offizielle Angebote dafür. Also wurde von den Bikern nicht selten der eine oder andere verbotene Weg genutzt, von einigen Unbelehrbaren auch Wege im nahen Nationalpark.

Zufallsbekanntschaften

Damit wollen die jetzigen Trailpark-Erbauer aber nichts zu tun und distanzieren sich eindeutig von solch einem Verhalten. „Wir bauen unsere Trails auf Abschnitten des Stadtwaldes, des Landesforstes und auch im Privatwald“, sagt der Ilsenburger Christian Gropp, einer der Initiatoren. Die Eigentümer der Wälder haben keine generellen Einwände, denn so können sie relativ sicher sein, dass die Fahrer auf ihren Bikes in abgesteckten Bereichen fahren und nicht dort, wo sie den ohnehin arg beanspruchten Wald gefährden könnten. Im Gegenzug haben sich die Biker zur Hilfe bei Pflanzaktionen oder anderen Projekten verpflichtet. Es herrsche ein gegenseitiges Geben und Nehmen - ohne viel Papier, einfach per Handschlag.

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Gefunden haben sich die Biker beim Ausüben ihres Hobbys. Der Prozess ist gewachsen: Man begegnete sich während einer Tour-Pause, lernte sich kennen, tauschte sich aus und stellte letztlich fest, dass dem Ostharz so ein Trailpark ganz gut zu Gesicht stehen würde.

So fanden sich die Biker in einer Interessengemeinschaft zusammen, zu der mittlerweile Fahrer aus dem gesamten Harzkreis gehören. Sie schmiedeten Pläne, wo entsprechende Strecken Sinn machen würden und nahmen dann ganz offiziell Kontakt zu den Waldeigentümern auf. Als auf beiden Seiten Einigkeit herrschte, kam auch die Ilsenburger Tourismus GmbH mit ins Boot, in deren Händen künftig das Vermarkten des Parkes liegen soll.

Trennung von Bikern und Wanderern

Denn die Erbauer wollen den Park nicht für sich allein, sie wollen dadurch auch Touristen anlocken. Und sie streben mit ihrer Trailpark-Initiative auch das Entschärfen eines schon lange schwelenden Interessenkonfliks zwischen Wanderern und Mountainbikern an. Die einen schimpfen, weil die Biker eine Gefahr für die Wanderer seien. Die anderen halten dagegen, dass die langsamen Wanderer eine Gefahr für die Biker seien. Also macht es Sinn, das Problem kreativ zu lösen. Auch dafür sind die Trails da.

Momentan werden die beiden ersten von anfangs vier geplanten Strecken im Wald gebaut. Dies geschieht unter völliger Anpassung an die Natur, denn diese bildet die Basis für die Strecken. Die Trails sollen verschiedene Schwierigkeiten haben, um ungeübten Fahrern ebenso Chancen zu bieten, wie den erfahrenen Bikern im Sattel.

Anfänger und Fortgeschrittene

Um Letzteres zu fördern, ist auch noch ein Anfänger-Trail im Ilsetal nahe des Blochhauer geplant. Beim Bau der Strecken wird hauptsächlich Material aus der unmittelbaren Umgebung verwendet - genügend totes Holz ist in den Wäldern schließlich vorhanden. Fachliche Unterstützung erhielten die Initiatoren und Erbauer auch vom Ilsenburger Tischler Frank Reinecke, der als langjähriger Brockenläufer die Vorteile von sportlicher Betätigung im Wald bestens kennt.

Zu den beiden Strecken, die in Eigenregie errichtet werden und noch in diesem Jahr fertig werden sollen, gehören die Strecken im Wassertal und Kammberg. Die Biker haben dabei die altbekannten Bezeichnungen beibehalten, denn auch das habe etwas mit der Identifikation mit der Natur zu tun, meinen sie.

Rettungskonzept

Im kommenden Jahr sollen dann weitere Trails gebaut werden, dies dann aber von Fachfirmen. Dann sind Trails am Eselsstieg/Stumpfrücken und am Ripperberg geplant. Und wenn ein Berg schon so heißt, dann brauchten die Biker nicht viel Fantasie, um dem dort geplanten Kurs einen Namen zu geben: „Jack the Ripper“ heißt die Strecke schon jetzt unter den Erbauern. Und das in der Hoffnung, dass es den Sportlern beim Befahren der Strecke nicht die Reifen „aufschlitzt“.

Da ein technischer Defekt aber immer mal wieder auftreten kann, und auch Unfälle wie bei jedem anderen Sport durchaus möglich sind, ist der gesamte Trailpark in ein Rettungskonzept eingebunden. „Das haben wir bei unseren Planungen extra so vorgesehen und uns auch mit den zuständigen Ämtern abgestimmt, sagt Christian Gropp. Auch die örtlichen Feuerwehren wurden beim Erarbeiten des Konzeptes mit einbezogen, so dass im Notfall schnell geholfen werden kann.

Baustelle bis Freigabe

Christin Alshut, Geschäftsführerin der Ilsenburger Tourismus GmbH, weist deshalb explizit darauf hin, dass die neuen Strecken bis zu deren Freigabe noch Baustellen sind und somit nicht befahren werden dürfen.

Ein Unbelehrbarer - es war keiner der Einheimischen -musste nach einem Sturz bereits medizinisch versorgt werden. Deshalb seien am Eingang zu den Pisten auch entsprechende Schilder aufgestellt worden. Und auch später, wenn alles fertig ist, wird das Befahren der Trails stets auf eigene Gefahr erfolgen.

Bis es aber die ersten offiziellen Fahrten auf den Trails geben kann, ist noch viel Arbeit durch die ehrenamtlichen Erbauer nötig.