Kulturstart

Jetzt wirds feurig: Carmen tanzt und singt bei den Wernigeröder Schlossfestspielen

Ab sofort gibt es Tickets für die Wernigeröder Schlossfestpiele, in deren Mittelpunkt die tragische Geschichte der Carmen steht. In Zeiten von Corona muss sich das Publikum allerdings auf einige Änderungen einstellen.

Von Ivonne Sielaff
Carmen in 80 Minuten ? auf dem Wernigeröder Schloss erwartet die Zuschauer eine Oper ohne Kitsch und Pomp, aber dafür mit toller Musik.
Carmen in 80 Minuten ? auf dem Wernigeröder Schloss erwartet die Zuschauer eine Oper ohne Kitsch und Pomp, aber dafür mit toller Musik. Foto: Karl-Josef Hildenbrand /dpa

Wernigerode - Verdörrte Bäume, erbarmungslose Hitze und staubtrockene Luft auf dem Schloss. Das kommt Ihnen Spanisch vor? Ist es auch. Die feurige Carmen wird im Hof des Wernigeröder Wahrzeichen einheizen – wenn auch mit einem Jahr Verspätung. Die Oper „La Tragedie de Carmen“ ist Herzstück der diesjährigen Schlossfestspiele, die vom 31. Juli bis 28. August stattfinden.

Damit ist die gute Nachricht raus: Die Schlossfestspiele sollen im Sommer tatsächlich samt Oper und live vor Publikum über die Bühne gehen – trotz Corona. Auch wenn Christian Fitzner, Chef des Philharmonischen Kammerorchester und Organisator der Festspiele, noch nicht genau weiß - wie. Es aller Widrigkeiten zum Trotz doch zu wagen, sei ein Signal an die Künstler. „Es gibt wieder Möglichkeiten, aufzutreten.“ Gleichzeitig würden sich seine Orchestermusiker und er sehr darauf freuen, nach langer Zwangspause endlich wieder vor Publikum musizieren zu können. Aber: „Wir sind immer noch ein Wackelkandidat“, so Fitzner. „Jetzt haben wir die Delta-Variante. Wir wissen nicht, was in den nächsten Wochen passiert.“ Wahrscheinlich seien pro Vorstellung maximal 80 – als deutlich weniger – Zuschauer zugelassen. „Sollten sich die Rahmenbedingungen kurzfristig ändern, verkaufen wir gern mehr Karten.“

80 Gäste pro Aufführung

Weil lange nicht klar war, unter welchen Voraussetzungen die Vorstellungen im Schlosshof beziehungsweise bei schlechtem Wetter im Marstall stattfinden können, hat Fitzner den Start für den Kartenvorverkauf so weit wie möglich herausgezögert. Nun ist es aber soweit. Wie das Kammerorchester am Donnerstag informierte, startet der Kartenverkauf am 2. Juli. Um das Infektionsrisiko für Zuschauer und Mitwirkende zu minimieren, ist ein umfassendes Hygienekonzept erarbeitet worden. So gelten die bekannten Hygiene und Abstandsregeln und das Tragen einer Maske vor und nach der Vorstellung.

Ein Glücksfall für Christian Fitzner ist, dass die Wahl auf „Carmen“ gefallen ist. Und zwar nicht die pompöse Bizet-Oper, sondern die kürzere Peter-Brook-Bearbeitung. „Das Stück dauert nur 80 Minuten, wir spielen also ohne Pause durch“, sagt Fitzner. Die Entscheidung für das kürzere Stück habe übrigens nichts mit Corona zu tun, sie sei bereits 2019 gefallen – und zwar aus Kostengründen. „Dennoch ist es keine Sparvariante“, versichert der Orchesterchef. „Das sind 80 intensive Minuten – wie ein toller Kriminalroman erzählt. Dazu tolle junge Stimmen und die traumhafte Musik von Bizet.“

Auch Regisseur Oliver Klöter ist längst Feuer und Flamme für die Carmen. „Das Publikum erwartet Sex und Crime auf dem Schlosshof. Wir bringen die Story auf den Punkt.“ Die Geschichte von Carmen, die erst einem Soldaten den Kopf verdreht, sich dann in einen Stierkämpfer verliebt und dafür ihr Leben verliert, sei keineswegs altbacken, sondern aktueller denn je. „Noch immer wird in Deutschland jeden dritten Tag eine Frau von ihrem Partner getötet, weil sie ihn verlassen hat“, so Klöter. Das Stück sei also „grausam modern“.

Dennoch wird es im Schlosshof keine zeitgemäße Carmen mit Minirock und Turnschuhen geben, ebenso wenig eine Carmen mit knallrotem Kleid und Rose hinter dem Ohr.

Keine sexy Hexi

„Wir wollen die spanische Provinz mit all ihrer Härte und Trostlosigkeit zeigen“, verrät Ausstatter Hannes Neumaier. Er setze dabei auf wenige, aber dafür kräftige Elemente auf der Bühne. Zum Beispiel vertrocknete Bäume und Stoffe, die Schatten spenden. „Und Carmen ist eben nicht die sexy Hexi“, so Neumaier. „Sie ist eine hart arbeitende Frau aus der untersten Schicht, die für ihre Freiheit kämpft. Und das soll man ihr ansehen.“

Sieben Vorstellungen inklusive Premiere sind momentan im Spielplan vorgesehen. „Sollte die Nachfrage groß sein, gehen wir auf neun Vorstellungen hoch“, sagt Fitzner. Umrahmt wird die Oper – wie gewohnt – von einer First Night am 31. Juli und einer Last Night am 28. August. Die musikalischen Gäste des Eröffnungskonzertes sind mit Cristin Claas, Christoph Reuter und Stephan Bormann in Wernigerode keine Unbekannten. Das Trio war schon mehrfach hier zu Gast. An diesem Abend werden neue und ältere Cristin-Claas-Songs in orchestralem Gewand erklingen. Was die Last Night betrifft, müssen sich die Zuschauer überraschen lassen. „Das Programm hängt von den dann geltenden Rahmenbedingungen ab“, sagt Fitzner. Gecancelt sind in diesem Jahr die Wandelkonzerte im Schloss. „Musiker und Publikum auf engstem Raum, das wäre zu kompliziert.“ Danken möchte Fitzner allen Sponsoren und Unterstützern, die den Schlossfestspielen in diesem schwierigen Jahr die Treue halten. „Ohne sie wäre das hier nicht möglich.“

  • First Night mit dem Cristin Claas Trio – 31. Juli, 19.30 Uhr
  • Oper „La Tragedie de Carmen“ – 6. August um 20 Uhr (Premiere), weitere Aufführungen am 7., 10., 11., 12., 13. und 14. August um 20 Uhr
  • -Last Night Abschlusskonzert – 28. August, 19.30 Uhr
  • Tickets gibt es in den Volksstimme-Servicestellen, über die biber ticket-Hotline (0391) 5999700 und weitere bekannte Vorverkaufsstellen.
Festspiel-Organisator Christian Fitzner (vorn) mit Unterstützern und Freunden der Wernigeröder Schlossfestspiele.
Festspiel-Organisator Christian Fitzner (vorn) mit Unterstützern und Freunden der Wernigeröder Schlossfestspiele.
Foto: Ivonne Sielaff