Wernigerode l Die Weichen für eine neue Kindertagesstätte in Wernigerode sind gestellt. Die Stadtverwaltung und der Landkreis Harz haben sich auf darauf verständigt, 65 zusätzliche Plätze bereitzustellen. Mindestens 20 davon für Kinder unter drei Jahren. Die neue Einrichtung soll im Stadtzentrum beziehungsweise in Hasserode entstehen. Per Ausschreibung wird dafür nun ein freier Träger gesucht.

Die Ausschreibung wird Ende April veröffentlicht, informiert Sozialdezernent Christian Fischer im Gespräch mit der Harzer Volksstimme. Im optimalen Fall könnte die neue Kita zum 1. Januar 2020 eröffnet werden.

Kita-Plätze Mangelware

Dass es in Wernigerode an Krippen-, Kindergarten- und Hortplätzen fehlt, ist seit langem bekannt. Die Kitas platzen aus allen Nähten, im wahrsten Sinne des Wortes. Rund 2220 Mädchen und Jungen werden in Wernigerode und den Ortsteilen betreut, 1810 davon in städtischen Einrichtungen, 410 in Einrichtungen freier Träger. „Wir nutzen derzeit sämtliche Plätze aus“, sagt Fischer. Für einige Tagesstätten seien sogar Betriebserlaubnis-Erweiterungen beantragt worden.

Entgegen aller Vorhersagen sind die Geburtenzahlen in Wernigerode seit Jahren konstant. Die Experten im Rathaus gehen davon aus, dass sich die Geburtenrate auch in den nächsten fünf Jahren wenig ändert, wie Stadtplaner Michael Zagrodnik bereits im Februar gegenüber der Harzer Volksstimme informierte.

Und der Bedarf an Betreuungsplätzen für Kinder könnte sogar noch steigen. Weil Wernigerode als Wohnort beliebt ist, soll neuer Wohnraum geschaffen werden. Es seien Bebauungspläne in Arbeit, um Wohnungsbau und Einfamilienhäuser zu ermöglichen. Laut Michael Zagrodnik könne allein dadurch mit 600 neuen Einwohnern gerechnet werden.

Neuer Wohnraum

Bei 600 Menschen könne man mit zehn Prozent unter sechs Jahren kalkulieren, so Dezernent Fischer. „Und diese Kinder müssen ebenso betreut werden.“ Dennoch wolle die Stadt nicht selbst bauen. „Wir wollen erst sehen, ob ein freier Träger in der Lage ist zu investieren“, sagt Fischer.

Voraussetzung für die Bewerber sei, dass sie sich bei der Bezahlung der Erzieher am Tarif orientieren. „Damit wollen wir Lohndumping ausschließen“, sagt Christian Fischer. Darüber hinaus müsse der Anbieter nachweisen, dass er über ein „für die Betreuung und Förderung der Kinder geeignetes Gebäude mit angrenzender Freifläche“ verfügt. Bei Bedarf gebe es das „ein oder andere kommunale Grundstück“, das genutzt werden könnte, so Fischer.

Hoffnung auf geeigneten Träger

Auswahlkriterien seien nicht nur das pädagogische Konzept, sondern zugleich die finanzielle Leistungsfähigkeit des jeweiligen Bewerbers. „Das ist uns wichtig bei der Frage, wem wir 65 Kinder anvertrauen.“ Interessenten haben nun einen Monat Zeit, um ihre Bewerbungen bei der Kreisverwaltung einzureichen. Sollte sich kein geeigneter Träger finden, wäre die Stadt selbst in der Pflicht. „Dann stehen wir vor der Situation, selber zu investieren“, sagt Fischer.

Hintergrund: Seit Inkrafttreten des neuen Kinderförderungsgesetzes vor fünf Jahren ist die Zuständigkeit der Kinderbetreuung nicht mehr bei der Stadtverwaltung, sondern beim Landkreis angedockt.