Reddeber l Von der „meistbeobachtesten Baustelle der Welt“ zum Paradies für die „Kleinen Strolche“: Reddebers neuer Kindergarten ist am Freitag feierlich eingeweiht worden. „Wir sind alle sehr glücklich“, so Kita-Chefin Heike Triebe. Die Bauarbeiten seien von den Mädchen und Jungen aufmerksam verfolgt worden – vom alten Gebäude aus gleich nebenan. „Bagger war unser Wort des Jahres“, blickte Heike Triebe auf die vergangenen Monate zurück. Regelmäßig hätten die Kita-Knirpse die Bauleute mit ihren Liedern motiviert.

Rekordbauzeit

Und das muss die Arbeiter beflügelt haben. Die neue Einrichtung wurde in einer Rekordzeit von nicht einmal einem Jahr geplant und gebaut – „aus Sicht einer Stadtverwaltung eine abenteuerlich kurze Bauzeit“, wie Oberbürgermeister Peter Gaffert (parteilos) in seiner Ansprache feststellte. Und nicht nur das, der Kostenrahmen von 2,2 Millionen Euro wurde ebenfalls gehalten.

So war es auch nicht die Stadt Wernigerode, die als Bauherr auftrat, sondern die Stadtwerke. Wernigerodes Verwaltung und die Stadträte hatten sich darauf verständigt, den Bau den Stadtwerken zu übertragen, um vom Sachverstand des Energieversorgers zu profitieren und um den städtischen Haushalt nicht mit einer großen Ausgabe zu belasten.

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Für die Stadt Wernigerode eine Premiere und für die städtische Tochterfirma eine „Herausforderung“, wie deren Geschäftsführer Steffen Meinecke bei der Einweihung verriet. „Die Stadtwerke und eine Kindertagesstätte - wie passt das zusammen? Vor zwei Jahren hätte ich das noch nicht gewusst“, so Meinecke. Das Projekt sei „Neuland“ für sein Unternehmen gewesen. Sein Dank ging deshalb an Industriebau Wernigerode, den Generalübernehmer des Bauvorhabens, und Stadtwerke-Mitarbeiter Steffen Hartmann, der als Bauleiter mit „großem persönlichen Einsatz und Fachkompetenz“ die Fäden in der Hand hielt.

Und der neue Kindergarten kann sich sehen lassen: Bis zu 65 Mädchen können in dem 13 mal 48 großen Flachbau betreut werden. Die Bereich der Krippenkinder ist räumlich von dem der älteren Mädchen und Jungen getrennt. Neben den Gruppenräumen gibt es eine Kinderküche mit kleinem Speisesaal, ein Atelier und einen Mehrzweckraum, eine Photovoltaikanlage auf dem Dach – und viel Platz zum Umziehen.

Investorenmodell zukunftsweisend?

Denn es waren vor allem die winzigen Umkleiden und Sanitärbereiche im alten Gebäude, die die Kita-Mitarbeiter vor einigen Jahren Alarm schlagen ließen. „Wir haben schnell gemerkt, dass es wenig Sinn gehabt hätte, in die alte Kita zu investieren“, so Oberbürgermeister Gaffert. Man sei mit dem Investorenmodell einen neuen Weg gegangen. Wernigerodes Stadtchef bezeichnete den Bau einer städtischen Einrichtung durch einen Investor als „kluges und zukunftsweisendes Modell“. Sicher auch aus der Not heraus. Denn in den nächsten Jahren ist im städtischen Haushalt weiter mit Millionenlöchern zu rechnen.

„Wir betreuen über 2000 Kinder in der Stadt und den Ortsteilen“, so Gaffert weiter. Tendenz steigend. Alle Prognosen der vergangenen Jahre seien „Gott sei dank“ falsch gewesen. Und das ist gut so: „Die Kinder sind Wernigerodes Zukunft.“