Wernigerode l Es riecht nach frischer Farbe, Kartons stehen zum Auspacken parat, und die Geräte sollten noch nicht benutzt werden – sie lehnen nur an der Wand, sind noch befestigt. Aber bis zur Eröffnung am Sonntag ist alles fertig, versichert Ulrike von Hoff. Trotz des Baustresses ist ihr die Vorfreude anzusehen. Erstmals lädt die Physiotherapeutin zu einem Kindercafé ein. Veranstaltungsort sind die neuen Räumlichkeiten von Sportykus, ihrer Firma, in der Feldtraße.

„Vielleicht sollten wir den Namen Kindercafé beim nächsten Mal ändern“, sagt die Ilsenburgerin. Nachdem der Termin via Internet bekannt wurde, häuften sich die Anfragen zur Kuchenauswahl, berichtet sie lachend. Zwar gibt es Snacks und Getränke. Doch mit einem gemütlichen Kaffeeklatsch wird die Veranstaltung nichts zu tun haben. Es soll getobt, geklettert und geturnt werden.

Das kostenlose Angebot, dass künftig alle zwei Monate stattfinden soll, richtet sich an Kinder bis zum vierten Lebensjahr. Während im Obergeschoss die ganz Kleinen ihre Fähigkeiten im Robben und Krabbeln trainieren können, gibt es für die Älteren Bewegungsabenteuer im Untergeschoss. „Ganz wichtig ist uns, dass die Eltern aktiv dabei sind. Es geht nicht darum, dass das Kind von uns beschäftigt wird, sondern mit seinen Eltern etwas erlebt“, betont die 33-Jährige, selbst zweifache Mutter. Für ältere Geschwisterkinder gibt es eine Bastel- und Malecke.

Angebot für finanzschwache Familien

Mit dem Kindercafé möchte Ulrike von Hoff Familien ansprechen, bei denen die Haushaltskassen knapp sind. „So ein Angebot fehlt bislang in Wernigerode.“ Viele Mütter und Väter wollen ihrem Kind die bestmögliche Förderung bieten, wissen aber nicht, wie sie die finanziell stemmen sollen, sagt sie.

Diesen Eindruck bestätigt Jessica Munzke. Sie leitet das Familienzentrum im Stadtfeld. „Dort ist das Publikum sehr gemischt“, berichtet sie. Es gibt Kurse für Senioren, zur Integration, für Schwangere und Kinder. Wer nähen lernen möchte, bekommt ebenso Rat, wie verzweifelte Mütter und Väter in der Schreibaby-Ambulanz. Einige der Kurse für Babys und Kleinkinder, die Jessica Munzke bislang im Familienzentrum angeboten hat, werden künftig in den Sportykus-Räumen stattfinden. Viel Wert lege sie darauf, Alltagsgegenstände und -materialien während der Veranstaltungen zu nutzen, damit Eltern die Übungen zu Hause ausprobieren können.

Wie viel diese nicht nur zur motorischen Förderung der Mädchen und Jungen, sondern auch zur Eltern-Kind-Bindung beitragen, weiß Ulrike von Hoff aus eigener Erfahrung. „Nach der zweiten Schwangerschaft habe ich einen Kurs bei Jessica besucht.“ Die Rehabilitationspsychologin zeigt Eltern, wie sie die Sinne und Bewegungen ihre Babys fördern können, und sie unterstützt junge Familien „beim Prozess des Zueinanderfindens“ – immerhin wirbelt ein Baby den Alltag einer Familie ziemlich durcheinander, Bedürfnisse ändern sich.

Seit 2013 selbständig

Um mehr Zeit für ihre Familie zu haben, hat Ulrike von Hoff 2013 den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt. Seit ihrer Kindheit begeistert sich die Ilsenburgerin für Sport – erst war es Jiu Jitsu (Kampfkunst), im Jugendalter wechselte sie zum Schwimmen. „Ich habe den Rettungsschwimmer-Schein absolviert und für Kinder Kurse in Erst-Rettung gegeben“, berichtet sie. Das Hobby wurde zum Beruf: Sie ließ sich zur Schwimmmeisterin ausbilden. „Aber die Arbeitszeiten ließen sich schwierig mit der Familie vereinbaren.“ Also orientierte sich die 33-Jährige um und absolvierte die Ausbildung zur Physiotherapeutin.

Sie versuche nun, beide Berufe zu vereinen. Bei Schwimmkursen für Babys und Kinder zum Beispiel. Dafür nutzt sie das Becken eines Wernigeröder Hotels und das Therapiebad in Oehrenfeld. Für Erwachsene ist sie als Rückenschullehrerin und Pilatestrainerin Ansprechpartnerin und vermittelt ihre Kenntnisse unter anderem bei Veranstaltungen im Familienzentrum.

Seit einiger Zeit schlummere der Wunsch in ihr, ein eigenes Domizil dafür zu haben. „Ich habe lange gesucht. Die Räume in der Feldstraße sind für unsere Bedürfnisse ideal.“ Mit Unterstützung ihrer Ehemänner gestalten die beiden Frauen seit Ostern die Kursräume nach ihren Vorstellungen. „Sie unterstützen uns sehr und haben viel Geduld“, sagt Jessica Munzke. Lachend ergänzt sie, dass die Ehemänner für neue Kurse als „Versuchskaninchen“ herhalten müssen.

Fitnessstudio für Kinder

Denn obwohl viele der Angebote auf Kinder zugeschnitten sind, sind sie nicht die einzige Zielgruppe. Sportykus ein Bewegungszentrum für unterschiedliche Altersgruppen. „Fitnessstudios gibt es wie Sand am Meer. Aber dort ist es meistens schwierig, seine Kinder mitzubringen. Bei uns sind sie immer willkommen“, sagt die Geschäftsfrau.

Das Kindercafé beginnt am Sonntag, 22. April 2018, um 15 Uhr.