Blankenburg l Ein alter Bergwerkstollen, vor 100 Jahren von Blankenburg (Harz) aus in den Eichenberg getrieben, ist wieder in den Blickpunkt der Öffentlichkeit gerückt: der Walter-Hartmann-Stollen, dessen Bau im März 1920 begann und der bis 1951 den Namen Wilhelm-Burchardt-Stollen trug. Oberhalb des Mundlochs ist Anfang Dezember eine Baustelle eingerichtet worden. Eine Spezialfirma bereitet sich von dort aus auf die Verfüllung unterirdischer Hohlräume vor, die nach rund 300 Metern vom Hauptstollen beidseitig in jeweils drei Kammersystemen abzweigen. Es sind die sogenannten Klosterwerke, die in einem geheimen Rüstungsprojekt der Nazis von 1944 bis 1945 unter dem Einsatz hunderter Zwangsarbeiter in den Berg getrieben worden waren.

So kommt das Gutachten Nummer 20 des Bergtechnischen Sachverständigen in der Oberfinanzdirektion Nordrhein-Westfalen vom 7. Oktober 2019 zu dem Schluss, dass unmittelbare Gefahren für Leben und Gesundheit von dieser Anlage ausgehen. „Die Gefahr von First- und Steinfällen in den Stollen der Klosterwerke sind als hoch zu beschreiben“, heißt es darin. Deshalb hatten sich Bund und Land darauf verständigt, die unterirdischen Hallen abseits des Hartmann-Stollens zu verfüllen.

Erst wird gebohrt, dann verfüllt

Wie Wolfgang Borchert, Sprecher des Landes-Finanzministeriums auf Volksstimme-Nachfrage mitteilte, werden nach einer kurzen Betriebspause über den Jahreswechsel die Vorbereitungen für diese geplanten Arbeiten fortgesetzt. Zunächst seien Bohrungen notwendig, um mögliches Wasser abzuleiten. Danach werde sofort mit dem Verfüllen begonnen. Ausgenommen davon sei ein 50 Meter langer Abschnitt der Klosterwerke, der aus denkmalrechtlichen Gründen freigehalten werden müsse. Um diesen Hohlraum mit einem reversiblen, also rückbaufähigen, Spezialbeton verfüllen zu können, liefen aktuell die Genehmigungsverfahren. Diese werden sich, so schätzt der Ministeriumssprecher, allerdings wohl noch Monate hinziehen.

Die Verfüllungspläne decken sich derweil mit den Aussagen der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) von Ende November, die den Beginn der Arbeiten gegenüber der Volksstimme für das erste Quartal 2021 avisiert hatte. „Die Arbeiten werden voraussichtlich etwa zehn Monate in Anspruch nehmen“, erklärte BImA-Sprecher Thorsten Grützner.

Erinnerungsstätte an Klosterwerke?

Unberührt von diesen Arbeiten bleibt der Walter-Hartmann-Stollen selbst, der nach wie vor für die Entwässerung und Belüftung des ehemaligen Bergwerks Braunesumpf unerlässlich ist. Nicht umsonst rückte in der Diskussion um die Verfüllung der Klosterwerke auch der Zustand des Bereiches rund um das Mundloch des Hartmann-Stollens zuletzt ins Blickfeld der Öffentlichkeit. Dort könnte eventuell eine Erinnerungstätte eingerichtet werden, die das dunkle Kapitel der Klosterwerke für nachfolgende Generationen wach halten könnte.

Das städtische Gelände hat seit Jahren der Blankenburger „Berg- und Naturschutzverein“ gepachtet, der dort ursprünglich ein Lehrbergwerk einrichten wollte - mit Führungen durch die Grubenbaue, einer ansprechenden Herrichtung des Außengeländes und dem Anlegen eines Naturlehrpfades mit der Stiftung Umwelt-, Natur- und Klimaschutz (SUNK). Passiert ist dort allerdings so gut wie nichts. Und wird es wohl auch nicht, wie die SUNK auf Volksstimme-Nachfrage mitteilte: „Was den Lehrpfad betrifft, so existieren hierzu keine aktuellen Pläne.“