So haben Wernigerodes Stadträte abgestimmt

Die Linke hatte zum Zuschuss für die Kulturkirche eine namentliche Abstimmung beantragt. Die Stadträte votierten folgendermaßen:

Ja (16 Stimmen):

- Peter Gaffert (parteilos)

- Uwe-Friedrich Albrecht, Cary Barner, Bernhard Ellend, Angela Gorr, Christiane Hopstock, Karl-Heinz Mänz, Jutta Meier, Roland Richter, Matthias Winkelmann (alle Fraktion CDU/Haus & Grund)

- Patrik Baake, Jürgen Jörn, Sylke Mattersberger, Kevin Müller, Sarah Piper, Mario Schlieper (alle SPD)

Nein (12 Stimmen):

- Evelyn Eilert, Christian Härtel, Inge Lande, Wilfried Pöhlert, Thomas Schatz, Melanie Schönfelder, Ulla Wittur (alle Linke)

- Tina Sasse, Sabine Wetzel, Bernhard Zimmermann, Denis Mau (alle Fraktion Bündnis 90/ Die Grünen/ Piraten)

- André Weber (CDU)

Stimmenthaltungen: Christian Linde, Hendrik Thurm, Katja Uebersalz, Michael Wiecker, Reinhard Wurzel (CDU)

Wegen Befangenheit durften sich Rainer Schulze und Siegfried Siegel (beide SPD) nicht am Votum beteiligen.

Wernigerode l „Die eigentliche Arbeit für die Kulturkirche beginnt erst jetzt.“ Das sagt Projekt-Initiator Rainer Schulze am Tag nach dem positiven Votum des Stadtrates für einen Zuschuss von Wernigerode zum Umbau der Liebfrauenkirche zum Konzertsaal. Auf die sechs am Projekt beteiligten Planungsbüros warte nun „ein unglaublicher Berg an Aufgaben“, erläutert der Chef der federführenden Kulturstiftung. Diese habe den Antrag auf knapp vier Millionen Fördergeld für das Projekt am Freitagmorgen abgeschickt – gerade noch termingerecht.

Sachsen-Anhalts Kulturministerium hatte die Frist für die Einreichung nach der Ablehnung des städtischen Zuschusses im Mai auf den 28. September verlängert. Sonst sei es kaum noch möglich, das Geld aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung bis 2021 zu verbauen, informierte die Landesregierung. Dann endet das Kulturerbe-Programm.

Vorzeitiger Beginn beantragt

Schulze erwartet bis Mitte November ein Ergebnis der Antragsprüfung – und damit die Entscheidung über die Finanzspritze vom Land für das insgesamt 6,4 Millionen teure Projekt. „Wegen des Zeitdrucks haben wir zudem einen vorzeitigen Beginn der Maßnahme beantragt“, fügt der Chef der Kulturstiftung hinzu.

Ihn hätten nach der Zusage des Stadtrats, die Kulturkirche mit 480.000 Euro zu unterstützen, viele Gratulanten aus Wernigerode, aber auch aus dem Kulturministerium in Magdeburg oder vom Landesamt für Denkmalpflege in Halle angerufen. „Das zeigt, wie wichtig das Projekt ist – für die Region Harz und darüber hinaus“, sagt der SPD-Stadtrat. Ihm sei klar, dass „manche Leute weiter mit dem Zuschuss der Stadt hadern“. Doch er sei „überzeugt, dass es eine gute Investition in die Zukunft von Wernigerodes Kulturszene ist“.

Crowdfunding startet in zwei Wochen

Auf Zusagen von potenziellen Großunterstützern wie Lotto Sachsen-Anhalt und der Ostdeutschen Sparkassenstiftung wartet Rainer Schulze weiterhin. Zweitere treffe eine Entscheidung auf ihrer Sitzung am 15. November. Bisher hätten mehr als 800 Spender rund 135.000 Euro für das Projekt gegeben. Eine Internetseite, mit der die Stiftung über Crowfunding Geld sammeln will, solle in den nächsten zwei Wochen ins Netz gehen. „Daran arbeitet ein professionelles Team, genauso an einem Imagefilm“, berichtet der Buchhändler.

Der Zuschuss der Stadt für das Projekt der privaten Stiftung hatte für heftige Diskussionen unter Stadträten und unter Wernigerödern gesorgt. Die Befürworter versprechen sich vom Konzertsaal eine Belebung für die Burgstraße. Zudem ist geplant, dass das Philharmonische Kammerorchester im Gotteshaus ein neues Domizil findet. Die Gegner bezweifelten, dass es sich die Stadt leisten kann, 480.000 Euro für die Kulturkirche auszugeben – zumal kürzlich bekannt wurde, dass Wernigerode seine Finanzreserven bis 2021 aufgebraucht hat.