Wernigerode l Touristen und Handybesitzer mit einem schmalen Datenbudget wissen es zu schätzen: freies WLAN. „Wer so etwas aus dem Urlaub in anderen Ländern kennt, spürt sehr wohl, wie schön es ist, ohne Geld drauf zu bezahlen im Internet zu surfen“, sagt Max Mischorr. Er ist einer der 39 Mitglieder des Freifunkvereins Harz und engagiert sich für den Ausbau und die Stabilisierung kostenloser Netze, speziell in Wernigerode.

Dafür haben die Freifunker vor gut einer Woche aus den Händen von Sachsen-Anhalts Wirtschaftsmister Armin Willingmann (SPD) Fördergeld in Höhe von 16.100 Euro erhalten. Projekte, für die bereits Partnern gefunden sind, sollen nun umgesetzt werden. Die Freifunker erwerben entsprechende Technik und setzen Aufbau und Montage um. So soll ein frei verfügbares Funknetz beispielsweise bald im Wildpark Christianental zur Verfügung stehen.

„Wo wir freies WLAN anbieten, wird es auch gut angenommen“, sagt der 27-Jährige. Wie zum Beispiel rund um das Wernigeröder Rathaus. Partner ist hier die Stadtverwaltung, die dem Verein den kostenlosen Zugang zum weltweiten Netz ermöglicht. Hergestellt wird der Zugang über einen Router in einem Turm des Rathauses.

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Quedlinburg ist Freifunk-Vorreiter

Doch wenige Meter abseits des Marktplatzes „endet der nette Service, um sein eigenes Datenvolumen zu schonen“, sagt der Azubi zum Fachinformatiker für Systemintegration. Damit seien die Wernigeröder nicht allein, auch in Halberstadt, wo die Stadtverwaltung zwar auch mit im Boot ist, sehen die Netzaktivisten noch Reserven. „Unser Vorzeigebeispiel ist Quedlinburg“, sagt Max Mischorr und fügt hinzu: „Da kann man neidisch werden.“ Gleich nach der Gründung des Vereins 2015 „boomte dort das freie WLAN.“ Mittlerweile ist die Quedlinburger Innenstadt flächendeckend mit kostenlosem Internet versorgt.

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Warum? „Weil fast alle Gastronomen und Händler uns einen Teil ihrer Netzbrandbreite zur Verfügung stellen.“ Das sei im Grunde kinderleicht: Man müssen lediglich einen zweiten Router aufstellen, diesen an den eigenen Internetzugang anschließen und die von Freifunk bereitgestellte Software installieren. Die Kosten für einen Router würden um die
60 Euro liegen.

Die Freifunker übernehmen Wartung und garantieren Sicherheit, dass kein Fremder in das private Internet der „Knotenaufsteller“ kommt. Ihnen würden auch sonst keine weiteren Kosten entstehen. „Unsere Partner haben eher Vorteile“, sagt Max Mischorr und plaudert aus dem Nähkästchen in der Weltkulturerbestadt. Gastronomen, Hotels und Pensionsbetreiber sowie Museen bieten über die Freifunk ihren Gäste kostenlos Internet an. Passanten, die sich auf der Geschäftsstraße in der Nähe eines sogenannten Netzknotens - mehr als 300 gibt es in Quedlinburg - aufhalten, können dann gratis mit Smartphone oder Laptop im Internet surfen. „Das spricht sich doch rum und ist gerade für den Tourismus wichtig, wenn man Schritt halten will.“

Braunlage ist Hotsport im Westharz

In Kneipen und Cafés halten sich mehr Leute auf, daddeln rum und machen es sich gemütlich. Kritikern, die sich über die maßlos übertriebene Handynutzung aufregen, entgegnet der Wernigeröder: „Früher haben sie nur Zeitung gelesen.“ Der ehrenamtliche Netzwerkaktivist engagiere sich aus Überzeugung für den freien Internetzugang der Gesellschaft. Und in dieser Hinsicht werde das länderübergreifende Netz im Harz weiter wachsen, sei er überzeugt. Neben Quedlinburg gebe es im niedersächssischen Teil des Harzes schon echte WLAN-Hotspots-Reißer wie beispielsweise Braunlage.

Max Mischorr sei zuversichtlich, dass die beiden ehemaligen Kreisstädte, aber auch Thale und Blankenburg nachziehen werden. Bei der Präsentation der Freifunkangebote vor Gewerbetreibenden vor zwei Jahres in Wernigerode und Halberstadt sei die Zeit noch nicht reif gewesen. Einige hätten gedacht, „wir wollen ihnen etwas verkaufen“. Freifunk Harz sei aber ein Bürgernetzwerk und stehe nicht in Konkurrenz zu den Internetfirmen. „Wir können diese Palette an Dienstleistungen gar nicht stemmen, und wollen es auch nicht.“ Der Verein verdiene auch nichts an dem Service, alles sei ehrenamtlich.

Andere Gewerbetreibende ließen die Freifunker bei ihrem ersten Werbefeldzug „regelrecht abblitzen, weil das schnelle Internet noch gar nicht vorhanden war“, berichtet Max Mischorr weiter. Das sei ja nun Geschichte, ebenso wie die bis 2017 gegoltene Störerhaftung, die viele abgeschreckt hatte, mitzumachen. Damals konnte der Netzbetreiber verantwortlich gemacht werden, wenn Nutzer über sein Internet etwa illegal Musik und Filme heruntergeladen und damit gegen Urheberrechte verstoßen hatte. „Also viel Nutzen und wenig Risiko, beim Freifunker einzusteigen.“