Harz

Kreativität ist in Blankenburg gefragt

Corona bringt viele Händler an den Rand der Existenz. Mit Abhol- oder Lieferservice halten sich Selbstständige in Blankenburg über Wasser.

Von Von Holger Hadinga

Blankenburg/Timmenrode l „Der erste Lockdown letztes Jahr kam abrupt. Ich habe auf meinen Waren gesessen und so gut wie nichts verkauft. Nun mache ich es anders“, sagt Peggy Sallier. Sie ist Inhaberin des Blankenburger Textilgeschäfts „Roberts Männermoden“ in der Tränkestraße. Beim zweiten Lockdown hat Sallier ein neues Handy samt Nummer gekauft. „Darauf ruft mich meine Stammkundschaft an und bestellt Waren. Die Kleidung kann nach Terminvereinbarung am Geschäft abgeholt werden oder ich bringe sie nach Hause. Das hat sich gut bewährt“, so ihre Einschätzung. Das aktuelle Sortiment ist auf der Homepage sowie im Schaufenster des Geschäfts zu sehen.

Zum Online-Handel meint Peggy Sallier: „Der wird natürlich auch hier durch den Lockdown beflügelt. Gerade in Blankenburg kann das für die noch verbliebenen wenigen Geschäfte tödlich sein.“ Des Weiteren bemerkt sie, dass zwar im ersten Lockdown finanzielle Hilfen kamen, beim zweiten jedoch nicht. „Hilfen können nicht einmal beantragt werden, weil es für den Einzelhandel noch keine Formulare gibt.“ Außerdem ginge das derzeit verdiente Geld für die laufenden Geschäftskosten drauf. Diese seien vor allem Strom, Telefon oder Versicherungen.

Würde der Lockdown verlängert, wäre das Ende der Fahnenstange erreicht. Denn bald stehe ein neues Problem vor der Tür: Die nicht verkaufte Winterkollektion müsse irgendwo gelagert werden. „Bestellte Frühjahrs- und Sommerware muss abgenommen werden“, so die Geschäftsinhaberin. „Roberts Männermoden“ gibt es übrigens seit 31 Jahren - und seit 21 Jahren unter Leitung von Peggy Sallier.

Solche Probleme machen ebenso Dieter Neudek, Geschäftsführer von „Harz-Sport“ in der Langen Straße, zu schaffen. Hier werden seit 1996 Sportbekleidung sowie -geräte und -schuhe angeboten. Was Neudek gerade am vorigen Wochenende ärgerte: „Herrliches Winterwetter mit reichlich Schnee. Das ist traumhaft. Doch wir haben derzeit auch Verbot für den Skiverleih.“

Weiter bemängelt Neudek das Fiasko der fehlenden Formulare für finanzielle Hilfen. Die Politik würde dem Einzelhandel zu wenig Beachtung schenken. Dies müsse besser geregelt werden. „Das Geschäft ist unser Leben“, bringt es Dieter Neudek auf den Punkt.

Ihm halten Stammkunden die Treue und bestellen zum Beispiel über die sozialen Medien sowie per Telefon. Die Ware können sie dann abholen oder sich bringen lassen. Die Zwangspause wird im rund 400 Quadratmeter großen Geschäft unter anderem mit Werkstattarbeit genutzt, bei der Sportgeräte aufbereitet werden.

Wie es momentan in der Gastronomie aussieht, weiß Philipp Günther aus Timmenrode. Er hat vor sechs Jahren „Das Gasthaus“ an der Blankenburger Straße übernommen. Die Tür ist geschlossen. Doch vor dem Gebäude steht „Das Burger Haus“. Dies ist eine zerlegbare und schnell aufbaubare Hütte. Sie gibt es seit fünf Jahren und kam bereits bei einigen Veranstaltungen im Harz zum Einsatz. Hier werden verschiedene Burger mit selbstgemachten Soßen und Pommes frites über die Theke gereicht.

„Das haben wir schon beim ersten Lockdown mit Erfolg angeboten. Die Kundschaft kommt nicht nur aus dem Ort, sondern auch aus Blankenburg, Thale oder Halberstadt. Als reichlich Bestellungen vorlagen, mussten wir zum Beispiel in zwei Stunden 120 Burger zubereiten“, sagt der Inhaber. Geöffnet ist von Donnerstag bis Sonntag. Gut gelaufen sei für ihn mit seiner Gaststätte außerdem ein Catering-Service zu Weihnachten. Deshalb werde dieser ebenfalls zu Ostern stattfinden. Philipp Günther: „Wir haben schon viele Anfragen.“

Im Vergleich zum Einzelhandel hat Günther bereits staatliche Hilfe bekommen. Er schätzt jedoch ein: „Die ist nicht ganz ausreichend.“