Wernigerode l „Ich werde den Preis annehmen“. Mit diesen Worten hat Esther Waldhausen am Donnerstagabend für Gelächter im Rathaus gesorgt. Kurz zuvor hatte Stadtchef Peter Gaffert (parteilos) ihr den Kulturpreis der Stadt Wernigerode überreicht.

„Es ist wunderschön, ein solches Echo zu bekommen“, so Esther Waldhausen weiter. „Ich werde den Preis sicher und gut in meinem Herzen verwahren.“

Musikalischen Einfluss

Geehrt wurde sie für ihre vielseitigen Beiträge zur Entwicklung der Kulturlandschaft Wernigerodes, die sie als Initiatorin und Musikschaffende wesentlich beeinflusst hat. Seit über zwei Jahrzehnten hat Esther Waldhausen als Musiklehrerin und Chorleiterin das Musikgeschehen der Stadt mit geprägt.

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Mit der Gründung des Kinderchors des Gerhart-Hauptmann-Gymnasiums gelang es ihr 1991, die bestehende Chortradition des Gymnasiums zu sichern und zu erweitern.

Der Kinderchor gestaltet regelmäßig Konzerte in der Region und Feierstunden im Schulgeschehen. Mit dem Mädchenkammerchor und dem gemischten Chor der Schule gehören diese Veranstaltungen zu den kulturellen Höhepunkten des Stadtlebens. Aber nicht nur in der Schule, sondern auch in ihrer Freizeit hat sich Waldhausen dem Gesang verschrieben – als Chorleiterin der Vokalgruppe Ars Vivendi.

Über 50 Chorlager

Heutzutage gebe es leider immer weniger musikalische Schulen, so Reiner Schomburg in seiner Laudatio. Dafür brauche es vor allem Lehrer, die die Kinder mitreißen und begeistern können. „Bei Esther Waldhausen habe ich das gesehen“, so der Präsident des Landeschorverbandes. Ein Chor sei nicht nur Klangkörper, sondern auch soziale Gemeinschaft. Über die Jahre habe die Lehrerin über 50 Chorlager organisiert – „eine bemerkenswerte Leistung“, so Schomburg.

Andreas Heinrich wunderte sich als zweiter Laudator, warum Waldhausen den Preis erst jetzt erhält. „Dabei steht sie doch schon seit Jahren auf der Kandidatenliste der Jury“, so der ehemalige Kulturdezernent der Stadt. „Deine Chöre sind elementarer Teil deines Lebens.“ Als Chorleiterin scheue sie sich nicht vor Herausforderungen und vor Wettbewerben an der richtigen Stelle. „Ich kann mir die Musiklandschaft nicht ohne dich vorstellen“, sagte Heinrich.

Engagierte Lehrerin

Viele Schulen wären froh über so eine engagierte Lehrerin und Musikpädagogin, so Oberbürgermeister Gaffert. In seinem Grußwort dankte er Esther Waldhausen für ihr „Engagement, unermüdliches Wirken und viele musikalische Momente“. Sie sei es gewesen, die ihm mit „Hartnäckigkeit“ das „Geflecht“ von Chören in der Stadt erklärt habe. Inzwischen wisse er, wer das ist, der gerade vor ihm singt, und trete nicht mehr in so viele Fettnäpfchen. „Das hat mich unglaublich weit gebracht“, so Gaffert. Dass sie als Preisträgerin die musikalische Umrahmung der Verleihung selbst gestaltet hat, das habe es in der Geschichte des Kulturpreises bisher nicht gegeben. „Wenigstens den Preis darf ich noch selbst überreichen“, so der Stadtchef schmunzelnd.

Eine Überraschung gab es am Ende aber doch noch für Esther Waldhausen. Ehemalige Schülerinnen des Gerhart-Hauptmann-Gymnasiums dankten ihr für „die wunderschöne Zeit“ und brachten ihr ein Ständchen.