Wernigerode l „Wir wissen nicht, wo die Bilder sind“: Das hat Wernigerodes Oberbürgermeister Peter Gaffert (parteilos) über vier Aquarelle von Martin Donath gesagt. Die Bilder hat der Wernigeröder Maler 1972 im Auftrag der Stadt gemalt. Eines ist vor kurzem mit einer Malerblick-Tafel am Vorwerk gewürdigt worden.

Doch das Werk ist nicht verschollen, wie die Wernigeröder Stadtverwaltung angenommen hat. „Die Bilder sind Eigentum des Harzkreises“, sagt Klaus-Dieter Kraus. Den Weg der vier Aquarelle von Martin Donath kennt er genau. Kraus ist seit Jahrzehnten in der Kreisverwaltung für Kunst und Kultur verantwortlich. Vom Kulturhaus „Palmiro Togliatti“ in Wernigerode, wo die Bilder zunächst hingen, wanderten sie ins neue Kreiskulturhaus.

Ständige Umzüge

Von dort zogen sie mit der Verwaltung weiter an verschiedene Standorte – in die Kurtsstraße, an den Nicolaiplatz und kurzzeitig in den Dornbergsweg. 1990 habe die Kreisverwaltung dem Maler die Bilder kurzzeitig überlassen, um Fotos und danach Kopien anzufertigen. Im Zuge der Kreisgebietsreform wanderten die Bilder, ebenso wie die Verwaltung, schließlich nach Halberstadt. „Dort habe ich die Bilder aufgeteilt, die ich noch hatte“, berichtet Kraus.

Denn die Kreisverwaltung besitzt weitere Werke des Wernigeröder Malers, zum Beispiel „Moschee in Bachtschissaray“, „Roter Platz“, „Hafenstadt auf Jalta“ und „Schwarzmeerküste vor Jalta“. Als die Kreisverwaltung ihren Haushalt auf die betriebswirtschaftliche Doppik umgestellt hat, musste Kraus das gesamte Inventar seines Fachbereichs katalogisieren und bewerten – Tische, Stühle, Aktenschränke und eben auch die Bilder. Dabei zeigte sich, dass einige Werke, auch von Martin Donath, nicht aufzufinden waren. „Ich habe alle Mitarbeiter angeschrieben mit der Bitte, sich zu melden, wenn sie Bilder haben sollten.“ Einiges, auch das weiß Kraus, ist aber im Trubel der Wendezeit verloren gegangen.

Per Leihvertrag an die Bafög-Stelle

Wo sich die vier Bilder, die die Wernigeröder Türme zeigten, befinden, stand jedoch nie in Frage. 2012 interessierte sich die Bafög-Stelle für die Aquarelle. „Ich habe sie ihnen per Leihvertrag überlassen“, so Kraus.

Nach dem Volksstimme-Bericht über die Malerblick-Tafel und die angeblich verschwundenen Werke von Martin Donath hat sich Klaus-Dieter Kraus bei Donaths Sohn gemeldet. In dieser Woche hat Martin Donath junior die Wohngeldstelle in Halberstadt besucht, um die Originale zu sehen und mit Klaus-Dieter Kraus sowie den beiden Mitarbeiterinnen zu sprechen, die seit Jahren die Motive bei der Arbeit betrachten. „Es ist gut zu sehen, dass die Bilder nicht verschwunden sind und alles seine Ordnung hat“, sagte Donath.