Elbingerode l Die Chancen des Harzkreises auf einen Blick - das bedeutet die Rappbode-Talsperre für Maik Berger. „Hier kommt alles zusammen, was den Harz ausmacht“, sagt der 47-Jährige. „Natur, Wald, Energie, Trinkwasser, Tourismus.“ Auch die Probleme des Harzkreises würden an diesem Ort sichtbar. „Was kann Tourismus bewirken, welche Probleme bringt er mit sich?“ Die Rappbode-Talsperre sehe er als Symbol seiner Politik. Eine Politik mit den Schwerpunkten Wirtschaft, regenerative Energien und sanfter Tourismus, die er gern als künftiger Landrat vertreten möchte.

Aktuell ist der Sozialdemokrat Bürgermeister des Huy-Ortsteils Aderstedt. Für SPD, Linke und Bündnis 90/ Die Grünen gemeinsam tritt er als Kandidat für die Landratswahl an. Warum er sich zur Wahl stelle? „Mein Mitbewerber Thomas Balcerowski hat mich mehr oder weniger dazu getrieben.“ Lange Zeit habe es niemanden gegeben, der es mit dem CDU-Mann aufnehmen wollte. „Das kann doch nicht sein.“ Deshalb habe er sich selbst ins Spiel gebracht.

Erfahrung in der Marktwirtschaft

Man müsse nicht unbedingt aus der Politik kommen, um einen Landkreis zu führen, ist Maik Berger überzeugt. So habe er als Gebietsleiter für einen Pharmazie-Großhandel in der freien Marktwirtschaft Erfahrungen gesammelt, habe Personal- und Budgeterfahrungen. Der Landkreis könnte von seiner Sichtweise profitieren.

Aufgewachsen in Aderstedt (Huy), absolvierte er nach dem Abi eine Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann in Helmstedt. Danach war er im Außendienst und im Marketing tätig, kehrte der Heimat vorerst den Rücken.

Aus Köln zurück in die Heimat

Nach acht Jahren in Köln zog es ihn aber wieder zurück in den Harzkreis. Dabei spielte der Zufall eine Rolle. Die alte Schule in Aderstedt stand 2008 zum Verkauf. „Da haben wir entschieden, hier bauen wir unser neues Leben auf.“ Gemeinsam mit seinem Mann kaufte er das Gebäude und baute es zum Wohnhaus aus.

Nach der Rückkehr in die Heimat begann er sich in der Politik zu engagieren. „Ich war schon immer politisch interessiert“, blickt Berger zurück. Seit 2014 ist Berger Ortsbürgermeister von Aderstedt. Zuerst über die Wählergruppe. Seit 2017 als Mitglied der SPD - dort habe er einfach die größten Schnittmengen gesehen. „Von der Seitenlinie aus zu schießen ist die eine Sache. Wenn man aber vom Mittelfeld aus ins Tor schießen will, geht das nur mit einer Partei im Rücken“, begründet er seinen Eintritt in die SPD. Auch im Gemeinderat Huy ist Berger vertreten. Zudem ist er Sprecher der Bürgerinitiative „Freie Sicht auf Huy und Bruch“.

Fehlende Struktur

Als Ortsbürgermeister habe er sich schon oft an den Landkreis gewandt – wenn es beispielsweise um den ÖPNV, Schule, Digitalisierung oder ähnlich ging. Seine Erfahrung: „Mir fehlt es oftmals an Struktur im Harzkreis, an einem übergeordneten Konzept - sei es beim Waldsterben, beim Brandschutz bei den Radwegen oder beim Fachkräftemangel.“ Zudem werde im Kreis nach wie vor der ländliche Raum vernachlässigt. „Ich komme aus einem kleinen Ort und weiß, was das bedeutet.“ Es gebe zwar einige Hotspots wie Wernigerode, Halberstadt oder Quedlinburg. „Der Harzkreis besteht aber nicht nur aus diesen Orten“, sagt Berger. „Die Marke Harz sollte wirklich Harz bedeuten.“ Auch dafür wolle er sich als neuer Landrat einsetzen.

Er trete für drei Parteien an. „Deshalb haben wir im Vorfeld gemeinsam geschaut, was wir verwirklichen wollen.“ Sein Wahlprogramm sei von SPD, den Linken und Bündnis 90/Die Grünen mitgestaltet worden. „Gleichzeitig war mir aber wichtig, dass ich Beinfreiheit bekomme.“ Seine Bedingung: eine Alternative zur CDU darzustellen. Der Weg, den er gewählt habe, sei nicht einfach. „Aber ich bin froh, dass ich es gewagt habe.“

Menschen begeistern

Sein Ziel sei es, die Menschen vom Harzkreis zu begeistern, sie dazu zu bewegen herzukommen oder zu bleiben. „Mein Wahlprogramm lässt sich auf diesen einen Punkt reduzieren.“ Deshalb seien der Erhalt von Schulstandorten und Kindertagesstätten, die Ärztelandschaft, der öffentliche Personennahverkehr, die ortsnahe Versorgung mit Bargeld und die Digitalisierung ein Muss.

Und das sei es, was ihn antreibe. „Ich möchte etwas erreichen. Ich setze mir pragmatische Ziele, die man auch erreichen kann. Ich möchte etwas bewirken. Nicht nur für mich und meine Familie, sondern für die Gesellschaft.“

Aufgeregt? Noch nicht.

Ob er aufgeregt sei, was die Wahl betrifft? „Noch nicht“, sagt der 47-Jährige. „Das kommt vielleicht noch kurz davor.“ Am Wahlsonntag, dem 5. Juli, wolle er gemütlich aufstehen und mit seinen Eltern Kaffee trinken. „Wie jeden Sonntag.“ Und am Abend wolle er mit Vertretern der drei Parteien auf die Ergebnisse warten.