Wernigerode l Der Umbau der Liebfrauenkirche zum Konzerthaus beginnt. „Der Fahrplan bis Mitte des nächsten Jahres steht“, sagt Rainer Schulze vor der Bauvorberatung am Mittwoch, 6. November. Der Chef der beim Projekt federführenden Kulturstiftung Wernigerode erhielt am Dienstagnachmittag von Sachsen-Anhalts Kulturminister Rainer Robra (CDU) einen Förderbescheid über rund 3,7 Millionen Euro. Damit können nun Aufträge an einzelne Baufirmen vergeben werden.

Wie Schulze erläutert, soll zunächst das alte Chorgestühl dokumentiert und ausgebaut werden. „Ein Teil wird verpackt, in Ilsenburg gelagert und – genau wie die umlaufenden Logen – nach Abschluss der Arbeiten wieder eingesetzt.“ Der Rest solle in einer Kirche in Wellen (Landkreis Börde) wiederverwendet werden. Sind die alten Holzbänke entfernt, soll der Fußboden geöffnet werden. Geplant sind Ausschachtungen für zukünftige Versorgungsleitungen.

Noch im November soll zudem Liebfrauens Fassade zur Burgstraße hinter einem Baugerüst verschwinden. „Dort wollen wir mit den Arbeiten am Kirchendach beginnen“, kündigt der Stiftungsvorsitzende an. Nicht nur die Dachhaut, sondern auch das Gebälk brauche eine Erneuerung. Die Ausschreibung dafür sei erfolgt, so Schulze. Er hofft zudem auf einen milden Winter. „Sobald es das Wetter zulässt, soll 2020 die Baugrube für den Anbau für Haustechnik, Sanitäranlagen und Foyer ausgehoben werden.“

Eröffnung bis Weihnachten 2021

Schließlich steht die Kulturstiftung unter Zeitdruck: Binnen zwei Jahren müssen die knapp vier Millionen Euro Fördergeld aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung verbaut sein. Dann endet das Kulturerbe-Programm der Landesregierung. „Diesen Termin werden wir schaffen“, gibt sich Rainer Schulze optimistisch. „Wir werden spätestens Weihnachten 2021 ein Eröffnungskonzert mit dem Philharmonischen Kammerorchester Wernigerode erleben.“

Unterdessen ist die Crowdfunding-Aktion, eine Spendensammlung im Internet, für das Konzerthaus Liebfrauen gestartet. Ziel sind 20.000 Euro binnen zwei Jahren. „Damit wollen wir das neue Gestühl finanzieren.“ Bis zu 500 Gäste sollen auf Kinosessel-ähnlichen Sitzen Platz finden. Spender dafür erhalten als Dankeschön je nach Betrag Belohnungen von Konzertstreams und Postkarten-Sets über Sonderführungen bis zu Namensprägungen auf Stühlen und goldenen Jahreskarten für das Konzerthaus.

Bislang hätten sich bereits mehr als 3000 Unterstützer aus der Region an den Kosten für den Umbau des im Februar entwidmeten Gotteshauses zur neuen Heimstätte für das Philharmonische Kammerorchester und andere Kulturveranstaltungen beteiligt, so Schulze. Insgesamt kostet das Projekt rund 6,4 Millionen Euro. 480.000 Euro davon übernimmt die Stadt Wernigerode.

Führungen und Konzerte auf Baustelle

Während der Bauarbeiten soll die Liebfrauenkirche aber nicht gänzlich der Öffentlichkeit verschlossen bleiben. „Wir wollen zwischendurch immer wieder Führungen und kleinere Konzerte anbieten – damit sich die Wernigeröder von den Fortschritten überzeugen können“, sagt der Chef der Kulturstiftung.