Wernigerode l Wer sich auf ein Duell mit dem Teufel einlässt, muss sich warm anziehen. Matthias von Bornstädt wirbelt im schwarzen Umhang und mit Teufelshut über die Bühne, doch am Ende lässt sich der Kinderbuchautor von zwei Mädchen aus dem Publikum zwei Zauberstäbe abluchsen. Die Zuschauer – Schüler der Wernigeröder Pestalozzi-Schule und der Stadtfeld-Grundschule – sind begeistert. Bei einer Lesung, die der Mentor-Verein organisiert hat, erleben die Mädchen und Jungen eine Vorstellung, die über eine normale Lesung hinausgeht.

Drei Schulklassen der Stufen 4 und 5 bevölkern die Schulaula, ebenso 18 Schüler der Sozialfachschule Drübeck und zwölf Leselernhelfer des Mentor-Vereins. Sie lauschen gespannt den Geschichten von Matthias von Bornstädt. Der gebürtige Wernigeröder hat bereits zahlreiche Kinderbücher veröffentlicht. In der Pestalozzi-Schule liest der 31-Jährige aus dem ersten und zweiten Band der Kinderbuchreihe „Die drei Magier“, die er konzipiert und geschrieben hat. Conrad, Mila und Vicky begeben sich darin auf abenteuerliche Ausflüge nach Algravia, in eine zauberhafte Parallelwelt voller sprechender Bäume, kluger Katzen und freundlicher Hexen – aber auch mit dem dunklen Magier Rabenhorst, den es zu überlisten gilt.

Erstes Buch in der dritten Klasse

„In Algravia ticken die Uhren eben anders“, sagt Matthias von Bornstädt, der im Anschluss an die Lesung erklärt, wie seine Bücher entstehen. Zum Beispiel fragen die Mädchen und Jungen nach seinem ersten Buch. Das habe er bereits in der dritten Klasse geschrieben, berichtet der Wernigeröder. Rund 100 Bücher habe er bisher geschrieben, pro Jahr kommen 20 bis 25 Geschichten hinzu.

Christine Oppermann-Zapf, Vorsitzende des Mentor-Vereins, freut sich, dass sie den Autor aus Berlin, wo er seit zehn Jahren lebt, wieder in seine Heimatstadt locken konnte. Für die Kinder, die sie und ihre Mitstreiter zum Lesern motivieren will, sei die Begegnung mit ihm wertvoll. „Seine Büchter sind sehr spannend. Und nach so einer Lesung weiß man, worum es geht, und hat gleich Lust zu lesen.“

Denn das steht im Zentrum der Arbeit der Leselernhelfer – die Kinder zu motivieren, ein Buch in die Hand zu nehmen und zu entdecken. Drei Helferinnen besuchen zum Beispiel wöchentlich die Pestalozzi-Schule und betreuen dort sechs Kinder im Alter von neun bis zwölf Jahren. „In diesem Alter werden Grundlagen gelegt, da hat es am meisten Sinn“, sagt Schulleiter Martin Hausl. Er hat beobachtet, dass die Schüler die Zeit mit den Mentoren genießen – „auch die Zuwendung und die Zeit, die man ihnen widmet“.

Freude über Fortschritte

Das sehen die Mentorinnen ebenso. Sie freuen sich auch über kleine Fortschritte ihrer Schützlinge. „Nach einem Jahr kam eine Schülerin und brachte ein Buch von zu Hause mit – aus eigenem Antrieb“, berichtet Rita Ahrens, Leselernhelferin und Schatzmeisterin des Vereins. Wichtig sei außerdem: „Die Schulleitung und das Lehrerteam stehen hinter uns“, so Rita Ahrens.

In der Schulbibliothek im Schulclub haben die Kinder Zugang zu Lektüre. Gerade erst sei dort umgebaut worden, um mehr Platz für Bücher zu schaffen. Gemütliche Sofas laden Leser zum Verweilen ein. Allerdings fehlen noch die Werke von Matthias von Bornstädt. Das, verspricht Schulleiter Hausl, werde sich bald ändern.

Informationen über den Mentor-Verein im Internet unter www.mentor-wernigerode.de