Wernigerode l Die verkohlten Dachstreben sind bereits weg. „Der letzte Deckenbalken ist gerade heruntergenommen worden“, sagt Alexander Kasten, Inhaber des Restaurants „Bodega“. Ein Teil des Lokals in der Wernigeröder Marktstraße ist am 1. Juli einem verheerenden Feuer zum Opfer gefallen. Nun arbeiten Kasten und sein Vater Siegfried daran, das Gebäude mit der Hausnummer 10 wieder aufzubauen und das Restaurant neu zu eröffnen.

In den vergangenen Wochen hatte das Vater-Sohn-Gespann vieles zu erledigen: Korrespondenz mit der Versicherung, der Stadtverwaltung, der Denkmalpflege, Besuch von Gutachtern. Diese bescheinigten den Kastens, dass das frühere Stellmacherhaus durch das Feuer zum versicherungstechnischen „Totalschaden“ geworden sei. Das lässt sich beziffern: Rund 500 000 Euro Schaden seien am Gebäude zu verzeichnen, hinzu kommen 60 000 Euro für das Inventar. Am gravierendsten sei aber der Schaden, der durch die Betriebsunterbrechung entstanden ist und sich auf mehrere hunderttausend Euro belaufe.

Stromversorgung

Im Feuer seien zudem zahlreiche Leitungen geschmolzen, berichtet Siegfried Kasten. Fatal ist das, weil die Stromversorgung, die Trink- und Abwasserleitung, Toiletten sowie weitere zentrale Anlagen für das angrenzende Gebäude mit der Hausnummer 12 installiert waren. „Die beiden Häuser sind total miteinander verwachsen und voneinander abhängig“, sagt Alexander Kasten.

Bilder

Zerstört wurde ebenso ein zentrales Steuerungssystem, mit dem Heizung und Klimaanlage in den Hotelzimmern in den Obergeschossen gesteuert werden. In 17 von 56 Zimmern mussten die Maler ran. In einem habe die Hitze die Tapete abgelöst. „Mehr ist Gott sei Dank nicht passiert“, so Alexander Kasten. Beschädigt worden sind Dach und Außenhaut an der dem Brandhaus zugewandten Gebäudeseite.

Großbrand in Wernigerode

Wernigerode (kr) l In der spanischen Gaststätte "Bodega" in Wernigerode ist am Montagvormittag gegen 11 Uhr ein Feuer ausgebrochen. Aktive aus elf Feuerwehren eilten zum Einsatzort, um den Brand zu löschen und ein Übergreifen der Flammen auf Nachbargebäude zu verhindern. Sechs Mitarbeiter eines Reinigungsunternehmens konnten rechtzeitig evakuiert werden. Die Löscharbeiten dauerten bis gegen 13 Uhr. Die Polizei ermittelt gegen einen Mann (31) aus der Stadt Oberharz am Brocken wegen fahrlässiger Brandstiftung, der dort zuvor Unkraut mit einem Gasbrenner bekämpft hatte. Der Schaden wird auf mehrere hunderttausend Euro geschätzt

  • Das historische Gebäude, das zum spanischen Restaurant Bodega in Wernigerode gehört, steht in Flammen. Foto: Katrin Schröder

    Das historische Gebäude, das zum spanischen Restaurant Bodega in Wernigerode gehört, st...

  • Die Feuerwehren versuchten, das Übergreifen der Flammen auf die Nachbargebäude zu verhindern. Foto: Katrin Schröder

    Die Feuerwehren versuchten, das Übergreifen der Flammen auf die Nachbargebäude zu verhi...

  •  Auf dem Marktplatz stehen Einsatzfahrzeuge der Feuerwehren. Foto: Katrin Schröder

    Auf dem Marktplatz stehen Einsatzfahrzeuge der Feuerwehren. Foto: Katrin Schröder

  • Insgesamt waren Aktive aus elf Feuerwehren im Einsatz. Foto: Katrin Schröder

    Insgesamt waren Aktive aus elf Feuerwehren im Einsatz. Foto: Katrin Schröder

  • Das historische Gebäude, das zum spanischen Restaurant Bodega in Wernigerode gehört, stand in Flammen. Foto: Katrin Schröder

    Das historische Gebäude, das zum spanischen Restaurant Bodega in Wernigerode gehört, st...

  • Es entstand Sachschaden von mehreren hunderttausend Euro. Foto: Katrin Schröder

    Es entstand Sachschaden von mehreren hunderttausend Euro. Foto: Katrin Schröder

  • Die Löscharbeiten dauerten bis in den Nachmittag an. Foto: Katrin Schröder

    Die Löscharbeiten dauerten bis in den Nachmittag an. Foto: Katrin Schröder

Herausforderung

Die größte Herausforderung ist aber der Wiederaufbau des alten Stellmacherhauses. „Wir haben uns entschieden, dass wir dieses Eingangshaus für die Marktstraße wieder hinbekommen“, sagt Siegfried Kasten. Zwar könne man das Gebäude nicht hundertprozentig wiederherstellen. „Innen müssen wir komplett auskernen. Es ist nichts mehr da“, sagt Siegfried Kasten. Das Haus sei bis zur Bodenplatte ausgebrannt. Das werde man aber von der Straße aus nicht sehen: „Nach außen wird es wieder so dastehen wie zuvor.“

Denn die Ost- und die Nordseite, das Stadtbild an dieser Stelle prägen, sollen erhalten werden – obwohl Bausachverständige davon abgeraten hätten. Rund 700 000 Euro werde die Instandsetzung der Gaststätte kosten, schätzen Vater und Sohn. Der Weg ist vorgezeichnet: Bis in den September hinein soll eine Firma das Gebäude beräumen und rückbauen, wo es nötig ist. Danach sollen so schnell wie möglich die sanitären Anlagen und die Versorgungsanschlüsse wieder hergestellt werden. Die Toiletten sollen überdacht werden, damit sie vom Haus Nummer 12 aus trockenen Fußes erreicht werden können.

Pläne

Das ist die Voraussetzung dafür, dass die „Bodega“ in kleinerem Rahmen wieder ihre Türen öffnen kann. Geplant ist dies für Anfang Dezember, berichtet Alexander Kasten. 40 bis 50 Plätze werde sie bieten – im Gegensatz zu rund 90 Plätzen vor dem Brand. Man werde versuchen, die offene Küche mit einer Glasfront abzuschirmen, um den Essensgeruch einzudämmen, so Alexander Kasten.

Damit den Fans spanischer Küche und Lebensart die Zeit bis zur Neueröffnung nicht zu lange wird, bieten die Gastronomen am 18. Oktober und 15. November spanische Abende mit Tanz und Livemusik im „Kartoffelhaus“ an. Die ersten Reservierungen sind bereits eingegangen, berichtet Alexander Kasten. Der nächste Abend solle am 13. Dezember bereits in der „Bodega“ über die Bühne gehen.

Wiederaufbau

Wenn der Betrieb in Haus Nummer 12 angelaufen ist, werde der Wiederaufbau des Stellmacherhauses geplant. Derzeit werden die nötigen Genehmigungen beantragt. Statiker müssen feststellen, wo tragende Balken zu erneuern sind. „Spätestens im Frühjahr geht es mit den Bauarbeiten los“, kündigt Alexander Kasten an. Wenn alles nach Plan verläuft, kann die erneuerte „Bodega“ in beiden Häusern vor Weihnachten 2020 ihre Gäste empfangen.

Trotz allem habe man Glück im Unglück gehabt. „Wir können froh sein, dass der Brand nicht noch mehr Schaden angerichtet hat“, sagt Alexander Kasten – etwa in der Markstraße 12 sowie am benachbarten Gebäude im Teichdamm 1. Zu verdanken sei dies dem Eingreifen der Feuerwehren. „Der schnelle und fachmännische Einsatz war beispiellos und hat Schlimmeres verhindert“, so Alexander Kasten.