Wernigerode l Am Tag nach Messerangriff und Fenstersturz im Wernigeröder Wohngebiet Harzblick wird klar, wie brutal dem 19-jährigen Suleymane B. zugesetzt worden ist: Erst wurde der junge Asylbewerber aus Guinea-Bissau mit mehreren Messerstichen im Halsbereich schwer verletzt. Augenblicke später stürzte der Asylsuchende beim Versuch, dem mit einem Messer bewaffneten Angreifer zu entkommen, aus einem Fenster in der dritten Etage eines Wohnblocks rund acht Meter in die Tiefe.

Offenbar retteten nur das schnelle medizinische Eingreifen durch eine Notärztin und Rettungssanitäter vor Ort und anschließend eine mehrstündige Not-Operation im Wernigeröder Harzklinikum dem lebensgefährlich verletzten Mann das Leben.

Behandlung in Leipzig

Über seinen aktuellen Gesundheitszustand war am Mittwoch seitens des Harzklinikums nichts in Erfahrung zu bringen. Nach Informationen der Volksstimme soll der 19-Jährige zunächst auf der Intensivstation des Klinikums behandelt worden sein. Im Tagesverlauf wurde er mit einem Hubschrauber in die Uniklinik Leipzig verlegt. Sein Zustand soll nach wie vor kritisch sein, laut Polizei weiterhin lebensbedrohlich.

Einbruch in Stabkirche Stiege

Stiege (mg) l 2021 soll die Stabkirche Stiege vom Wald am Albrechtshaus in den Ort versetzt werden. Die einzigartige Holzkapelle im Harz wurde am im Oktober 2019 erneut Opfer von Vandalismus.

  • Über dieses Seil gelangten die Einbrecher vom Glockenturm auf die Empore der Stabkirche Stiege. Foto: Stabkirche Stiege e. V.

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  • Die Einbrecher rissen Dachziegel herunter, um sich über den Glockenturm einen Weg in die Stabkirche Stiege zu bahnen. Foto: Holger Manigk

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  • Wolfgang Teucher vom benachbarten Albrechtshaus repapriert das Vorblech des zerstörten Fensters der Stabkirche Stiege. Foto: Holger Manigk

    Wolfgang Teucher vom benachbarten Albrechtshaus repapriert das Vorblech des zerstörten Fenst...

  • Rund um die Stabkirche im Wald zwischen Stiege und Friedrichshöhe liegen heruntergeworfene Dachziegel. Foto: Holger Manigk

    Rund um die Stabkirche im Wald zwischen Stiege und Friedrichshöhe liegen heruntergeworfene D...

  • Die Einbrecher zerstörten das letzte intakte Bleiglasfenster der Stabkirche Stiege, um wieder nach draußen zu gelangen. Foto: Stabkirche Stiege e. V.

    Die Einbrecher zerstörten das letzte intakte Bleiglasfenster der Stabkirche Stiege, um wiede...

Die Tat, die sich am Dienstag am späten Nachmittag im Wohngebiet Harzblick ereignet hat, sorgt über die Stadtgrenzen hinaus für Entsetzen und schockiert angesichts ihrer Brutalität viele Menschen. Kernfrage dabei: Wieso musste ein Beziehungsstreit gleich derart eskalieren, dass Männer sofort zum Messer greifen?

Beziehungstat

Von einer Beziehungstat – dies hatte sich bereits am Dienstagabend angedeutet – geht die Polizei nach ihren bisherigen Ermittlungen aus. Nach Recherchen der Volksstimme soll das 19 Jahre alte Opfer mit einer 23 Jahre alten Frau aus Mali im Wernigeröder Wohngebiet Harzblick zusammenleben. Der Ex-Partner der 23-Jährigen – ein im bayerischen Pöcking lebender 22-Jähriger aus Mali – soll am Dienstag nach Wernigerode gekommen und dabei mit dem 19-Jährigen in Streit geraten sein.

Details zum Ablauf der Messerattacke waren am Mittwoch noch unklar, die polizeilichen Ermittlungen in der Regie der Polizeiinspektion Magdeburg liefen auf Hochtouren. Die Ermittlungen und Vernehmungen gestalten sich wohl auch wegen der sprachlichen Barrieren schwierig.

Festnahme

Klar scheint jedoch zu sein, dass der 22-Jährige aus Mali den 19-Jährigen mit mehreren Messerstichen schwer verletzte. Beim Versuch, dem Peiniger über das Fenster zu entkommen, stürzte der 19-Jährige in die Tiefe. Und damit nicht genug: Laut Polizei griff der 22-Jährige das im Innenhof des Wohnkomplexes Unter dem Wulfhorn schwer verletzt am Boden liegende Opfer noch einmal an – nach der Volksstimme-Informationen erneut mit dem Messer. Wenig später konnten alarmierte Polizeibeamte den 22-Jährigen – er hat ebenso wie die 23-Jährige und das 19 Jahre alte Opfer in Deutschland Asyl beantragt – festnehmen.

Gegen den Tatverdächtigen wird nun wegen des Verdachts des versuchten Mordes ermittelt. Am Mittwochnachmittag erließ ein Haftrichter am Amtsgericht Wernigerode auf Antrag der Staatsanwaltschaft in Halberstadt Haftbefehl wegen versuchten Mordes in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung. Der Fakt, dass der Verdächtige noch einmal auf das am Boden liegende, wehrlose Opfer eingestochen haben soll, dürfte den Vorwurf des versuchten Mordes stützen.