Wernigerode (dpa) l Nur einen halben Millimeter lang und so dünn wie ein menschliches Haar: Der kleinste Käfer Europas ist auch im Nationalpark Harz zu Hause. Wissenschaftler hätten zum ersten Mal den Zwergkäfer "Baranowskiella ehnstromi" in dem Großschutzgebiet nachgewiesen, sagte der Sprecher der Wernigeröder Nationalparkverwaltung, Friedhart Knolle, der Deutschen Presse-Agentur. "Der Fund war im Sommer, danach folgten Monate der Bestimmung durch Entomologen. Man wollte Gewissheit", sagte Knolle.

Der zur Familie der Federflügler gehörende Käfer lebt ein sehr zurückgezogenes Leben. "Er ist vor allem in den Fruchtkörpern des Muschelförmigen Feuerschwamms zu finden", sagte Knolle. Das ist ein parasitischer Pilz, der hauptsächlich auf der Unterseite von Ästen und Stämmen von Bäumen wächst und Standorte mit hoher Luft- und Bodenfeuchtigkeit bevorzugt. Die Pilzexperten des Nationalparks waren beim Monitoring aufgerufen, gezielt nach dem Muschelförmigen Feuerschwamm Ausschau zu halten. "Auch er war bisher nicht für unser Nationalparkgebiet belegt", so Knolle. Der Erstfund sei im Eckertal am Rande einer bewaldeten Halde in Bachnähe gelungen.  

Für den erstmals 1997 entdeckten Käfer "Baranowskiella ehnstromi" gebe es bisher deutschlandweit nur wenige Nachweise. Der winzige Käfer muss den Angaben zufolge direkt auf den Fruchtkörpern des Pilzes gesucht werden – unter dem Mikroskop. Auf der Probe des im Nationalpark entdeckten Fruchtkörpers des Muschelförmigen Feuerschwamms habe es gleich mehrere Treffer gegeben. 

"Insgesamt vier Käfer wurden gefunden, wobei einer gerade frisch aus der Puppe geschlüpft sein muss", sagte Knolle. Wissenschaftler gehen davon aus, dass der Käfer wohl sein ganzes Leben in den Poren des Pilzfruchtkörpers verbringt und sich von den Sporen ernährt. Denn: Im Gegensatz zu vielen anderen Feuerschwämmen bildet der Muschelförmige Feuerschwamm nahezu ganzjährig Sporen aus.

Der knapp 25.000 Hektar große Nationalpark Harz liegt in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt. Er gilt als sehr artenreich.