Schierke l Sie knarzen, rascheln, ächzen – die toten Bäume an der Straße „Zum Winterbergtor“. Die trockenen Fichten säumen den Straßenrand auf dem Weg zum Schierker Parkhaus. Vom Borkenkäfer ausgesaugt, von der anhaltenden Dürre dahingerafft. Nicht nur unschön anzusehen, sondern auch gefährlich. Denn bei Sturm oder schon bei stärkerem Wind knacken die morschen Äste ab und fallen auf die Straße oder ins Flussbett der Bode.

Etwa 80 Fichten sind betroffen. Wegen der gefährlichen Nähe zur Straße sieht man im Wernigeröder Rathaus nun dringenden Handlungsbedarf. Die toten Bäume sollen weg - im Zuge der Verkehrssicherungspflicht und des Hochwasserschutzes. Der Stadtrat hat die zusätzliche Ausgabe im Haushalt bereits abgenickt. Den Sägearbeiten steht damit nichts mehr im Wege.

Bäume kosten doppelt

Ironischerweise handelt es sich bei den zu fällenden Bäumen um eben jene Fichten, die der Stadtverwaltung beim Ausbau der Straße zum Parkhaus Mehrausgaben in empfindlicher Höhe bescherten. „Diese millionenschweren Bäume“, wie Ortsbürgermeister Christiane Hopstock (CDU) in der jüngsten Sitzung des Schierke-Ausschusses anmerkte.

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Wie war das damals? 2013 wurde die Sandbrinkstraße, ein ehemaliger Forstweg, zur Umgehungsstraße und Zufahrt zum Parkhaus ausgebaut. Der teilasphaltierte Weg sollte von 3,50 auf durchgängig 5,55 Meter verbreitert werden, um auf der einstigen Einbahnstraße Begegnungsverkehr zu ermöglichen. Laut Stadtverwaltung waren etwa 5,6 Millionen Euro dafür eingeplant. Doch dabei blieb es nicht.

Sensibler Bereich

Wie sich herausstellte, war eine Verbreiterung der Straße in Richtung der Kalten Bode nicht möglich. Diese sei vom Landkreis und den Naturschutzverbänden untersagt worden, informiert Rathaussprecher Tobias Kascha auf Volksstimme-Nachfrage. Warum? Der Hang zum Ufer der Bode sei „naturschutzrechtlich und gewässerrechtlich ein sensibler Bereich“. Die alten Fichten, sogenannte Talwächter, die entlang des Straßenverlaufs hin zur Bode standen, durften nicht abgeholzt, sondern sollten erhalten werden – so die Forderung der Behörden.

Um Baurecht zu bekommen, musste die Stadt den Straßenverlauf verändern. Es folgte eine Ortsbegehung mit Planern, Behörden und Verbänden, bei der der finale Straßenverlauf abgestimmt wurde.

„In Konsequenz dessen wurde die Straßenachse in Richtung Hang verschoben mit der Folge, dass weitere Baugrunduntersuchungen, notwendige Messungen zur Hangsicherung erforderlich wurden“, so Kascha. Zudem musste die Standsicherheit der Wände nachgewiesen werden, da die Stützwände erheblich höher werden mussten. Die Kosten lagen am Ende bei 7,7 Millionen Euro – also über zwei Millionen Euro mehr als geplant.

Wie Rathaussprecher Tobias Kascha betont, sei der Erhalt der Talwächter nicht der alleinige Grund für die Kostensteigerung gewesen. „Der Schutzstatus des Bereiches war ausschlaggebend.“