Kreisverwaltung nimmt erneut Anlauf / Nationalpark sieht nach wie vor keine Notwendigkeit für Extrapfad

Neuen Wanderweg zum Brocken präsentiert - und ist sofort Gesprächsstoff

Von Regina Urbat 12.04.2013, 03:14

Die Kreisverwaltung hat einen neuen Wanderweg zum Brockengipfel präsentiert und damit die Diskussion erneut angefacht. Bislang lehnt der Nationalpark solch ein Projekt ab.

Wernigerode l Das Problem ist nicht neu. Genau genommen besteht der Konflikt zwischen Kreisverwaltung und Nationalpark schon über 20 Jahre, seit der Maueröffnung auf dem Brocken. Der Landkreis als Eigentümer der Brockenstraße möchte die Wanderer von der Fahrbahn auf einen sicheren Weg durch die Natur lenken. Der Nationalpark möchte jedoch keine Menschenmassen im hochsensiblen Schutzgebiet "Kernzone" - auch aus Sicherheitsgründen.

Mit dem Ausbau der fast 10 Kilometer langen Brockenstraße - von 2006 bis 2012 für insgesamt 4,2 Millionen Euro - hat sich das Gefahrenpotenzial erhöht. Versorgungsfahrzeuge, Pferdekutschen, Radfahrer und tausende Wanderer sind an vielen Tagen gemeinsam auf der Brockenstraße unterwegs. Oftmals kollidieren vor allem die Wanderer mit den Pedalrittern, die sich nicht an die vorschiebene Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h halten. "Die Unfallgefahr ist gestiegen", bestätigte Polizeisprecher Peter Pogunke auf Nachfrage, ohne eine konkrete Unfallzahl nennen zu können.

Für Landrat Michael Ermrich (CDU) sei es höchste Zeit, die Verkehrsteilnehmer von den Wanderern auf der Brockenstraße zu trennen. "Geredet haben wir schon viel, ohne Ergebnis. Mit dem nun vorliegenden Papier hoffen wir, das Problem lösen zu können", sagte Ermrich bei der gestrigen Präsentation des neuen Brockenwanderwegs. Dabei handelt es sich um eine sogenannte Machbarkeitsstudie, die im Auftrag der Kreisverwaltung von der MKR Harz-Consult Blankenburg erarbeitet wurde. Auf 30 Seiten wird ein möglicher Wanderweg zum Brockengipfel beschrieben. Er ist 1,2 Kilometer lang und als Verbreiterung des Randstreifens der Brockenstraße angelegt. "Damit wird der Eingriff in das Schutzgebiet so gering wie möglich gehalten", sagte Ermrich.

Der neue Pfad, für den eine Gesamtfläche von 6300 Quadratmeter in Anspruch genommen würde, führt von den Einmündungen Eckerlochstieg und Goetheweg zunächst auf der linken Seite parallel zur Brockenstraße, ab der Spitzkehre dann rechts der Fahrbahn bis zum Gipfel. "Bei der Planung haben wir uns des alten Regelwerks bemüht und schlagen eine Wegbreite von drei Metern vor", sagte Michael Müller. Der Chef des Planungsbüros und seine Mitarbeiterin Gudrun Babatz seien schon beim Ausbau der Brockenstraße beteiligt gewesen und wissen durch ihre Beobachtungen, "erzwingen können wir es nicht, dass die Wanderer die Straße wirklich verlassen." Deshalb sei es angebracht, so Müller weiter, den Leuten auch optisch zu vermitteln, "auf diesem neuen Weg seid ihr sicherer." Dazu gehören beispielsweise die Geländer entlang der Böschungsgrenzen, die aus stabilem Holz sein sollten.

Müller, der ein gebürtiger Berliner ist und seit 1984 im Harz lebt, habe in seine Planung verschiedene Ideen eingearbeitet, um die Attraktivität für Jung und Alt auf den letzten Metern des Gipfelsturm zu erhöhen. "Nach dem langen Marsch durch den Wald sollte man die Wanderer mit herrlichen Ausblicken belohnen", so der Bauingenieur. Dafür schlage er ein bis drei Aussichtstürme beziehungsweise Podeste und einen kleinen Baumwipfelpfad vor. Außerdem könnte im Bereich der Spitzkehre ein "kleiner Knochenbrecher als Erlebnispfad" angelegt werden. Als Namen schlug Müller "Wolkenpfad" vor, der bei der preiswertesten Bauweise nach seinen Berechnungen rund 560 000 Euro kosten würde.

Wer die Kosten einmal trägt, könne erst diskutiert werden, "wenn entschieden ist, ob der neue Wanderweg überhaupt gewünscht ist", sagte Ermrich und wolle mit der Präsentation die Debatte zur Studie eröffnen.

Diese läuft jedoch schon im Hintergrund, zumal in der Verwaltung des Nationalparks und dem Beirat des Schutzgebietes das Papier vorliegt. "Verständnis habe ich nicht, dass wir zur Präsentation nicht eingeladen wurden", sagte Nationalpark-Pressesprecher Friedhart Knolle gegenüber der Volksstimme. Parkleiter Andreas Pusch drückte sich diplomatischer aus, in dem er es "interessant findet", dass nicht miteinander, sondern übereinander geredet werde. Obwohl man nach wie vor keinen Extraweg für Wanderer im oberen Bereich der Brockenstraße als "erforderlich" sehe, "sind wir generell bereit, über die Studie zu diskutieren". Der Nationalparkbeirat befasst sich damit in der Sitzung am 7. Mai.