Wernigerode l Als Mephisto ist Tim Stolte in seinem Element. „Für mich ist das eine Traumrolle“, sagt der 40-Jährige, der aktuell in der „Faust“-Oper bei den Wernigeröder Schlossfestspielen zu sehen und zu hören ist. „Das ist ein teuflischer Charakter. Es ist wirklich spannend, ihn darzustellen.“ Es reize ihn, der Bösewicht zu sein. „Eben weil ich im Leben nicht so bin.“ Es sei schon ein ganzes Stückchen Arbeit, den Schurken zu entwickeln und glaubwürdig rüberzubringen.“

Die besondere Herausforderung dabei: In der Inszenierung von Regisseurin Birgit Kronshage gibt es nicht den einen Mephisto. „Faust erschafft ihn in seinem Kopf. Im Stück werden acht verschiedene Personen zu Mephisto. Für mich bedeutet das, dass ich in acht Rollen und acht verschiedene Kostüme schlüpfe.“ Als Darsteller könne er sich dabei austoben.

Musikalisches Talent in die Wiege gelegt

Das Musikalische liegt dem gebürtigen Düsseldorfer sprichwörtlich im Blut. „Ich bin schon sehr früh in meiner Kindheit mit klassischer Musik in Berührung gekommen“, blickt Tim Stolte auf seine Anfänge zurück.

Sein Vater war Cellist an der Deutschen Oper in Düsseldorf. Bereits mit acht Jahren begann er, im Kinderchor zu singen und als Statist auf der Bühne mitzuwirken. Auch wenn er die Oper schon immer geliebt hat, studierte er nach dem Abitur Klavier an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg. „Ganz vom Singen war ich aber nicht weg, denn Gesangsunterricht war im Studium Pflicht.“ Sein Professor habe sein Talent erkannt und ihn ermutigt, auch Gesang zu studieren. „Das habe ich dann noch drangehängt.“

Seine ersten Bühnenerfahrungen nach dem Studium sammelte Tim Stolte als Ensemblemitglied an den Theatern in Neustrelitz und Görlitz, wo er eine Vielzahl großer Partien sang, darunter beispielsweise „Eugen Onegin“, Giorgio Germont in „La Traviata“, Escamillo in „Carmen“ und Dandini in „La Cenerentola“.

Dem Theater Lübeck ist er bereits in der vierten Spielzeit als ständiger Gast verbunden. Nebenher habe er als freischaffender Sänger Zeit, große schwere Partien wie den „Wotan“ in „Der Ring des Nibelungen“ intensiv einzustudieren – eine weitere Traumrolle für ihn. Wagner-Partien haben es dem 40-Jährigen angetan. So wurde er 2014 als einer von 16 Teilnehmern zum internationalen Lauritz-Melchior-Wettbewerb für Wagner-Stimmen nach Dänemark eingeladen. Außerdem ist er Stipendiat des Richard-Wagner-Verbandes Hamburg.

Hoffnung auf Sternstunde

Lampenfieber vor dem Auftritt? „Kenne ich, na klar“, sagt der sympathische Bariton und lacht. „Am Tag vor der Vorstellung bin ich aufgeregt.“ Auf der Bühne sei es anders. „Wenn man gut geprobt hat und weiß, was man tut, fühlt man sich wie ein Rennpferd, das endlich los galoppieren will.“

So wie auf dem Wernigeröder Schlosshof? „Wenn das Wetter mitspielt, kann die Oper da oben zu einer Sternstunde werden“, ist sich Tim Stolte sicher. Das Schloss mit seinem romantischen Innenhof sei eine Inspirationsquelle für ihn und die anderen Solisten. „Man fühlt sich sofort in Fausts Welt versetzt.“ Auf der Theaterbühne brauche man Vorstellungskraft, um sich in die Szene zu versetzen. „Im Schlossinnenhof muss ich mir das laue Lüftchen nicht vorstellen. Es ist einfach da.“

Weitere Vorstellungen von „Faust“: am 18., 19., 25. und 26. August jeweils um 19.30 Uhr (Einlass 18.45 Uhr) auf Schloss Wernigerode. Bei schlechtem Wetter steht der Fürstliche Marstall als Ausweichspielstätte bereit.