Wernigerode l Entsetzen und Fassungslosigkeit bei Enrico Kretschmar und Dirk Richter. Unbekannte haben in den vergangenen Tagen mehrere Bienenstöcke, die die beiden Züchter im Gelände des Bürgerparks Wernigerode aufgestellt haben, zerstört. Laut Polizei sind insgesamt acht Völker betroffenen – für die Tiere, die im Moment in Winterruhe sind, sei das das Todesurteil, so Kretschmar.

Nach Angaben von Polizeisprecherin Nadine Sünnemann kann der Tatzeitraum auf das Fenster zwischen 21. und 27. Januar eingegrenzt werden. Der oder die Täter überkletterten die Umfriedung des Bürgerparks und gelangten so auf die Stellflächen der Bienenkörbe. Hier zerstörten und warfen sie die Bienenkörbe um. Letztlich seien aufgrund der Außentemperatur insgesamt acht Bienenvölker verendet. Der Schaden belaufe sich auf etwa 1500 Euro, so die Kriminalrätin.

Schul-Imkerei betroffen

Der Fall ist aus mehreren Gründen besonders verwerflich. Einerseits geht die Bienenpopulation insgesamt zurück – aus Sicht von Enrico Kretschmar ist dafür wahrscheinlich eine Summe vieler Faktoren verantwortlich. Andererseits engagiert sich der 58-Jährige als Bienenzüchter zusätzlich, indem er Schülern der nahen Grundschule Harzblick das A und O der Imkerei nahe bringt. Mit der Zerstörung der Bienenstöcke – der Fachmann spricht bei der Behausung von Beute – und dem Tod der Tiere werden jetzt schon die Grundschüler direkt mit Gewalt, Zerstörung und den Folgen tangiert.

Entsprechend verärgert ist Harzblick-Schulleiter Thomas Möx. „Wir sind bestürzt und können uns überhaupt nicht erklären, wer so etwas macht. Das zeugt nicht gerade von großem Verstand“, so der Pädagoge. Die Harzblick-Schule arbeite seit vorigem Jahr mit Imker Enrico Kretschmar zusammen, das Interesse der Kinder sei riesig.

20 Schüler seien aktuell in der Bienen-Arbeitsgemeinschaft aktiv – „mitmachen wollen noch weit mehr, wir haben allerdings Kapazitätsprobleme“, so Möx. Die Idee, an einer Schule Bienenzucht zu etablieren, stamme ursprünglich vom Stadtfeld-Gymnasium.

Parallelen zu Fall in Drübeck

Nach Möx‘ Worten ist geplant, die Bienenstöcke vom jetzigen Standort im Bürgerpark auf ein Zwischendach der Schule zu verlagern. „Das wäre eine sichere Variante. Allerdings brauchen wir dafür Geld, um das Dach entsprechend abzusichern, dass alle Beteiligten dort sicher arbeiten können“, so der Schulleiter.

Bei der Polizei wird über die Motivation der Täter gerätselt. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass es am 13. Januar einen vergleichbaren Fall in Drübeck gegeben hat. Unbekannte Täter zerstörten dort ebenfalls Bienen-Beuten, indem sie diese aus der Verankerung rissen und auf den Boden warfen.

Was hinsichtlich der Begehung klare Parallelen erkennen lässt. Auch in Wernigerode wurden die Kisten (Beuten) mit den Waben-Rähmchen umgestoßen und teilweise beschädigt. Waren also in beiden Fällen einfach nur Vandalen am Werk? Gibt es mit Blick auf die geschädigten Imker – neben Enrico Kretschmar auch Dirk Richter in Wernigerode und Dorothea Welke in Drübeck – Zusammenhänge? Oder hat, aus welchem Grund auch immer, irgendwer besonderen Hass auf Imker?

Trügerische Sicherheit

Rätselraten sowohl bei den Ermittlern als auch bei Imker Dirk Richter. Der 42-Jährige hat am Wochenende insgesamt sechs Völker verloren. Er habe seine Tiere ganz bewusst in der Hoffnung, dass sie im Bürgerpark sicher seien, dorthin gebracht. Das sei leider ein Trugschluss gewesen.

Für Wilfried Götze, Chef des Imker-Vereins Wernigerode, steht nach einer Ortsvisite fest: Tiere waren das nicht.

Die Polizei ermittelt wegen Sachbeschädigung und hofft auf Zeugenhinweise: Bitte unter Telefon (0 39 41) 67 42 93