Blankenburg l Der Zeitpunkt rückt immer näher: Zum Jahresende schließt die Blankenburger Augenarztpraxis. „Hunderte Patienten telefonieren aktuell Augenärzte in der näheren Umgebung ab, um ab Januar als Patient aufgenommen zu werden. Ich persönlich habe alle Augenarztpraxen in Halberstadt, Quedlinburg, Wernigerode, Bad Harzburg und Goslar angerufen. Der gleiche Bescheid bei allen Praxen: Wir nehmen keine Patienten mehr auf“, berichtet Ilse Ecklebe vom verzweifelten Versuch, irgendwo unterzukommen.

So wie sie sind viele Menschen in der Region besorgt, wie die augenärztliche Betreuung in Blankenburg weitergehen soll. „Die Kassenärztliche Vereinigung in Magdeburg gab mir die Auskunft, dass eben kein Augenarzt zur Verfügung steht, es werde sich irgendwann schon eine Lösung ergeben. Es bestehe ja ein Notdienst, an den man sich bei einer akuten Gefahr für die Augen wenden könne“, schildert Ilse Ecklebe ihre Erlebnisse. Für die Blankenburgerin ist das aber eben keine Lösung.

Da gibt ihr auch Klaus Dumeier Recht, der sich nicht nur für die CDU politisch in der Stadt engagiert, sondern als Eigentümer der ehemaligen Poliklinik auch ein ureigenstes Interesse am Fortbestand einer Augenarztpraxis in seinem Dr.-Scholze-Gesundheitszentrum hat. „Die Suche, gerade in diesem Bereich, gestaltet sich aber sehr schwierig, weil insgesamt sehr wenige Augenärzte ausgebildet werden“, erklärt Dumeier auf Volksstimme-Nachfrage. „Wir sind aber weiter im Gespräch und auch guter Hoffnung, dass wir eine Lösung finden.“ Immerhin gehe es um die medizinische Versorgung der Patienten in und um Blankenburg.

Weite Anfahrtswege

Bereits vor einigen Wochen hatte sich die Stadtratsfraktion von ProBlankenburg des Themas angenommen. Fraktionschefin Annekatrin Wagner hatte sich dazu mit einer offiziellen Anfrage an die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen-Anhalts (KVSA) gewandt. Die KVSA stellte den Sachverhalt zwar detailliert dar, schien aber keine konkreten Lösungen parat zu haben.

Ganz im Gegenteil. So geht die KVSA davon aus, dass der bislang in Blankenburg tätige Augenarzt künftig in Wernigerode praktizieren werde. „Damit bleibt die Anzahl der Augenärzte in der Region zwar konstant. Jedoch bedeutet dies für die Patienten aus Blankenburg, einen Anfahrtsweg von etwa 16 Kilometern in Kauf zu nehmen“, heißt es in der Antwort der KVSA.

Hohe Zuschüsse

Diese Körperschaft mit Sitz in Magdeburg ist für die vertragsärztliche Versorgung der gesetzlich Krankenversicherten zuständig. In ihrer Antwort auf die Anfrage von ProBlankenburg heißt es weiter: „Im Planungsbereich Landkreis Harz bestehen aktuell Zulassungsmöglichkeiten für 3,0 Augenärzte. Aufgrund des spürbaren Arztmangels, der sich auch in der Gruppe der Augenärzte deutlich zeigt, konnten für schließende Praxen im Landkreis Harz kaum Nachfolger gefunden werden. Auch die Besetzung der von uns betriebenen Eigeneinrichtung für Augenheilkunde in Halberstadt bereitet große Schwierigkeiten. Der dort beschäftigte Augenarzt fällt langfristig aus. Eine dauerhafte Wiederbesetzung ist bislang noch nicht gelungen und erfolgt derzeit nur mit hohem Aufwand vertretungsweise.“

Dabei gebe es im Land allerlei Anreize, als Augenarzt zu arbeiten. Um künftig mehr Mediziner für die vertragsärztliche Versorgung zu gewinnen, werde von der KVSA die Weiterbildung zum Facharzt für Augenheilkunde mit monatlich 4800 Euro gefördert. Bei einer Verpflichtung zur Tätigkeit in Sachsen-Anhalt würden weitere 1000 Euro im Monat als Zuschuss gezahlt. Um Augenärzte für eine Tätigkeit im Land zu gewinnen, bestehe bei Neuzulassung oder Neuanstellung außerdem die Möglichkeit der Gewährung einer Mindestumsatzgarantie. Hierdurch werde das wirtschaftliche Risiko in der Anfangszeit minimiert, so KVSA-Sprecher Bernd Franke.