Blankenburg l Was zunächst wie ein Routine-Brandbekämpfung begonnen hat, hat sich innerhalb von 24 Stunden zu einem langwierigen Löscheinsatz entwickelt: Am Mittwochmorgen, 26. August, war auf dem Gelände des Recylingbetriebes am Platenberg ein brennender Holzhaufen entdeckt worden. Laut Ortswehrleiter Alexander Beck sorgten die Mitarbeiter des Betriebes dafür, dass mit einem Bagger die Holzteile auseinandergezogen und abgelöscht werden konnten. Zuvor hatten die Kameraden aus Blankenburg, Cattenstedt und Derenburg eine stabile Wasserversorgung über eine Strecke von rund 500 Metern aufgebaut. Mit Wärmebildkamera per Hand und per Drohne wurde das Areal vom Boden und aus der Luft begutachtet, um etwaige Glutnester auszuschließen. Nachdem diese Befunde negativ waren, wurde der Einsatz abgebrochen.

Umso überraschender für die Einsatzkräfte, als Donnerstagnacht gegen 1 Uhr erneut Feueralarm ausgelöst wurde. Diesmal schlugen an zwei Stellen offene Flammen aus dem rund zehn Meter hohen Berg aus geschreddertem Holz. Laut Betreiber lagern dort zwischen 1000 und 2000 Kubikmeter dieses Materials, das bereits an die Holzindustrie verkauft worden und zur Produktion von Spanplatten vorgesehen gewesen sei. Den Schaden hat das Polizeirevier Harz mit rund 40.000 Euro beziffert. Ein Brandursachenermittler habe die Arbeit bereits aufgenommen.

Wie Stadtwehrleiter Werner Greif erklärte, wurden zunächst die Kameraden aus Blankenburg, Heimburg und Derenburg an die Einsatzstelle gerufen. Um 10 Uhr wurden sie schließlich von den Kameraden aus Hüttenrode und Wienrode abgelöst. Am späten Nachmittag sollte ein erneuter Wechsel der eingesetzten Mannschaften vorgenommen werden. Insgesamt waren 52 Kameraden aus sieben Wehren im Einsatz. Am Vormittag machte sich laut Aelxander Beck auch Bürgermeister Heiko Breithaupt (CDU) ein Bild zur Lage und verstärkte bis in die Abendstunden die Einsatzleitung.

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Wind sorgt für Probleme

Während die Kameraden in der Nacht eine stabile Wasserversorgung vom Hydranten an der Straße zur Burg Regenstein sowie vom Zapfenbach aufbauen konnten, sorgte der stürmische Wind für ein schnelles Ausbreiten des Feuers auf mehrere Stellen. „Insbesondere die wechselnden Winde haben den Brandverlauf unberechenbar gemacht“, so Alexander Beck. Zudem habe die hohe Aufschüttung der Holzreste für Probleme gesorgt. Dadurch, so Werner Greif ergänzend, konnte das Feuer erst nach mehreren Stunden unter Kontrolle gebracht werden.

Den ganzen Tag über wurde der Abfallberg dann aus Schläuchen und per Wasserwerfer der eingesetzten Löschfahrzeuge besprüht - sowohl vom Betriebsgelände aus, als auch von der Umgehungsstraße am Platenberg. Die Verbindung von Weinbergstraße zur Auffahrt Regenstein war daher voll gesperrt. Parallel zum Bewässern des weiterhin schwelenden Holzberges wurde am Vormittag auf dem Betriebsgelände Platz geschaffen, um die verdichtete Holzmasse auseinanderzuziehen und ablöschen zu können.

Laut Kreisverwaltung verlagerte der Betreiber der Anlage in Abstimmung mit dem Umweltamt dort lagerndes Recyclingmaterial und geschreddertes Holz auf sein Betriebsgrundstück in Ballenstedt, um Raum zu schaffen. „Wenn Platz vorhanden ist, werden Schneisen in das vom Schwelbrand betroffene Haufwerk getrieben und das entnommene Material abgelöscht“, hieß es. Diese Arbeiten werden demnach mehrere Tage in Anspruch nehmen. Alternativen, so die Behörde, bestehen nicht.

Sichtbehinderungen auf Autobahn 36

Am frühen Donnerstagmorgen hatte die Kreisverwaltung die Bevölkerung vor der starken Rauchentwicklung und damit verbunden Geruchs- und Sichtbehinderungen entlang der Autobahn 36 gewarnt. Zwar hatte der vorherrschenden Westwind den Rauch vornehmlich in Richtung Osten geweht. Trotzdem war der Brand auch bis ins südlich gelegene Wohngebiet Regenstein zu riechen.

„Aus Erfahrungen bei ähnlichen Brandereignissen wie von zwei Kompostanlagen und dort vorgenommenen Messungen, gehen aufgrund der Abstände keine Gefahren durch Dämpfe und Rauch für die Anwohner aus“, hieß es auf Volksstimme-Nachfrage beim Umweltamt des Landkreises Harz, das bereits am Vormittag selbst mit Mitarbeitern in dem betroffenen Unternehmen vor Ort war.

Laut Umweltamt handelt es sich bei dem Recyclinghof in Blankenburg um eine nach Bundesimmissionsschutzgesetz (BImSchG) vom Landkreis Harz am 11. März 2010 genehmigte Abfallbehandlungsanlage. Gelagert werden dort mineralischer Bauschutt wie Ziegel, Beton und Bodenaushub sowie Altholz, Baumischabfälle, geschredderter Baumischabfall sowie kleine Mengen an sogenannten gefährlichen Abfällen. Diese würden allerdings in Containern gelagert.

Anlage wird zweimal jährlich überprüft

„Die Anlage wird regelmäßig - mindestens zweimal jährlich - von der Unteren Abfallbehörde und der Unteren Immissionsschutzbehörde hinsichtlich der immissionsschutzrechtlichen und abfallrechtlichen Vorgaben und Auflagen überwacht“, heißt es von Seiten der Kreisverwaltung.

Kontrolliert würden dabei die Festlegungen zum genehmigten Umfang der Anlage, die zugelassenen Abfallarten, Durchsatz und Lagermengen, Entsorgungswege und Entsorgungsnachweise sowie die Vorlage von Analysen. „Die Anlage wird, gerade was die Anlieferung von Altholz betrifft, von Containerdiensten aus dem Landkreis Harz beliefert. Die Behandlung der Abfälle erfolgt kontinuierlich“, heißt es. Anders dagegen aber die Abgabe des dort gelagerten Materials. Dies liege zum Beispiel daran, dass Abnehmer wie Heizkraftwerke gerade im Sommer die Annahme über Kontingente regeln würden. Insbesondere die Höhe der Abfallberge hatte in den vergangenen Jahren immer wieder bei Anwohnern für Beschwerden gesorgt.

Laut Kreisverwaltung hat die aktuelle Regelkontrolle am Dienstag, 25. August, stattgefunden. „Aus der letzten Kontrolle wurde der Betreiber aufgefordert, mit der Entsorgung der geschredderten Altholzmengen zu beginnen“, heißt es vom Landkreis. Tags darauf informierte der Betreiber das Umweltamt über den Schwelbrand.

Am Donnerstagnachmittag, 27. August, kam es außerdem zu einem kurzfristig anberaumten Treffen unter Leitung von Bürgermeister Breithaupt im Blankenburger Gerätehaus. Dabei wurde mit Vertretern der Kreisverwaltung zum Thema Recyclinghof beraten, in dem laut Betreiber 21 Mitarbeiter beschäftigt sind. Nähere Einzelheiten dazu wurden nicht mitgeteilt.