Schierke/Wernigerode l Das junge Pärchen aus dem Raum Halle kann künftig am 20. Dezember gemeinsam seinen zweiten Geburtstag feiern. Kameraden von Feuerwehr und Bergwacht sowie Mitarbeiter des Rettungsdienstes haben die 28-Jährige und ihren drei Jahre älteren Partner am Mittwochabend mit einem mehrstündigen Großeinsatz aus dem tief verschneiten Wald im Bereich des Goetheweges unterhalb des Brockenplateaus gerettet und sie sehr wahrscheinlich vor einer Nacht mit höchst tragischem Ende bewahrt.

In Dunkelheit am Goetheweg verlaufen

Das Pärchen war nach Recherchen der Volksstimme am späten Nachmittag vom Brocken aus zum Abstieg in Richtung Schierke aufgebrochen. Ganz offensichtlich viel zu spät, um bei einbrechender Dunkelheit und ohne Ortskenntnis den waghalsigen Abstieg über die gegenwärtig verschneiten und stellenweise sehr glatten Winterwege zu wagen. Dabei wurde das Paar nach ersten Informationen offenbar von der Handy-App falsch geleitet und kam im Umfeld des Goethewegs buchstäblich vom Wege ab. Am Abzweig hinunter zum Eckersprung liefen die beiden in der Dunkelheit weiter neben den Gleisen der Brockenbahn entlang.

Die Folgen waren fatal: Die beiden sackten im Tiefschnee ein, steckten fest und konnten sich ohne fremde Hilfe nicht mehr befreien. Hinzu kamen die Dunkelheit, sinkende Kräfte und obendrein die Panik, jegliche Orientierung verloren zu haben.

Handy wird zum letzten Rettungsanker

Letztlich waren das Handy, dessen Akku zum Glück noch nicht ausgestiegen war, und  die Tatsache, dass in diesem Bereich Mobilfunk vorhanden ist, die Rettung für die Ausflügler, die in Turnschuhen und mit Jeanshosen bekleidet unterwegs waren. Sie setzten gegen 17.15 Uhr einen Notruf ab und landeten im Lagezentrum der Polizei im niedersächsischen Goslar. Die dortigen Beamten kontaktierten die Kollegen in Halberstadt, die daraufhin die Feuerwehren aus Schierke und Wernigerode, die Bergwacht Wernigerode sowie zwei Rettungswagen mit Blaulicht zum Brocken beorderten.

Die Kameraden der Schierker Feuerwehr erreichten nach ersten Informationen als erste die entkräfteten Wanderer. Sie wurden aus dem Tiefschnee befreit und von den Wehrmitgliedern zur Schutzhütte am Eckerloch gebracht. Von dort wurden die beiden dann mithilfe der Bergwacht mit Motorschlitten und Rettungshänger zur Brockenstraße gebracht, wo die Rettungswagen auf die stark unterkühlten Verletzten warteten.

Bergwacht mit Motorschlitten im Einsatz

Die Fahrt dorthin sei aufgrund des Tauwetters und teilweise offener Bachläufe eine Herausforderung gewesen, so Holger Müller, der Chef der Wernigeröder Bergwacht zur Volksstimme. Nach kurzer Erstversorgung vor Ort wurden die beiden Verletzten ins Klinikum Wernigerode gebracht, wo sie gegen 20.45 Uhr das Personal der Notaufnahme übernahm.

Letztlich waren rund 30 Retter der Feuerwehren Schierke und Wernigerode sowie der Bergwacht und des Rettungsdienstes knapp vier Stunden im Einsatz, um die beiden Ausflügler vor dem Erfrierungstod zu bewahren.

Bergwachtchef Holger Müller rät dringend davon ab, im Winter die Wanderwege zu verlassen. „Der sicherste Abstieg nach Schierke ist bei Dunkelheit und fehlender Ortskenntnis die Brockenstraße.“ Zudem seien angepasste Kleidung wichtig und ausreichend Handyakku-Kapazität ratsam, um notfalls Notrufe absetzen und geortet werden zu können.