Wernigerode l Spät am Sonnabend vor Weihnachten, an der Krankenhauskreuzung in Wernigerode: Zwei Autos sind zusammengestoßen, beide Fahrer leicht verletzt. Polizei und Feuerwehr sperren den Unfallort ab. Doch einige Autofahrer sehen nicht ein, dass sie Umwege in Kauf nehmen sollen. „Ein Fahrer lenkte zum Beispiel nach links auf die Gegenfahrbahn und versuchte, an der Absperrung vorbeizukommen“, berichtet der stellvertretende Stadtwehrleiter Marco Söchting. Kein Einzelfall, weiß der Feuerwehrmann: „So etwas erleben wir immer wieder.“

Das bestätigt Kreisbrandmeister Kai-Uwe Lohse. „Das ist mittlerweile fast normal.“ Die Geduld derjenigen, die durch Einsätze aufgehalten werden, sei oft begrenzt. „Sobald Menschen in ihren gewohnten Bewegungsabläufen gestört werden, sind sie sauer.“ Dann würde bezweifelt, ob Absperrungen nötig seien und ob nicht doch ausnahmsweise ein Durchkommen möglich wäre.

Den Mitarbeitern des Rettungsdienstes geht es ähnlich, weiß Lohse, der zugleich Fahrdienstleiter beim Eigenbetrieb Rettungsdienst des Landkreises Harz ist. „Das Auto steht immer verkehrt, egal, wo man es abstellt“, sagt er. Die Mitarbeiter versuchten, zu beschwichtigen und zu erklären – mit unterschiedlichem Erfolg. „Wenn jemand richtig sauer ist, kann man auf Verständnis oder Einsehen nicht hoffen“, so Lohses Erfahrung.

Notfall lässt sich nicht verlegen

Das bestätigt Andi Schön vom Malteser-Hilfsdienst, der in Quedlinburg und Umgebung den Rettungsdienst verantwortet. In engen Altstadtgassen der Welterbestadt komme es zunehmend häufiger vor, dass die Mitarbeiter angegangen würden – auch wenn sie gute Argumente haben. „Für einen Notfalleinsatz kann man aber nicht einfach zwei Straßen weiter weg parken“, so Schön.

Dass Unzufriedene handgreiflich werden, sei aber eher selten. „Bei uns in der Region sind mir weder Schlägereien noch Waffeneinsatz bekannt“, so Kreisbrandmeister und Rettungsdienstler Lohse. Fälle wie der des Blankenburgers, der 2015 einen Feuerwehrmann angefahren hat, sind die Ausnahme: Der Fahrer, der dafür verurteilt wurde, missachtete eine Absperrung und ließ den Kameraden „über die Motorhaube gehen“, so Lohse.

Immerhin: Mit Pöblern hätten Wernigerodes Feuerwehrleute selten zu tun, so Söchting. „Das hält sich bei uns Gott sei Dank in Grenzen.“ Schwierig werde es, wenn Alkohol und Drogen im Spiel seien, sagen Lohse und Schön.

Missachtung kostet

Wie oft Feuerwehr und Rettungsdienst angegangen oder ihre Anweisungen missachtet werden, lässt sich nur schwer nachvollziehen. Für die Polizei sieht das anders aus, „Widerstand gegen Vollzugsbeamte“ heißt das Delikt. 67 Verfahren gab es 2018, gegenüber 58 im Jahr 2014. Die Tendenz für 2019 ist „leicht ansteigend“, so Uwe Becker, Sprecher des Harzer Polizeireviers in Halberstadt.

Wer Weisungen von Polizisten nicht befolgt, begeht eine Ordnungswidrigkeit, die mit 20 Euro Bußgeld bestraft wird. Wer nicht anhält, obwohl ein Polizist dies gebietet, muss 70 Euro zahlen. Wer Amtshandlungen stört, kann festgenommen werden. Die Fahrer, die an der Krankenhauskreuzung nicht warten wollten, mussten übrigens zahlen.

Was passieren kann, zeigt der Blick nach Wolfenbüttel: Berichten zufolge haben dort Unbekannte zu Silvester den Schlüssel eines Feuerwehrautos abgezogen. Offenbar störte der aus technischen Gründen laufende Motor. Der Schlüssel fand sich an der Feuerwache.