Wernigerode l Die Nerven liegen blank an der Blumenuhr in Wernigerode. „Ich kann nachts kein Auge mehr zutun“, klagt eine Anwohnerin. An Schlafen bei offenem Fenster sei nicht mehr zu denken. Grund seien Jugendliche, die ihre Zeit an dem beliebten Treffpunkt totschlagen.

In Tommys Pub – gleich neben der Blumenuhr – sind mehrere Anwohner zum Gespräch mit der Volksstimme zusammen gekommen. Sie wollen ihr Problem öffentlich machen, weil sie nicht mehr weiter wissen. „Die jungen Leute kommen schon am Nachmittag“, haben die Anwohner beobachtet. Später am Abend fahren dann die älteren mit Autos vor. Aus den Fenstern und aus den Boxen auf dem Autodach dröhne die Musik. „Die Bässe wummern richtig“, sagt ein Nachbar. Alkohol kursiere auch. „Dabei sind manche der Jugendlichen gerade 13 oder 14 Jahre alt.“ Am Schlimmste sei das Geschrei der Mädchen. Und wenn die allgemeine Geräuschkulisse steige, werde die Musik noch lauter gedreht. „Manchmal hauen sie gegen zehn ab, manchmal geht es bis nach zwei Uhr nachts. Man will doch auch mal seine Ruhe haben.“

Frust wächst

Nicht nur die Anwohner sind genervt, auch bei den umliegenden Gastronomen wächst der Frust. „Mich stört das“, sagt Thomas Fessel, Inhaber von Tommys Pub. „Und meine Gäste auf den Außenterrassen stört es auch.“ Die Jugendlichen hätten sich mit Wasserpistolen vor seinem Lokal gejagt, berichtet Clemens Ziervogel vom „Marktblick“. „Meine Gäste haben sich permanent aufgeregt, sind aufgestanden und gegangen. Es gibt doch Regeln, an die man sich halten muss.“

Gespräche mit den jungen Leuten hätten bisher nichts gebracht. „Man wird noch angepöbelt und verhöhnt“, so die Erfahrung. „Mir hat einer erzählt, dass sie sich an der Blumenuhr treffen, weil sie vom Forum und Lustgarten verjagt wurden“, sagt ein Anwohner. „Dann hieß es: ‚Hier haben wir eine Uhr und wissen immer, wie spät es ist.‘ – Da musste ich echt an mich halten.“

Angst vor Eskalation

Seit Ostern lungerten die jungen Leute beinahe täglich an der Blumenuhr herum. „Wir fühlen uns einfach im Stich gelassen von der Stadt und der Polizei“, klagt Clemens Ziervogel. Zig Mal hätten die Anwohner schon Alarm geschlagen. Bisher sei ganz selten jemand raus gekommen. Und wenn doch, bringe das wenig. „Einmal hat die Polizei die Personalien aufgenommen“, berichtet eine Nachbarin. „Kaum waren die Polizisten um die Ecke, wurde es richtig laut. Mir war richtig mulmig zumute.“ Die Stimmung werde immer gereizter, sagt ein anderer Anwohner leise. „Ich habe Angst, dass das Ganze eskaliert. Und das will doch keiner.“

Die Harzer Volksstimme im Rathaus hat deswegen im Rathaus nachgehakt. Und prompt wird im Ordnungsamt reagiert. Ordnungsdezernent Christian Fischer, Amtschefin Anja Münzberg und Mitarbeiter Marcus Meier treffen sich zur abendlichen Stippvisite an der Blumenuhr. „Wir waren zwischen 18 und 19.30 Uhr da“, berichtet Fischer. „Da war es vergleichsweise ruhig.“ Fünf bis zehn Jugendliche hätten sie angetroffen. „Sicherlich ist es nicht schön, wenn in der Nähe von Restaurants gerülpst und herumgegrölt wird. Aber nicht immer ist das ordnungswidrig“, so der Dezernent. Die Gegend um die Blumenuhr sei kein reines Wohngebiet und auch kein Friedhof. „Gewisse Lärmentwicklungen müssen von den Anwohnern toleriert werden.“

Jedoch gebe es einen Rechtsrahmen. Und der laute: Bis 22 Uhr dürfen 60 Dezibel nicht überschritten werden. Danach seien 45 Dezibel die Grenze. „Als wir da waren, haben wir keine Grenzüberschreitung festgestellt“, so Fischer. Er wolle das nicht schön reden, stellt er klar. „Es ist störend. Wir sind auf der Seite der Anwohner.“

Härtere Gangart

Dennoch sind die Jugendlichen an dem Abend nicht ganz ungestraft davon gekommen. „Wir haben einen Parkverstoß festgestellt, der mit einem Bußgeld geahndet wird, dazu eine Anzeige wegen Ruhestörung zur Nachtzeit und wegen Sachbeschädigung aufgenommen“, informiert Fischer.

Im Amt sei nach dem Vorort-Termin die weitere Vorgehensweise in Sachen Blumenuhr festgelegt worden. „Wir werden die Polizei bitten, dass die Regionalbereichsbeamten ihre Präsenz an der Blumenuhr erhöhen“, kündigt der Ordnungsdezernent an. Die Verkehrsüberwacher der Stadtverwaltung würden ihre Dienstzeiten künftig so organisieren, dass Parkverstöße der Jugendlichen an der Blumenuhr geahndet werden können. Zudem sei der Bereitschaftsdienst des Ordnungsamtes angewiesen, „auch zu ungünstigen Zeiten Präsenz an der Blumenuhr zu zeigen“, so Fischer. „Unabhängig, ob sich jemand beschwert oder nicht.“

Die Blumenuhr könne nicht zur No-Go-Area erklärt werden. Auch eine Videoüberwachung sei undenkbar. „Aber wir werden zukünftig eine schärfere Gangart einlegen“, versichert der Dezernent. „Das sind wir den Bürgern schuldig.“