Derenburg l Knickt auf dem Schulhof an der Derenburger Bleichstraße ein Kind beim Spielen mit dem Fuß um, schürft sich das Knie oder die Hand auf, hat die Pausenaufsicht aus der Lehrerschaft kaum eine Chance, den Verletzten zu verarzten: „Unsere jungen Sanitäter sind immer sofort zur Stelle“, sagt Schulleiterin Cornelia Köhler. Von weitem erkennbar mit ihren orangen Warnwesten, ausgerüstet mit selbst gestaltetem Ausweis und Notfalltasche, versorgen sie die kleinen Wehwehchen mit Pflaster, Kühlakkus und tröstenden Worten.

„Die Kinder nehmen ihre Aufgabe sehr ernst, sind zuverlässig und kümmern sich sehr liebevoll um ihre verletzten Mitschüler“, so die Erfahrung. Jede Behandlung und Verletzung wird dabei nicht nur schriftlich dokumentiert, sondern freitags zur sechsten Stunde ausgewertet. Dann treffen sich nämlich die „Jungen Sanitäter“ zur Ausbildung.

Angeleitet werden sie von Lucas Heuwoldt, Rettungsassistent beim Landkreis Harz. Die Idee, sich in der Grundschule zu engagieren, entstand beim „Tag der Verkehrserziehung“2017 an der Diesterweg-Grundschule, wo er mit einem Rettungswagen vorgefahren war, um die Arbeit des Rettungsdienstes vorzustellen. Das Interesse der Kinder daran war so groß, dass der 26-Jährige nun nahezu jeden Freitag die AG für interessierte Schüler der dritten und vierten Klasse anbietet.

Von Notruf bis Wundversorgung

Der Inhalt der Ausbildung ist dabei breit gefächert: „Die Kinder lernen den Körper und die Funktion der Organe kennen, üben das Absetzen eines Notrufs, lernen etwas über Hygiene, die Wundarten und die Wundversorgung und die Arbeit des Rettungsdienstes“, erläutert er. Einer der Höhepunkte war der Besuch des Rettungsdienstes.

Der tägliche Dienst in den Hofpausen wird von den „Jungen Sanitätern“ in Zweierteams abgesichert: mit je einem „alten Hasen“ und einem „Frischling“. „Die Kinder lieben das Angebot, und Lucas ist ihr Held“, so die Lehrer, die seit dem Start dieses Angebots öfter den Berufswunsch Rettungssanitäter hören. „Sie haben Achtung und Respekt vor deren Arbeit“, haben sie erfahren. Deshalb danken sie besonders dem Rettungsdienst Wernigerode für die alljährliche Unterstützung des Verkehrserziehungstages und vor allem Lucas Heuwoldt, dass er in seiner Freizeit seine Idee umgesetzt hat. „Er hat damit bei den Kindern viel mehr erreicht, als wir erwartet haben“, so die Lehrer der Diesterweg-Schule.