Wernigerode l Alles war geplant für einen tollen Sonntagnachmittagsausflug mit der Familie in Wernigerode: Mit Tochter, Schwiegersohn und Enkelkindern wollten sich Kinzorras zum Wildpark Christianental chauffieren lassen. Doch als sie an der Anger-Haltestelle der Schlossbahn in deren „Roten Albert“ einsteigen wollten, folgte die Enttäuschung: Der Stopp am bronzenen Wildschwein am Eingang des Tierparks werde derzeit nicht angeboten, entgegnete laut Hans Kinzorra der Fahrer der vollelektrischen Stadtbahn. „Warum? Sonst haben Schloss- und Bimmelbahn doch auch auf Zuruf am Wildpark gehalten“, will der Wernigeröder wissen.

Der Grund dafür liegt einerseits in den Corona-Bestimmungen, die derzeit eingehalten werden müssen, berichtet Michaela Zielke. Die Schlossbahn-Betreiberin verweist zum anderen auf den Touristen-Ansturm, den die bunte Stadt am Harz derzeit erlebt. „Den Stopp im Christianental auf Zuruf bieten wir unseren Fahrgästen sonst gern an, doch momentan ist es bei der Besuchermenge einfach nicht möglich.“

Zusatzbusse zum Schloss

So seien die Bahnen meist am Schloss schon an ihrer Kapazitätsgrenze. Das Unternehmen könne nicht garantieren, am Wildpark ausgestiegene Gäste wieder zurück in die Stadt zu befördern. „Um einen Zusatzhalt einzuplanen, fehlt uns einfach die Kapazität. Alles, was wir haben, ist auf der Schloss-Route im Einsatz“, ergänzt Zielke. Auf der Linie zum Wernigeröder Wahrzeichen sei das Familienunternehmen derzeit mit vier Fahrzeugen unterwegs, setze schon zwei zusätzliche Busse ein.

Zielke hofft, den spontanen Stopp an der Wildschweinplastik wieder anbieten zu können, „wenn die Sommerferien vorbei sind und sich die Lage wieder etwas beruhigt“. Mit letzterem rechne sie aber nicht vor September bis Oktober. So lange empfiehlt sie allen, die nicht zu Fuß oder mit dem Auto ins Mühlental wollen, die Citybus-Linie 202 der Harzer Verkehrsbetriebe, die vom Stadtfeld über Rendezvous ins Mühlental fährt.

Weniger Reisegruppen

Diese Alternative schlägt auch Birgit Mackert vor. Die Betreiberin der Bimmelbahn verweist ebenfalls darauf, wegen der Passagiermassen den inoffiziellen Stopp im Christianental derzeit nicht garantieren zu können. „Zumal wir wegen der Corona-Regeln nur 28 der üblichen 56 Sitzplätze anbieten können“, erläutert sie.

Mackert habe beobachtet, dass bei ihren Fahrten derzeit weitaus weniger größere Gruppen an Bord gehen, dafür aber viel mehr Einzeltouristen und Familien als in den vorigen Jahren. „Wir passen auf, dass die Corona-Regeln im Fahrzeug eingehalten werden“, verspricht sie.

Damit hätten die Fahrer der Schlossbahn ebenfalls alle Hände voll zu tun. „Unser größtes Problem ist, dass die Gäste während der Fahrt Mund-Nasen-Masken tragen müssen – das durchzusetzen ist anstrengend genug“, sagt Zielke.