Ilsenburg/Windhoek l Wellblechhütten, soweit das Auge reicht, Armut – und ein kleiner Funke Hoffnung. Das ist Katutura (frei übersetzt: „Der Ort, an dem niemand leben will“), Elendsviertel von Namibias Hauptstadt Windhoek. Lichtblick für die Bewohner und besonders die Jüngsten unter ihnen ist eine Suppenküche, die ein Team Ehrenamtlicher seit 2005 betreibt. Sechs Sozialarbeiter aus dem Harz sind derzeit im südwestafrikanischen Land unterwegs, um dem Projekt weiterzuhelfen.

Ihr Ziel: Ein Grundstück für die spendenfinanzierte Küche in der Armensiedlung finden. Für ein eigenes Haus konnte genug Geld gesammelt werden. „Das wäre wahnsinnig wichtig, damit sich die Helfer nicht immer im Gemeindehaus des Slums einmieten müssen“, erläutert Evelyn Zinke, ein Mitglied der Reisegruppe.

Ein erster Termin mit einem Immobilienmakler hätte zwar noch keine Ergebnisse gebracht. „Aber wir suchen weiter, geben nicht auf“, berichtet die Stadtjugendpflegerin der Stadt Oberharz am Brocken. Dazu habe man sich ebenfalls mit der Stadtverwaltung von Windhoek getroffen.

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Kooperation seit elf Jahren

Bei dem rund zweiwöchigen Fachkräfteprogramm des Ilsenburger Vereins „Kultur, Bildung und Freizeit“ in Namibia gelte es zudem, die seit elf Jahren bestehende Kooperation der Harzer und der Suppenküche auszubauen, so Vereinschef Sebastian Umbach. „Wir wollen unseren afrikanischen Partnern mit neuen Ideen, Netzwerkpflege und finanzieller Unterstützung weiterhelfen“, sagt der Ilsenburger.

Binnen 14 Tagen waren im Vorfeld der Reise mehr als 2100 Euro an Spenden für das Projekt im ärmsten Viertel Windhoeks zusammengekommen. „Dieses Geld haben wir zu 100 Prozent für Lebensmittel und Equipment der Suppenküche ausgegeben“, berichtet Umbach.

2018 hatten einige Mitglieder des Teams der Einrichtung um Initiator Samuel Kapepo zuletzt den Harz besucht. Über Sozialarbeit im Südwesten Afrikas und das Projekt informierten sich die Sozialarbeiter 2016 vor Ort. „Das Wiedersehen mit dem Suppenküche-Team, das wir vor drei Jahren kennengelernt haben, war absolut herzlich“, sagt Evelyn Zinke.

Abstecher in den Süden Namibias

Ein weiterer fester Bestandteil der Namibia-Austausche: Beschäftigung mit der deutschen Kolonialzeit und Postkolonialismus. Dazu ist die sechsköpfige Reisegruppe nun in den Süden des Landes am Atlantik gefahren, unter anderem in die Hafenstadt Lüderitz.

Von dort aus geht es am nächsten Dienstag wieder zurück nach Windhoek – um weiter an der Zusammenarbeit der Suppenküche mit der Stadtverwaltung zu feilen. Und noch einmal mit dem Immobilienmakler ins Gespräch zu kommen, wie Zinke betont.

Das Namibia-Projekt des Ilsenburger Vereins wird von der Deutsch-Namibischen Gesellschaft und dem Bundesfamilienministerium unterstützt. Den Großteil der Reisekosten tragen die sechs Sozialarbeiter aber selbst. „Das ist es wert – weil es ein absolutes Herzblut-Projekt für uns ist“, sagt Zinke.