Wernigerode l Dass in der Vorweihnachtszeit die Brieftasche lockerer sitzt, hat sich offenbar in Wernigerode herumgesprochen. Seit Tagen sind immer wieder Menschen zu sehen, die mithilfe von Tieren, etwa Ponys und Lamas, Geld erbetteln.

Die Tierschutzorganisation „Vier Pfoten“ rät davon ab, diesen Bettlern Geld zu geben. „Gerade in der Vorweihnachtszeit sieht man in den Fußgängerzonen vermehrt Menschen, die mit Tieren um Spenden bitten“, sagt Sprecherin Melitta Töller auf Volksstimme-Nachfrage. Man solle nicht aus Mitleid mit den Tieren spenden, sondern sich erkundigen, an wen das Geld geht. Seriöse Spendensammler würden das Siegel des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI) oder des Deutschen Spendenrates führen. „Lieber sollte man vor einer Spende genau recherchieren, bevor man eventuell auf Betrüger hereinfällt“, so Töller.

Polizei ist überrascht

Bei der Polizei sind die Spendensammler bislang nicht aufgefallen. „Keine Hinweise und keine Meldungen“, sagt ein Polizeisprecher. Zuständig sei das Ordnungsamt, die Polizei würde aber Amtshilfe leisten, wenn es nötig ist. Wer hinter der Masche steckt, kann die Polizei nicht sagen.

Auch Ordnungsamtschef Gerald Fröhlich ist die Tiermasche bislang noch nicht bekannt. „Ich gehe davon aus, dass es sich dabei um eine Sondernutzung handelt, die genehmigungspflichtig ist“, sagt Fröhlich. In der erst kürzlich beschlossenen Sondernutzungssatzung sei das Zurschaustellen von Zirkustieren verboten. Diese Form des Bettelns sei deshalb von Seiten der Stadt nicht erwünscht.

Passives Betteln sei dagegen nicht genehmigungspflichtig, so der Amtschef. „Wenn allerdings Passanten angesprochen werden, ist es nicht mehr passiv. „Es gibt leider genug Leute, die mit unlauteren Mitteln Geld sammeln.“

Wer mit Tieren in der Fußgängerzone sammelt, muss dies beim Veterinäramt beantragen, sagt Landkreis-Sprecherin Ingelore Kamann auf Volksstimme-Anfrage. Die Untersuchung des Tieres durch Amtstierärzte ist Teil des Verfahrens. „Es ist schon sehr schwierig, die Genehmigung zu bekommen“, sagt Ingelore Kamann. Anträge dieser Art seien aber bislang nicht bei der Kreisverwaltung eingegangen.