Wernigerode l Für Barbara und Dietmar Hanisch sind am Dienstagabend sechs Jahre des Planens, Überdenkens, Überzeugens und Bauens fast vorbei – und für Wernigerode ist eine Bombenlücke in der Innenstadt geschlossen. Das Ehepaar hat mit vielen Gästen aus der Stadt die Neueröffnung seines Sportgeschäfts in der Breiten Straße 65 gefeiert. Zwar stehen außerhalb der knapp 700 Meter großen Verkaufsfläche noch ein paar Gerüstteile, doch bis Oktober sollen alle Arbeiten planmäßig abgeschlossen sein.

Der Bau – außen traditioneller Fachwerk-Charme, innen rustikal-moderne Architektur – füge sich „hervorragend in die historische Altstadt ein“, sagte Oberbürgermeister Peter Gaffert (parteilos) in seiner Rede. Der neue Sportladen sei ein Zeichen für das Leben und die Prosperität von Wernigerodes Innenstadt. Tatsächlich war der Weg zum Stahlbeton-Bau mit aufgesetztem Fachwerk für zehn Wohnungen, von denen acht bereits verkauft sind, „ein Hürdenlauf“, wie Architektin Margit Hottenrott betonte. Der Eröffnungstermin sei gleichzeitig der Tag der 82. Bauberatung für das Projekt, an dem mehr als 30 Unternehmen aus der Region mitgearbeitet haben.

Probleme bei Bau und Altstadt

Angesichts vieler Schwierigkeiten – wie Altstadtsatzung und moderne Architektur zusammenzubringen – sprach Investor Dietmar Hanisch von „einer Chance, einem persönlichen Traum, aber auch einer Mammutaufgabe“. So konnten wichtige Bauteile nur verspätet angeliefert werden, weil ein Linienbus sonst nicht durch die engen Straßen des Viertels gpasst hätte. Deshalb seien die Zeitpläne schwer umsetzbar gewesen.

Umso größer nun die Freude, dass eine der letzten Kriegswunden in Wernigerode zu schließen. Beim Bombenangriff auf die Stadt war am 22. Februar 1944 der Vorgängerbau auf dem 1200 Quadratmeter großen Gelände zerstört worden.

Für den Sporthändler bedeutet der Umzug ins neue Haus an der Ecke zwischen Breiter Straße, Johannisstraße und Brandgasse gleichzeitig den Abschied vom alten Geschäft in der Burgstraße. „Ich bin seit 34 Jahren Kaufmann, meine Frau lebt die Tradition seit 25 Jahren mit – der Standort war für Jahrzehnte fast unser zweites Zuhause“, sagte Hanisch. Mit dem Projekt Breite Straße 65 wagten er, seine Familie und Mitarbeiter „einen ganz neuen Anfang.“