Elbingerode l Der Oberharzer Bürgermeister Ronald Fiebelkorn (CDU) ist dieser Tage nicht zu beneiden. Erst die Debatten um einen hölzernen Schmuckadler am Dorfgemeinschaftshaus in Trautenstein, der verdächtige Ähnlichkeit mit dem früheren Nazi-Adler hat. Und nun ein nicht minder heikles Thema, das die Heimatgruppe in Elbingerode an den Rand der Existenz bringt: Mitglieder des in Wienrode ansässigen Vereins Weda Elysia, dem rechtsextreme Tendenzen nachgesagt werden, wollen in der Chorgruppe mitsingen. Das sorgt intern für Protest.

Fiebelkorn, der am gestrigen Vormittag im Streit um das Trautensteiner Adler-Wappen ein Machtwort sprach – „der Adler wird so schnell wie möglich wieder entfernt“ – erhielt aus der Heimatgruppe heraus einen anonymen Brief. Einen Hilferuf, wie der 57-Jährige auf Anfrage gegenüber der Volksstimme bestätigt.

Furcht vor Rechtsruck

Inhaltlich will der Christdemokrat nicht ins Detail gehen. Im Kern gehe es jedoch darum, dass Chormitglieder, die gegen die Aufnahme der Weda-Elysia-Akteure sind und einen Rechtsruck im Chor befürchten, Fiebelkorn um Hilfe bitten.

„Ich habe sofort reagiert und den Chorleiter Udo Waskewitz zu einem Gespräch gebeten“, so das Stadtoberhaupt. Allerdings, so der CDU-Kommunalpolitiker weiter, habe er Waskewitz mit seinen Argumenten nicht erreichen können. „Er gebe lediglich Chorunterricht und interessiere sich nicht für die politische Einstellung der Mitglieder.“

Suche nach neuen Sängern

Was Udo Waskewitz gegenüber der Volksstimme bestätigt: „Wer bei mir singen will, den werde ich nicht ablehnen“, so der Chorleiter. Nicht zuletzt mit Blick auf sinkende Mitgliederzahlen sei er stets auf der Suche nach neuen Sängern, stellt er klar. Nach Volksstimme-Informationen sind jüngst fünf bis sechs neue Gesichter hinzugekommen. Meist sind bei den Proben drei Frauen anwesend, mitunter auch ein junger Mann.

Derweil brodelt es nach Recherchen der Volksstimme in der Heimatgruppe Elbingerode gewaltig. Mehr noch: Die Chorgemeinschaft ist ob der neuen Gesichter gespalten. Der Riss geht mittlerweile selbst durch Familien, wo das Thema dem Vernehmen nach zuweilen kontrovers diskutiert wird.

Ablehnung

Dass die Chor-Anwärter Anhänger des Vereins Weda Elysia aus dem Blankenburger Ortsteil Wienrode sind, ist unstrittig. Die Gruppe lebt im Dorf nach dem Vorbild der Anastasia-Bewegung, denen wiederum eine rechtsextreme, antisemitische Gesinnung nachgesagt wird. Nach außen gibt sich die Truppe ökologisch, heimatverbunden und hilfsbereit. Sie präsentieren Volkstänze, lesen Kindern Märchen vor und helfen im Dorf oft und gern.

Engagement, das auch in Elbingerode wahrgenommen wird. Wohl auch deshalb ist die Meinung im Chor gespalten. Es sind längst nicht alle Sänger gegen die Aufnahme der neuen Mitglieder. Nach Volksstimme-Informationen lehnen jedoch mindestens acht der rund 40 Chor-Mitglieder die Aufnahme strikt ab und gehen auf Distanz.

Drohung

Was Waskewitz nicht von seiner Meinung abbringt: Dem Vernehmen nach soll er intern damit gedroht haben, sein Amt niederzulegen, sollten die neuen Sängerinnen in der Heimatgruppe nicht aufgenommen werden. Was wohl das Ende des Heimatchores bedeuten würde.

Bürgermeister Fiebelkorn sieht die Entwicklung in Trautenstein und Elbingerode derweil kritisch. Man müsse – gerade im rechten Spektrum – genau hinschauen, was passiere. „Wehret den Anfängen.“