Halberstadt l Sie wollen mit ihren Kindern oder Enkeln chatten und Ordnung auf ihrem Smartphone. Das sind die dringendsten Wünsche, mit denen ältere Menschen zu Thomas Schatz in die Laptop- und Smartphone-Sprechstunde kommen. Er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Hochschule Harz. „Ich werde ganz oft gefragt, wie Daten gelöscht werden“, sagt er.

Ab dem Montag, 22. Oktober, bietet die Akademie zusätzlich einmal pro Woche eine Sprechstunde zu Komfort, Sicherheit und Smartphone an. Dabei geht es nicht mehr nur wie bisher um Telefone, Tablets und Laptops, sondern auch um technische Einrichtungsgegenstände, die das Leben von alten Menschen erleichtern und sicherer gestalten sollen.

Diese Sprechstunde bieten Thomas Schatz und seine Kollegin Julia Bruns im Neubaugebiet Burgbreite in Wernigerode an. In der Kopernikusstraße 8 hat die Wernigeröder Wohnungsgenossenschaft 2011 eine Musterwohnung eingerichtet. Ein Vorzeigedomizil für alte Menschen quasi: ebenerdige Dusche, keine Türschwellen und eine Rampe, die auf den Balkon führt.

Sprechendes Fotoalbum und petzender Trinkbech

Die Fachhochschule Harz hat sie über die Zeit um technisches Equipment erweitert. „Wir haben uns bei der Auswahl daran orientiert, was für ältere Menschen im Alltag wirklich hilfreich ist. Und das ist kein Hightech“, so der wissenschaftliche Mitarbeiter Schatz.

Da gibt es zum Beispiel den tragbaren Lichtschalter oder das sprechende Fotoalbum. Ersteres ermöglicht, von überall Licht an- oder auszuschalten, vom Bett aus etwa. Letzteres soll Demenzkranken verschiedene Ereignisse im Leben wachrufen. „Familienmitglieder können zu jedem Bild einen persönlichen Text aufzeichnen. Das kann der Angehörige dann abspielen“, so Schatz.

Es gibt aber auch einen Gardinenlift, mit dem die Gardinenstange hoch und runter fährt. Kein Rentner müsste beispielsweise mehr auf einen Stuhl steigen, um die Vorhänge abzunehmen. Außerdem sind da noch die vereinfachte Fernbedienung, die automatische Abschaltvorrichtung für den Herd, das Bügeleisen, das sich auf drei Füße stellt, sobald es nicht mehr benutzt wird oder der Trinkbecher, der Angehörigen direkt aufs Smartphone meldet, wie viel der Rentner getrunken hat. Thomas Schatz sagt: „So kann das Leben der Älteren sicherer werden.“ Die Gefahr von Wohnungsbränden und Stürzen werde minimiert und Familienmitglieder könnten ihre Angehörigen besser überprüfen. Deswegen richtet sich das Beratungsangebot sowohl an alte Menschen als auch an ihre Angehörigen.

Erkenntnisse über Praxistauglichkeit

Schatz‘ Kollegin Julia Bruns erklärt: „Die Wohnung ist für uns ein Real-Labor.“ Die Fachhochschulmitarbeiter protokollieren, welche Geräte die Besucher am meisten faszinieren oder auch abschrecken. Die wissenschaftliche Einrichtung verspricht sich so Erkenntnisse über die Praxistauglichkeit der Geräte.

Hinter dem Beratungsangebot steht das Projekt „Innovationsnetzwerk Vernetzte Technikberatung und Techniknutzung“ (VTTNetz). Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert das Vorhaben, das auf fünf Jahre ausgelegt ist. Projektleiterin ist die Professorin Birgit Apfelbaum. Sie sagt: „Die Idee ist es, dass irgendwann die Kommune die Beratung weiterführt und ihre Bürger technikfit macht.“ Das könne über Hauptamtliche und ehrenamtliches Engagement geschehen.

Ältere dürfen Anschluss nicht verlieren

Die Professorin ist überzeugt, dass sich alte Menschen in der digitalisierten Welt bewegen müssen, um den Anschluss nicht zu verlieren. Sie sollen wissen, wie sie ihre Bankgeschäfte online verwalten, wenn die Filiale in ihrer Nähe geschlossen wird, wie sie den Busfahrplan von zuhause einsehen oder sich die Lebensmittel vom Postboten in die Wohnung bringen lassen können, wenn die Knochen müde werden.

Die kostenlosen Sprechstunde zu Komfort, Sicherheit und Smartphone findet ab 22. Oktober jeden Montag von 14 bis 16.30 Uhr jeweils in Einzelberatungen in der Kopernikusstraße 8 statt. Interessenten können sich bei Thomas Schatz unter der Telefonnummer (0172) 3 46 41 94 anmelden.