Wernigerode l Sie sind da, wenn niemand anders erreichbar scheint: Die Krisenhelfer der Telefonseelsorge sind rund um die Uhr erreichbar. Menschen mit Problemen können sich für Trost und Rat an sie wenden. Im Jahr 2017 waren es etwa 16300 Personen, die dieses Angebot der Telefonseelsorge in Sachsen-Anhalt in den Zweigstellen Dessau, Wittenberg und Wernigerode in Anspruch nahmen.

Im Vorjahr waren es noch etwa 21000 Anrufer. Der Grund für die knapp 5000 Anrufer weniger sei aber nicht etwa, dass weniger Menschen das Angebot in Anspruch nehmen würden. Das erklärt Andreas Krov-Raak, der Leiter der Telefon-Seelsorge-Dessau im Sozialausschuss der Stadt Wernigerode. Er stellte die Bilanz des Angebotes aus dem Jahr 2017 vor. Eine bedeutende Neuerung erwirkte den Rückgang: Die technischen Voraussetzungen liegen nun vor, selbst Anrufe aus dem Mobilfunknetz, die aus Sachsen-Anhalt kommen, auch nach Sachsen-Anhalt zu leiten.

Technik erleichtert

Für die Anrufer bedeute das eine ungeheure Erleichterung: „Früher war es so, dass manche Hilfesuchende uns gar nicht erreichen konnten, weil das Netz belegt war. Anrufe aus ganz Deutschland kamen bis vor kurzem noch bei uns an. Durch die regionale Routing werden nur noch Anrufe aus Sachsen-Anhalt und Thüringen durchgelassen. Das erhoht die Erreichbarkeit“.

Am besten stehen die Chancen für eine Beratung vormittags oder nachmittags. Die meisten Anrufer wenden sich zwischen 17 und 2 Uhr hilfesuchend an die telefonischen Berater.

Gründe: Depression und Stress

Ein Trugschluss sei es, dass es im Winter mehr Anrufe gäbe. „Im Frühling, wenn draußen die Sonne scheint, dann wird Menschen mit Problemen bewusst, dass etwas nicht stimmt“, erklärt Krov-Raak.

An den Hauptgründen für Anrufer habe sich auch 2017 nichts geändert. Es sind vor allem depressive Stimmungen, Ängste. und Stress, die Problemsuchende zum Hörer greifen lassen. Die Ratsuchenden sind vor allem Menschen im berufstätigen Alter. Rentner rufen eher selten an. „Aufgrund der Arbeit sind Menschen vielen Krisen ausgeliefert“, sagt der Koordinator der Telefonseelsorge. Im Jahr 2017 riefen 30 Prozent der Menschen mit einer diagnostizierte psychischen Störung an. Diese Zahl ist im Gegensatz zum Vorjahr um zwei Prozent gestiegen. Erklärt werden könne das laut Krov-Raak damit, dass Betroffenen nicht genügend Therapietermine haben, um jede Krise abzudecken.

Ehrenamtler gesucht

In der Zweigstelle in Wernigerode arbeiten im Moment neun Ehrenamtler. „Ehrenamt heißt bei uns wirklich Ehrenamt“, sagt der Leiter der Telefonseelsorge. Lediglich Fahrtkosten und Ausgaben für Schulungen würden erstattet. Die Helfer haben 140 Stunden Ausbildung hinter sich. Bezahlt werden müsse allerdings das Büro in Wernigerode. Die Stadt hat die Miete von 1620 Euro für das Jahr 2017 vollständig übernommen Die Mitglieder des Sozialausschusses votierten einstimmig dafür.

„Aber wir brauchen nicht nur Geld, sondern auch mehr ehrenamtliche Helfer“, so Andreas Krov-Raak. Interessierte sind willkommen. Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr unter (08 00) 1 11 01 11/ beziehungsweise 222 zu erreichen, darüber hinaus im Internet unter www.telefonseelsorge.de