Teure Sterne: Klavierwettbewerb sorgt für Missklänge unter den Lokalpolitikern Stadträte streiten über Kosten für Musikfestival - Wernigerode gibt mehr als 10000 Euro aus

Von Julia Angelov

Der Klavierwettbewerb "Neue Sterne" hat eine Diskussion um die Kosten entfacht. Missklänge gab es im Kultur- und im Finanzausschuss. Die Mitglieder lobten zwar die positive Außenwirkung für die Stadt, kritisierten aber die Kosten von mehr als 10000Euro.

Wernigerode l Der dritte internationale Klavierwettbewerb "Neue Sterne" im März wurde in der Sitzung des Kulturausschusses als Erfolg gewertet. "In seiner Qualität war der Wettbewerb auf höchstem Niveau", sagte Jürgen Kipper, Mitarbeiter im Kulturamt der Stadt. Und: "Der Erfolg ermutigt zu einer Fortsetzung jeweils im Wechsel mit dem Johannes-Brahms-Chorfestival."

Stadträtin Brigitte Tannert (SPD) erklärte aus Perspektive der Besucher: "Ich war als Gast dort. Der Wettbewerb ist ein großer Imagefaktor, und andere Städte würden sich freuen, so eine Veranstaltung ausrichten zu können." Eine Fortsetzung wünscht sich auch der Hochschullehrer und Konzertpianist Albert Mamriev. Bei der Siegerehrung am 11. März erklärte er bereits vor dem Publikum, dass er das Festival wegen der guten Resonanz von Sponsoren und Publikum in Zukunft noch größer ausgestalten wolle.

Frank Diesener (FDP/Haus Grund) sprach sich dafür aus, den Wettbewerb auszuweiten, um mehr Menschen außerhalb der Region dafür zu begeistern. Dem stellte sich Thomas Schatz klar entgegen. Der Linke-Stadtrat sagte, dass darüber zunächst eine offene Debatte geführt werden sollte. "Wir müssen uns überlegen, ob wir uns einen solchen Wettbewerb überhaupt wünschen und leisten wollen", so Schatz vor den Kulturausschuss-Mitgliedern.

"Die Stadt ist klamm und 10200 Euro sind keine kleine Summe."

Gisela Holicki, Linke-Stadträtin

Die Kosten der Veranstaltung wurden auch im Finanzausschuss ausgewertet. Die Stadt gab für den Wettbewerb 10 200 Euro aus. Im Haushalt waren jedoch nur 4000Euro eingeplant worden. So schlug der Klavierwettbewerb in diesem Jahr mit rund 6200 Euro mehr zu Buche. Der Grund: Das Fördergeld von der Landesverwaltung in Höhe von 5000 Euro ist ausgeblieben, da der Haushalt noch nicht beschlossen war. Zudem hat die Veranstaltung 2600Euro mehr gekostet, unter anderem weil ein Klavierstimmer aus Leipzig für vier Tage bezahlt werden musste, erklärte Kulturdezernent Andreas Heinrich. 1400Euro waren zusätzlich beim Kartenverkauf und durch Sponsoren ins Stadtsäckel geflossen.

Zudem wurde der Mitinitiator des Wettbewerbs gefördert. Der Verein jüdischer Kunst und Kultur erhielt 2800 Euro.

Gisela Holicki (Linke) forderte angesichts der Kosten mehr Haushaltsdisziplin. "Ich bin auch für solche Veranstaltungen. Aber die Stadt ist klamm und 10200 Euro sind keine kleine Summe", sagte die Professorin. "In Zukunft sollten wir so vorausschauend planen, dass solche Beträge nicht bei der Stadt hängen bleiben."

Andreas Heinrich, der die Zahlen präsentierte, betonte, dass es in Mitteldeutschland keinen vergleichbaren Wettbewerb gebe und die Besucherzahlen "ganz neue Dimensionen" erreicht hätten. "Die Beteiligung des Publikums hat sich verdreifacht", erklärte er. Genaue Besucherzahlen konnte er jedoch nicht nennen.

"Dass das Geld vom Land nicht rechtzeitig kommt, war nicht absehbar."

Andreas Heinrich, Kulturdezernent

"Dass das Geld von der Landesverwaltung nicht rechtzeitig kommt, war zu befürchten, aber nicht absehbar", sagte Dezernent Heinrich. "Ich wäre dankbar, wenn wir möglichst bald die Basis schaffen können, den Wettbewerb 2014 wieder auszurichten. Setzen wir aus, ist er erst wieder in vier Jahren, und wir müssten von vorn anfangen." Brigitte Tannert sprach sich ebenfalls für den Wettbewerb aus: "Ich finde, die Mehrkosten sind vertretbar." Kevin Müller (SPD) stimmte ihr zu. "Andere Städte geben ein Vielfaches mehr aus. 10200 Euro ist eine Summe, die hier in eine gute Sache investiert wurde", so Müller.

Schatz als Vorsitzender des Finanzausschusses erinnerte an den Sachsen-Anhalt-Tag, den Wernigerode 2014 stemmen muss. "Es ist nicht unwahrscheinlich, dass dieses Fest den Kostenrahmen überschreiten wird", sagte er. "Deshalb sollten wir uns überlegen, ob der Klavierwettbewerb verschoben werden könnte."

2012 hatten bei den "Neuen Sternen" 61 Musiker aus 22 Staaten teilgenommen. Die erste Wettbewerbsrunde fand erstmalig in der Kreismusikschule Harz im Haus "Andreas Werckmeister" statt. Schüler hatten die Vorrunde in der Musikschule in diesem Jahr kostenlos besuchen können. Weitere Runden wurden im Saal des Kultur- und Kongresshotels bestritten. Die Veranstaltung wurde gemeinsam vom Verein jüdischer Kunst und Kultur und der Stadtverwaltung organisiert.