Rübeland l „Die Ecke kann durch diesen Ausbau nur gewinnen“, ist Henry Raschke mit Blick auf das Areal um die Rappbodetalsperre auf der Seite nach Rübeland hin überzeugt. Der Ortschaftsbürgermeister hat gerade gemeinsam mit einer Mehrheit im Rat gegen jeweils eine Gegenstimme die weiteren Planungsdokumente für eine „Freizeitanlage Rappbodetalsperre“ befürwortet und dem Stadtrat Oberharz zur Beschlussfassung empfohlen.

Erstmals wurde dabei das überarbeitete Gesamtprojekt, von dem bisher fast nur die Parkplatzvergrößerung bekannt war, vorgestellt. Danach wird der Bereich der Tourismusfirma Harzdrenalin um Parkplatz, Hängebrücke und Urania-Infopunkt auf eine Fläche von 4,9 Hektar neu gestaltet. Geplant sind rund 430 Parkplätze (derzeit 125) sowie ein Aussichtsturm, ein Restaurant und auch Übernachtungsmöglichkeiten (Cottages). Vor allem der Randbereich, in dem bisher Verkaufsstände stehen, soll naturverträglich neu geordnet und gestaltet werden.

Dazu hat Rübelands Ortschaftsrat auch die bisherigen Hinweise von den Trägern öffentlicher Belange behandelt. So fordert zum Beispiel die Obere Naturschutzbehörde, dass bei dem Bau artenschutzrechtliche Ver­stöße auszuschließen sind. Eine Biotopkartierung liege bereits vor, heißt es dazu, die Ergebnisse fließen in die Pla­nung ein.

Ersatzwald zum Teil schon aufgeforstet

Ein Teil der Waldumwandlung, also der Aufforstung von Waldflächen als Ersatz für in Anspruch genommene Waldfläche, ist nach Informationen der Stadtverwaltung bereits vorgenommen worden, die nötigen weiteren Flächen sollen hinzukommen. Gefordert - und zugesagt - wurden außerdem Nachweise über diese Waldumwandlung sowie über die vollständige Kompensati­on des zu erwartenden Eingriffs in die Natur. Dazu gehören eine Vegetationskartierung mit der Angabe von Habitaten, also großen und wichtigen Bäumen.

Auch gilt es noch, das Vorkommen von Fledermäusen, Brutvögeln, Amphibien und anderem Getier im Bereich zu erfassen. Bis hin zu möglichen Auswirkungen hinsichtlich des Wanderfalken-Brutplatzes am Kohlenberg, wie es heißt. Bisher wird in den insgesamt 70 Seiten umfassenden Hinweisen der Träger öffentlicher Belange keine Hürde für den Ausbau des viel besuchten Areals ersichtlich.

„Das Projekt ist ein Gewinn für Rübeland und die Region“, bringt Bürgermeister Raschke die Meinung der Ratsmehrheit auf den Punkt. Das habe er auch den 20 Gegnern des Projektes in der „endlich mal wieder gut besuchten Tagung“ erklärt, informiert Raschke. „Es geht ja hier um neue Flächen, auf denen meist nur Buschwerk wächst und wo der Aushub vom Tunnelbau liegt“, erklärt der Bürgermeister. Es werde Zeit, dass die Gestaltung der touristischen Angebote mit so erfreulich vielen Besuchern in „vernünftige Kanäle“ geleitet werde. Das sehen Katja Nitsche, Andreas Rothschuh, Maik Breternitz und 17 andere Gegner des Projektes anders.

Protest gegen Erweiterung

Sie verweisen mit Schildern und in der Debatte mit Worten auf die „Opferung“ von Wald für eine Freizeitanlage, auf lärmige Treffs von Fahrergruppen am Tunnel, auf vorhandene Parkplätze am Hotel Zur Talsperre. „Hier entsteht eine richtige Kleinstadt mitten im Naturschutzgebiet, das ist überflüssig“, sagt Breternitz der Volksstimme.

Was die Parkplätze am Hotel Zur Talsperre betrifft, legt Michael Kubocz, Vize-Bauamtsleiter des Oberharzes, in der Tagung dar, würden diese gerade erst auf ihre Rechtmäßigkeit geprüft und seien daher keine Alternative. Die lauten Motorradfahrer oder Treffs der Tuning-Szene, so erklärt Raschke, hätten mit dem Projekt nichts zu tun. Diese Belästigung habe es schon vor dem Bau der Hängebrücke gegeben. Sie abzustellen, sei Sache der Ordnungsämter Oberharz und Thale.

Der Ortschaftsrat gibt die Pläne zur öffentlichen Auslegung ab Dezember/Januar frei. Sie gehen als nächstes in die Ausschüsse sowie zur Entscheidung am 11. Dezember in den Stadtrat Oberharz.