Schierke l Hunderte Besucher haben am Wochenende bei bestem Winterwetter den Brocken besucht. Allerdings gab es auch zahlreiche fragwürdige Situationen. So kletterten Personen auf die gefrorenen Krüppel-Fichten und ließen sich fotografieren. Andere rodelten in der Kernzone des Nationalparks trotz Verbotszeichen durch die Fichten hindurch. Generell, bestätigt Nationalpark-Sprecher Friedhart Knolle, seien das Wegegebot vielfach ignoriert und die gesperrten Bereiche betreten worden. An der Wetterwarte des Deutschen Wetterdienstes (DWD) eskalierte am Samstag gegen 14.30 Uhr die Situation: Der Diensthabende rief die Polizei, weil zwei Personen versucht hätten, die Tür zum Gebäude gewaltsam zu öffnen.

Auslöser der Aktion war offenbar die vom DWD-Mitarbeiter von der oberen Messplattform geäußerte Bitte an Besucher, den Bereich mit Messgeräten im direkten Umfeld der Wetterwarte nicht zu betreten. Darauf reagierte mindestens ein Besucher aggressiv.

Das Areal mit der sensiblen Technik ist normalerweise eingezäunt und abgesperrt. So sind auf dem Brockenplateau auch öffentliche Wege von gesperrten Bereichen abgegrenzt. Aufgrund der aktuellen Schneehöhe von knapp 150 Zentimetern sind alle Zäune nicht mehr erkennbar. Das sorgt nicht nur dafür, dass Touristen auf Schneewehen und zwischen Krüppel-Fichten umherlaufen. Das gipfelt zuweilen sogar in Rodelaktionen direkt zwischen den laut Knolle besonders schutzwürdigen Top-Biotop-Bereichen. Und das sorgt dafür, dass Besucher der Wettermesstechnik zu nahe kommen – obwohl, wie der DWD-Mitarbeiter betonte, er extra Hinweis-Schilder aufgestellt habe.

Unterwegs mit der Schneefräse zum Brocken

Wernigerode (mg) l Damit die Harzer Schmalspurbahnen (HSB) im Winter den Brocken ansteuern können, muss morgens die Schneefräse den Weg freiräumen. So hart ist die Arbeit auf den Gleisen.

  • Die auf Schmalspurbetrieb umgebaute Diesellok der Baureihe 199 schiebt die Schneefräse am Begenungspunkt Goethebahnhof am Brocken voran – der Schnee wird weit ins Gelände hinein geschleudert. Foto: Dennis Lotzmann

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  • Trotz technischer Unterstützung ist auf der Strecke der Brockenbahn Handarbeit nötig: Hier an der Weiche am Goethebahnhof. Volksstimme-Reporter Dennis Lotzmann (vorn) packt mit an. Foto: Thomas Demuth

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  • Tino Fügner im Führerstand der Lok V 100 schiebt die Gleis-Schneefräse vor sich langsam hinauf in Richtung Brocken. Weil der Schnee nass und schwer ist, geht es zuweilen nur im Schritttempo voran. Foto: Dennis Lotzmann

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  • Blickperspektive aus dem Führerstand der Schiebelok bei der Fahrt auf den Brocken. Bei extrem großer Schneeauflage auf den Gleisen der Harzer Schmalspurbahnen müssen bestimmte Gleisabschnitte mehrfach befahren und schrittweise gefräst werden. Foto: Dennis Lotzmann

    Blickperspektive aus dem Führerstand der Schiebelok bei der Fahrt auf den Brocken. Bei extre...

  • In der weißen Hölle: Die Schiebelok der Harzer Schalspurbahnen kommt mit der Schneefräse auf dem Brocken an.  Foto: Dennis Lotzmann

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Einbruchsversuch in Wetterwarte scheitert

Mindestens einer der angesprochenen Besucher betrat anschließend den Vorraum der Wetterwarte und klingelte im Beisein mehrerer Zeugen pausenlos Sturm. Er wolle in den Turm hinein, erklärte er und klingelte weiter unablässig.

Wenig später eskalierte nach Angaben des DWD-Mitarbeiters die Situation: Zwei Männer hätten versucht, die massive Holztür aufzudrücken. „Ich habe das über die Kamera der Wechselsprechanlage beobachtet, weil ich allein war, Panik bekommen, und daraufhin die Polizei alarmiert“, berichtet er. Ein Sprecher des Harzer Polizeireviers bestätigt den Einsatz: „Wir haben eine Strafanzeige wegen versuchten Einbruchs aufgenommen und ermitteln.“

Nationalpark-Sprecher Knolle bestätigt mit Blick auf die Besuchermassen auf dem Brocken immer größere Probleme. „Wir erleben dort oben zunehmend rücksichtsloses Verhalten“, zitiert er eine Einschätzung von Nationalpark-Chef Andreas Pusch. „Das gute Benehmen und die Rücksicht auf die Natur nehmen allgemein ab – leider“, so Knolle. Das werde nicht nur auf dem Berg beobachtet, sondern auch in Langlaufloipen – „statt miteinander zu reden, wird oft gleich gebrüllt“.

Ranger werden Situation nicht Herr

Die auf dem Berg eingesetzten Ranger würden der Situation an extrem besucherreichen Tagen wie am Wochenende nicht mehr Herr. „Wir überlegen daher, das Personal an Schwerpunkttagen mit Waldarbeitern zu verstärken.“ Die von Besuchern geschilderten Fälle würden von Beschäftigten auf dem Berg, etwa von der Wetterwarte, bestätigt. „Es wird beobachtet, dass Bäume bewusst beschädigt oder zerstört werden. Dabei reden wir hier von besonders sensibler Vegetation.“

Allerdings räumt auch Knolle ein, dass die Konstellation an Wintertagen mit großen Schneemengen schwierig sei. Zäune, die sonst Wege von den Tabu-Zonen erkennbar abgrenzen, sind im Schnee versunken. „Generell ist die Situation dort oben aber klar: Es gilt das Wegegebot, diese dürfen nicht verlassen werden. Und die Wege sind klar erkennbar, weil sie geräumt sind.“ Dessen ungeachtet wolle der Nationalpark in diesem Jahr auf dem Brocken ein neues Beschilderungssystem etablieren und dabei auf die besondere Situation im Winter hinweisen. „Das Problem ist, dass man in die Hirne bestimmter Leute einfach nicht reinkommt.“