Wernigerode l Falsche Polizisten, die angebliche Enkelin, die dringend Geld braucht, oder Anrufe von zwielichtigen Vertretern – die Maschen der Trickbetrüger sind vielfältig. Ins Visier der dreisten Ganoven geraten vor allem ältere Menschen. „Meist planen die Gauner ihre Aktionen von langer Hand, suchen sich gezielt Opfer, die kaum soziale Kontakte haben oder einsam sind“, sagt Bärbel Voigt. Die Kriminaloberkommissarin vom Polizeirevier Harz versucht, Senioren für die Gefahr zu sensibilisieren.

„Meine Schwägerin hat den Enkeltrick erlebt. Es war erschreckend, was die Täter alles über ihr Leben wussten“, sagt einer der Gäste einer Informationsveranstaltung der Seniorenvertretung Wernigerode mit der Beamtin. „Die Betrüger-Banden durchforsten Telefonbücher gezielt nach Namen, die alt klingen“, erläutert Voigt.

Betrüger kommunikativ geschult

Die Anrufer seien kommunikativ geschult, warteten nur darauf, dass ihrem Opfer im Telefongespräch der Name eines Bekannten oder Verwandten herausrutsche. „Lassen Sie sich von diesen Psychospielchen nicht einlullen“, warnt die Polizistin. Niemals solle man am Telefon persönliche Fragen zu seiner Gesundheit oder seinen finanziellen Verhältnissen beantworten.

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„Ich habe einen zweifelhaften Anrufer – angeblich mein Enkelsohn – abgewehrt, indem ich sagte: ‚Ruf mich bitte auf dem Handy an‘“, berichtet eine Wernigeröderin. Der Täter habe die Nummer natürlich nicht gewusst. „Absolut richtig“, beurteilt Voigt das Verhalten der Seniorin.

Telefonnummern mit Computern gefälscht

Erschwerend für die Opfer: Dank Computertechnik können die Täter Telefonnummern, die auf der Anzeige aufblinken, täuschend echt manipulieren – etwa die Notrufnummer 110. „Da sollten Sie stutzig werden – über diese Nummer nehmen wir nur Gespräche entgegen, würden niemals selbst anrufen“, sagt Bärbel Voigt. Auch bei vermeintlichen Anrufen der Kriminalpolizei rät sie zu Vorsicht: „Wenn es den Kollegen wirklich ernst ist, rufen sie nicht nur an, sondern besuchen Sie Zuhause.“

Auch wenn Amtspersonen an der Haustür klingeln, rät die Beamtin zur Vorsicht: „Sie haben das Recht, sich den Dienstausweis zeigen zu lassen.“ Doch diesen könne man ebenso wie Uniformen von Polizei und Zoll oder Namensschildchen fälschen. „Es gibt keine hundertprozentige Sicherheit, hören Sie auf Ihr Bauchgefühl“, empfiehlt die Expertin.

Sie rät zudem, sich im Zweifelsfall immer bei der Polizei zu melden. „Wir erfahren bei weitem nicht von allen Fällen“, sagt die Polizistin. Häufig schämten sich die Opfer, weil sie überlistet wurden. „Doch das ist falsch – jede nicht angezeigte Gaunerei ist ein Schulterklopfen für die Täter.“ Bärbel Voigt bittet, auch über abgewehrte Betrugsversuche zu informieren. „Wenn wir die Geschichten der Ganoven kennen, hilft uns das bei der Präventionsarbeit“, erläutert die Kriminaloberkommissarin.