Wernigerode l „So schlimm wie in diesem Jahr war es noch nie im Lustgarten“, echauffiert sich eine Wernigerödern auf Facebook. Sie klagt die Randalierer und Müll-Rowdys direkt an: „Ihr seid so cool mit euren Wodkaflaschen, die auch noch mutwillig zerschlagen werden, bevor ihr sie durch die Gegend werft. Kinder und Tiere könnten sich an den Scherben verletzen.“ Als Anwohnerin würde sie sich richtig schämen und werfe deshalb regelmäßig den Müll, den sie liegen sieht, selbst in den Eimer.

Nicht nur ihr, sondern auch ihren Nachbarn stinken Vermüllung, Zerstörungswut, nächtliche Gelage und die permanente Ruhestörung in der sonst so idyllischen Parkanlage inzwischen gewaltig. Den ganzen Sommer über hagelte es Beschwerden bei Polizei und Ordnungsamt.

Lage ernst

Die Behörden haben den Ernst der Lage inzwischen erkannt. Es sei „erschreckend und erschütternd“, was die Anwohner an Lärm zu ertragen haben, so Ordnungsamtschefin Anja Münzberg. Deshalb soll nun gehandelt werden. „Wir haben uns mit Streetworkern und Polizei verständigt und wollen Präsenz zeigen, mit allen Möglichkeiten, die wir haben“, so Anja Münzberg.

Auch wenn sich die Lage im Lustgarten mit Einbruch der kalten Jahreszeit merklich gebessert hat, Wernigerodes Stadtverwaltung will für die nächste Freiluftsaison gewappnet sein. „Wir werden sofort im Frühjahr beginnen, ganz nach dem Motto: Wehret den Anfängen“, kündigt die Amtschefin in der jüngsten Sitzung des Ordnungsausschusses an.

Müll und Verwüstung

Die Situation im Lustgarten war nach der Abiparty in diesem April eskaliert. In den Monaten danach hatten junge Leute in Gruppen von bis zu 100 Personen den Lustgarten beinahe täglich heimgesucht und dort mit Alkohol und lauter Musik gefeiert. Zurück blieben Mal für Mal jede Menge Müll und Verwüstung.

Ein weiteres Ärgernis: Die Feiernden fuhren zum Teil mit ihren Autos auf das Gelände und zerstörten dabei Rasenflächen und Gehölze in der bei Spaziergängern sehr beliebten Parkanlage. Auch damit soll jetzt Schluss sein. In der Grünflächensatzung der Stadt sei das Verbot ganz klar geregelt, so Anja Münzberg. „Wir wollen die Beschilderung verbessern, damit klar ist, dass Autos im Lustgarten nichts zu suchen haben.“

Doch der Lustgarten ist längst nicht die einzige Baustelle der städtischen Ordnungshüter. Am Anger-Parkplatz brodelt es. Von den Anwohnern gebe es „massive Beschwerden“, so Amtchefin Münzberg. Jugendliche würden dort in den Abend- und Nachtstunden laute Musik hören und trinken.

Ärger auch am Anger

Die Ruhestörung am Anger ist auch Matthias Winkelmann (CDU) ein Dorn im Auge. „Die Anwohner dort wissen sich nicht mehr zu helfen“, so der Chef des Ordnungsausschusses. Das Problem sei nicht neu, habe sich dort in den letzten Monaten aber verschärft. „Die Jugendlichen kommen mit ihren Autos. Und dabei ist Alkohol im Spiel“, sagt Matthias Winkelmann. Schon mehrfach sei die Polizei gerufen worden. „Die Leute verstecken dann ihre Getränke, die Polizei fährt wieder. Und die Anwohner fühlen sich verschaukelt.“ Das könne so nicht weiter gehen. „Das muss man extrem beschneiden.“

Ordnungsamtschefin Anja Münzberg hat bereits „tiefgreifende Maßnahmen“ angekündigt, um der Situation auf dem Parkplatz wieder Herr zu werden.