Wernigerode/Schierke l Es hätte so schön sein können: Schnee, Traumwetter, Winterspaß mit Ski und Schlitten, jede Menge gut gelaunte Besucher. Doch es kam ganz anders am Wochenende19./20. Januar in Schierke. Ein übervolles Parkhaus, Blechlawinen von dort bis zur Feuerstein-Arena, zugeparkte Einfahrten und Straßen, genervte Anwohner und Touristen. „Für viele Gäste war es kein schönes Wochenende“, bringt es Schierkes Ortsbürgermeisterin Christiane Hopstock (CDU) auf den Punkt. „Die kommen nie wieder.“ Dass die Kassenautomaten im Parkhaus von Unbekannten geknackt wurden, setze dem Ganzen noch die Krone auf.

Im Wernigeröder Rathaus muss es bei der Auswertung des Wochenendes mächtig gescheppert haben. So warteten die Rathaus-Mitarbeiter im Schierke-Ausschuss gar nicht erst auf die Standpauke der Stadträte, sondern äußerten sich gleich selbst zur Misere. Die wichtigste Nachricht: Die aufgebrochenen Kassenautomaten wurden am Donnerstag repariert und funktionieren wieder, berichtete Andreas Meling, der als Stadtbetriebsamtschef auch für das Parkhaus verantwortlich ist.

10.000 Euro lagerten in Automaten

Als die Diebe in der Nacht zu Montag zuschlugen, steckten die gesamten Einnahmen des Wochenendes in den Kassen – knapp 10.000 Euro. Das ließ heftige Kritik laut werden. Das Geld hätte viel eher abgeholt werden müssen, hieß es. Die Stadt habe den Betrieb des Parkhauses erst 2019 und schrittweise von der Wernigerode Tourismus GmbH (WTG) übernommen, versuchte Meling zu erklären. „Die Bargeldzahlung an den Automaten erst am 15. Januar.“ Bei der Leerung habe man sich an die Intervalle der WTG gehalten.

Inzwischen sei klar, dass der Schaden niedriger ist, als zuvor angenommen. Nicht die kompletten Einnahmen fehlen, sondern nur die Geldscheine. „Dennoch hätte das nicht passieren dürfen. Und es wird auch nicht wieder passieren“, versicherte Meling. Künftig werde an keinem Abend mehr so viel Geld in den Automaten sein. „Wir werden das personell absichern.“

Politessen im Einsatz

Das Parkchaos an den besucherstarken Tagen soll zumindest entschärft werden. Die Freifläche an der Schule fasse 140 Autos. „Wir lassen dort freischieben und organisieren eine Kassierung“, kündigte Ordnungsdezernent Volker Friedrich an. Zudem werden zwei Politessen, ein weiterer Rathaus-Mitarbeiter plus zwei Leute von einem externen Sicherheitsdienst eingesetzt.

Die dürfen allerdings nur Tipps geben und Knöllchen verteilen. In den fließenden Verkehr dürfen sie nicht eingreifen. „Das ist Sache der Polizei.“ Das Problem sei, dass nicht jeder die Hinweise des Ordnungsamtes dankbar annehme. „Viele Autofahrer lassen uns dastehen wie dumme Jungs“, so Friedrich.

„Wir könnten natürlich flächendeckend Verwarnungen verteilen.“ Aber dafür wolle er diesmal vorher das Okay der Stadträte. Friedrich erinnerte an den „Shitstorm der Gäste“ Anfang 2015, als das Ordnungsamt für eine wahre Knöllchenflut in Schierke gesorgt hatte. „Im Stadtrat musste ich mich dafür rechtfertigen, dass meine Leute und ich unsere Arbeit gemacht haben.“

Zumal Verwarnungen das Chaos kaum auflösen würden. „Die weißen Zettel an den Autos nutzen gar nichts. Die stehen drei Stunden später immer noch da“, so Volker Friedrich. Linderung würden nur mehr Parkflächen schaffen, die man in Schierke aber derzeit nicht habe. Die Lösung sei aus seiner Sicht eine Zusammenarbeit mit Braunlage und die Einrichtung einer Busspange und eines Großparkplatzes zwischen beiden Orten. „Das muss bloß mal einer anfangen. Das ist nicht Sache der Ordnungsbehörde.“