Wernigerode l Verkehrsberuhigter Bereich in der unteren Breiten Straße: Das heißt, Autos fahren Schrittgeschwindigkeit, und Fußgänger können die Straße in ihrer ganzen Breite nutzen. Das ist die Vision von Matthias Winkelmann, die er am Donnerstag im Stadtrat vorstellte.

Lediglich zwischen Ringstraße und Pfarrstraße sollten Autofahrer zukünftig ihr Tempo drosseln, so der CDU-Politiker, der in dem Bereich selbst als Geschäftstreibender ansässig ist. Denn dort sei die Straße am engsten. „Die Gefährdungslage ist da sehr hoch.“ Vor allem vor dem Spielwarengeschäft seien viele Kinder unterwegs. „Ein Wunder, dass bisher nichts passiert ist.“

Gleichzeitig soll nach Matthias Winkelmanns Vorstellung die Große Bergstraße zur Einbahnstraße umgewidmet und deren rechte Seite durchgängig mit „dringend benötigten Anwohnerparkplätzen“ ausgestattet werden.

Weniger Durchgangsverkehr

Mit seiner Lösung würden in Wernigerodes touristischer Hauptschlagader gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden. Die „so oft geforderte ständige Erreichbarkeit“ der angrenzenden Wohngebiete sei weiter gewährleistet. „Gleichzeitig wird der Durchgangsverkehr im Bereich Burgstraße, Vorwerk, Große Bergstraße und Breite Straße abgeschwächt und somit die Lebensqualität für das innerstädtische Wohnen, für den Handel und den Tourismus gesteigert“, so Winkelmanns Begründung. Zudem werde dadurch der Übergang von Fußgängerzone zur befahrenen Straße für alle Verkehrsteilnehmer „sanfter und vor allem sicherer“.

Die untere Breite Straße wird seit 2017 Abschnitt für Abschnitt saniert. Bei den Arbeiten werden nicht nur die Versorgungsleitungen im Untergrund neu verlegt, sondern gleichzeitig Fahrbahn und Gehwege neu gestaltet. Bis 2020 soll der Lückenschluss zur Ringstraße erfolgen.

Das Thema Verkehrsberuhigung zwischen Fußgängerzone und Stadtecke ist nicht neu. Im Vorfeld des Bauprojektes von Stadt Wernigerode, Stadtwerken und Wasser- und Abwasserzweckverband wurde lange und breit darüber diskutiert. Drei Varianten standen vor sechs Jahren zur Debatte: Tempo 20, die Verlängerung der Fußgängerzone bis zur Stadtecke oder eben verkehrsberuhigter Bereich. Letzteres wurde damals schnell ad acta gelegt. Auch an einer erweiterten Fußgängerzone schieden sich die Geister. Vor allem die Händler befürchteten Schwierigkeiten und Behinderungen beim Lieferverkehr.

Änderungen an Verkehrsführung möglich

Deshalb entschied man sich letztlich für die Beibehaltung einer Tempo-20-Zone. Diese Lösung sei aber flexibel, hieß es damals. „Bei neuen Erkenntnissen zur Verkehrsführung" sei es kein Problem, die Straße beispielsweise zur Fußgängerzone umzugestalten.

Winkelmanns Idee lässt eine heftige Diskussion erwarten. Vorerst jedoch keine politische. Denn der CDU-Politiker zog seine Vorlage im Stadtrat überraschend zurück. Er sei vor der Sitzung von Stadtjustiziar Rüdiger Dorff darauf hingewiesen worden, dass der Stadtrat nicht in den Verkehr eingreifen dürfe, so Winkelmann auf Nachfrage.

Verkehrskonzept schreibt Tempo 20 vor

Dorff bestätigt das. „Die Entscheidungskompetenz des Stadtrats ist in der Hauptsatzung geregelt“, so der Justiziar. Und das Aufstellen von Verkehrsschildern sei Sache der Verwaltung. Ordnungsdezernent Volker Friedrich ergänzt: „Das festgelegte Verkehrskonzept für diesen Bereich der Innenstadt schreibt Tempo 20 vor. Das ist für uns aktueller Stand.“ Das Konzept könne natürlich geändert werden. „Das müssten wir dann diskutieren.“

Für Winkelmann ist seine Idee noch nicht gestorben. Es gehe ihm „um die Sache“. Deshalb habe er sein Anliegen als „große Anfrage“ an die Verwaltung formuliert. Im Rathaus soll geprüft werden, was möglich ist und was nicht. „Somit ist die Vorlage nicht ganz vom Tisch, und das Ordnungsamt muss sich hierzu bekennen.“