Wernigerode l Knapp 381.000 Euro Buß- und Verwarngelder haben die Mitarbeiter des Wernigeröder Ordnungsamtes in 2018 abkassiert. 19.759 Knöllchen wurden allein an Falschparker verteilt. Das klingt erstmal sehr viel. Tatsächlich aber ist die Anzahl der Knöllchen im Vergleich zu 2017 um mehr als 3700 gesunken. Sind die Autofahrer in Wernigerode etwa vernünftiger geworden?

„Ich weiß es nicht wirklich“, sagt Anja Münzberg im Volksstimme-Gespräch. Wahrscheinlicher sei die angespannte Personalsituation als Ursache, vermutet die Chefin des Ordnungsamtes. In der Regel überwachen sechs Mitarbeiter den ruhenden Verkehr und verteilen Knöllchen, zwei weitere bedienen das städtische Blitzerauto. Aber nur theoretisch. „Wir hatten 2018 einen hohen Krankenstand in dem Bereich“, so Münzberg. Über viele Wochen seien vier bis sechs Kollegen ausgefallen. Im Jahresschnitt seien die Politessen nur zu 40 Prozent einsatzfähig gewesen. „Und dafür ist das erzielte Ergebnis eigentlich gut.“

Parkverbotszone tückisch

Das häufigste Vergehen der Parksünder ist laut der Knöllchenstatistik des Ordnungsamtes das Missachten des „Parkverbots in einer Zone“ – 2964 mal in 2018 abgestraft. Für viele Autofahrer ist diese Regelung tückisch. Denn eine Parkverbotszone gilt solange, bis sie durch ein anderes Verkehrsschild aufgehoben wird. „Das Problem ist, dass viele Autofahrer das nach der nächsten Straßenkreuzung wieder vergessen haben“, so Ordnungsdezernent Volker Friedrich. Die Regelung sei allerdings deutschlandweit so üblich, vor allem um „Schildermaterial zu sparen und die Städte nicht mit Schildern vollzupflastern“.

2364 mal ließen sich Parksünder ohne Ticket erwischen. 1447 mal war die Zeit auf dem Parkschein überschritten. 2217 Knöllchen wurden fürs Parken im absoluten Halteverbot verteilt.

Wie Anja Münzberg informiert, mussten innerhalb des Jahres 2018 220 Autos umgesetzt werden, unter anderem, weil sie von ihren Fahrern im eingeschränkten oder absoluten Haltverbot beziehungsweise auf Bewohnerparkplätzen abgestellt wurden.

Vier Blitzekönige

Die Kamera des städtischen Blitzerautos löste in 2018 ganze 4731 mal aus, 602 mal weniger als im Jahr zuvor. Insgesamt 101.000 Euro Verwarn- und Bußgelder mussten die Raser dafür löhnen. Einen „Blitzerkönig“, also einen Spitzenreiter bei den Tempoverstößen, gibt es laut Amtschefin Anja Münzberg diesmal nicht. Den Spitzenplatz teilen sich vier Autofahrer, die in der Stadt 50 Kilometer pro Stunde schneller waren als erlaubt.